War Caligula wahnsinnig?

Vielleicht, vielleicht auch nicht!

Waren diese Herren in Wirklichkeit Ehrabschneider?

Denn über den Wahrheitsgehalt der Auslassungen antiker (und späterer) Geschichtsschreiber – unter anderen:

  • Lucius Annaeus Seneca (*um 1/°65),
  • Publius Cornelius Tacitus (*um 58/°120),
  • Gaius Suetonius Tranquillus, kurz: Sueton (*70/°120),
  • Lucius Cassius Dio (*163/°229) –

gibt es unter zeitgenössischen Historikern inzwischen durchaus Zweifel.

„… und jedem Anfang liegt ein Zauber inne ...“

Kaiser Tiberius war im März 37 n. Chr. in Misenum (heute: Miseno/Golf von Neapel) verstorben und Caligula (*12/°41 n. Chr.) – von den Prätorianern unter ihrem Präfekten Quintus Naevius Cordus Sutorius Macro (* 21 v. Chr./°38 n. Chr.) auf den Schild gehoben – wurde mit 24/25 Jahren Nachfolger seines Großonkels.

Und Caligula, der neue Kaiser, kam gut an beim römischen Volk. Er amnestierte politische Gefangene, senkte die Steuern, verbot jegliche Art staatlicher Schnüffelei, tat sich – zwar Kosten treibend, aber letztlich überschaubar – als Bauherr hervor und ließ aufwändig gestaltete Volksvergnügungen (z.B. Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen) in Szene setzen.

Metamorphose

Doch dann, so die antiken Autoren, soll eine extreme Persönlichkeitsspaltung des jungen Kaisers stattgefunden haben. Oder übte er sich lediglich in bewusster Exzentrik? Wie auch immer!

Formal nur „princeps senatus“ (“Erster des Senats“) und/oder „princeps civitatis“ („Erster Bürger“), scheint Caligula – so die zeitgenössischen Darstellungen – seine faktisch absolute Herrschaft in unangemessener Weise überstrapaziert zu haben.

Zunehmend zeichnete sich der zum Tyrannen mutierte Kaiser unter anderem durch eine ungeheure Prunk- und Verschwendungssucht, Narzissmus, eine gewisse Selbstüberhebung sowie eine (mögliche?) Paranoia aus. Mag sein! Wie heißt es doch im Volksmund? Wo Rauch ist, ist auch Feuer!?

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht

Jedenfalls, so ist bis heute allenthalben nachzulesen, ließ Caligula – zum Beispiel –

  • seinen Ex-Schwiegervater,
  • seinen Adoptivsohn Gemellus (der ursprünglich von Tiberius als sein Erbe vorgesehen war) und den
  • Prätorianerchef Marco ermorden,
  • ihm nicht wohl gesonnene Senatoren foltern,
  • die so genannten Majestätsprozesse wieder aufleben,
  • die Steuern wegen seiner ausschweifenden Lebensweise wieder anheben,
  • (vorgeblich) sein Pferd zum Konsul ernennen und
  • sich selbst als Gott anreden.

Das schlug schließlich dem Fass den Boden aus. Schluss mit Lustig. Im Januar 41 n. Chr. wurde Caligula, knapp dreißig Jahre alt, von einigen Männern seiner Prätorianerleibgarde umgebracht.

PS

Wie Caligulas Leben und Wirken sich tatsächlich zugetragen hat, bleibt aus heutiger Sicht der Geschichtsforschung letztlich allerdings weitestgehend offen. War Caligula also wirklich wahnsinnig? Oder war er lediglich so etwas wie ein „Enfant terrible“ seiner Zeit?

Möglicherweise ist das seitens der oben angegebenen antiken Chronisten negativ überlieferte Geschichtsbild Caligulas schlicht und einfach nicht objektiv, sondern basiert zu einem Gutteil auf Neid, Missgunst, Animosität und Rachsucht? Immerhin gehörten beispielsweise auch die antiken Geschichtsschreiber Seneca, Tacitus, Sueton und Cassius Dio dem römischen Adel an – und mit der Aristokratie hatte es Caligula anscheinend nicht so.

Nun denn! Und – wie’s aussieht: Alles scheint möglich …

Autor: Manfred Zorn
Quelle „Römisches Reich“ (rororo – Das farbige LIFE Bildsachbuch); „Caligula – Eine Biografie“ (Aloys Winterling, C. H. Beck)

 

 

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