War Kaiser Claudius verheiratet?

Na, klar! Sogar Mehrmals!

Verlobung und erste Heirat

Während über die tatsächlichen Charaktereigenschaften Kaiser Claudius’ immer noch trefflich gerätselt wird, gilt es offenbar als sicher, dass Claudius eindeutig heterosexuell, zweimal verlobt und viermal verheiratet war.

Die Verlobungen blieben ergebnislos. Die eine wurde aufgelöst, die andere scheiterte am plötzlichen Tod der Braut.

Aus der ersten, tatsächlich zustande gekommenen, Ehe mit einer gewissen Plautia Urgulanilla sollen ein Sohn und eine Tochter hervorgegangen sein. Der Knabe verstarb früh (er soll angeblich an einem Stück Obst erstickt sein?), die aus einem Seitensprung seiner Frau stammende Tochter wurde von Claudius nicht anerkannt.

Kurz und bündig

Mit seiner zweiten Frau, Aelia Paetina, hatte Claudius erneut eine Tochter – Claudia Antonia. Die Ehe hielt etwa drei Jahre; die Tochter wurde 65 n. Chr. – 35ig-jährig – von Nero gemeuchelt.

Die Nymphomanin

Claudius’ dritte Gattin hieß Valeria Messalina,

  • war zum Zeitpunkt der Hochzeit erst Vierzehn oder (je nach Quellenlage) vielleicht auch schon Achtzehn,
  • wird in den antiken Annalen als angeblich intrigant und nymphoman geschildert,
  • gebar – dessen ungeachtet – Claudius trotzdem eine Tochter, Claudia Octavia, und einen Sohn mit Namen Britannicus (*41/°55 n. Chr.).

Claudia Octavia wurde die erste Frau Kaiser Neros, was aber keine Rolle mehr spielte, als sie auf Betreiben einer der diversen Geliebten Neros 62 n. Chr. von vermutlich angeheuerten Mordbuben unter die Erde gebracht wurde.

Ein Schicksal, das zuvor schon (55 n. Chr.) den 14-jährigen Stiefbruder Neros, Britannicus, ereilt hatte. Bei Letzterem soll, so heißt es bei Tacitus (*58/°120 n. Chr.), Gift im Spiel gewesen sein.

Die machtgierige Mutter Neros

Im Jahr 49 n. Chr. traute Claudius sich ein viertes Mal. Seine Wahl fiel auf seine Nichte, Agrippina die Jüngere (*15/°59 n. Chr.), die wiederum einen Sohn, Lucius Domitius Ahenobarbus, mit in die Ehe brachte.

Lucius wurde von Claudius adoptiert, hieß fortan Nero (*37/°68 n. Chr.) und kam später (von 54 bis 68) als exzentrischer Kaiser zu fadenscheiniger Berühmtheit.

Agrippina soll es dann – ebenfalls u.a. nach Tacitus – gewesen sein, die Claudius mit einem Pilzgericht (Sorte: Kaiserling, Kaiserpilz, Orangegelber Wulstling) sowie unter Mithilfe des einen oder anderen in den Chroniken genannten Mittäters/Mitwissers (es gibt da die unterschiedlichsten Versionen) vergiftet haben soll. Was so allerdings nicht zwingend stattgefunden haben muss.

Wie es auch gewesen sein könnte

Möglicherweise war es überhaupt kein – von wem auch immer begangener – Mord, sondern lediglich ein Unfall, sozusagen eine missliche Verkettung unglücklicher Umstände.

Nach dieser Lesart könnte schlicht eine ungewollte Untermischung eines Grünen Knollenblätterpilzes, der dem Kaiserpilz verblüffend ähnelt, die Ursache Claudius’ Ablebens gewesen sein. Vielleicht hat ihn auch nur, schlimm genug, ein plötzlicher Herztod dahingerafft?

Zum Schluss

Ok – Claudius sowie auch seine Ehefrauen, sind in den Schilderungen zeitgenössischer Autoren in ihrem Handeln und Wirken nicht immer vorteilhaft beurteilt worden. Wir wissen es (naturgemäß) keineswegs besser. Also wollen wir es an dieser Stelle abschließend schlicht mit Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ halten:

„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen“…

Autor: Manfred Zorn

 

 

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