Hat Kaiser Nero Rom tatsächlich in Brand gesteckt?

Kaiser Nero? Nein, war das nicht Peter Ustinov (*1921/°2004)? Natürlich nicht!

Der Film

Ustinov hat Nero lediglich im Film „Quo vadis“ (1951) großartig gespielt und diese Figur – von ihm als reichlich tumber Kaiser, der, die Kithara (antikes Saiteninstrument) zupfend, verzückt auf das von ihm veranlasste Inferno der in Flammen aufgehenden Stadt Rom schaut – dargestellt und das Urteil des Publikums über diesen umstrittenen Exzentriker nachhaltig geprägt.

Der Kaiser glänzt durch Abwesenheit

Der historische Nero (*37/°68 n. Chr.) dagegen soll sich, so hat die Geschichtsforschung bereits seit längerem herausgefunden, zum Zeitpunkt des Brandes im Sommer 64 n. Chr. überhaupt nicht vor Ort, sondern – aller Wahrscheinlichkeit nach – in seiner unweit von Rom gelegenen Geburtsstadt Antium (heute: Anzio/Latium) aufgehalten haben.

Ein nicht auszuräumender Verdacht

Dennoch wurde Nero in weiten Kreisen der Bevölkerung – in der Annahme, der Kaiser wolle Rom im Anschluss an die immerhin wenigstens sechs Tage lang wütende Feuerwalze umso prächtiger wieder aufbauen lassen – verdächtigt, in dieser schrecklichen Angelegenheit doch seine Hände mit im Spiel gehabt zu haben.

Da auch sein durchaus uneingeschränktes und unmittelbares Krisenmanagement – Nero soll umgehend Notunterkünfte für die obdachlos Gewordenen geschaffen haben – scheinbar nichts an dieser vorherrschenden Meinung zu ändern vermochte, wagte Nero den Sprung nach vorn.

Die Christen sollen es gewesen sein

Er schob kurzer Hand den Christen die Schuld an der, große Teile Roms vernichtenden, Feuersbrunst in die Schuhe. Allenthalben nachzulesen ist, dass in der Folge eine Vielzahl Menschen aus der christlichen Glaubensgemeinschaft entweder schlicht erschlagen, im Kampf gegen Löwen oder bei den allseits beliebten Wagenrennen auf barbarische Weise ums Leben gebracht wurden.

Wie es wahrscheinlich wirklich war

In Wirklichkeit – unter anderen Tacitus (*58/°120 n. Chr.), neuere archäologische Funde und weiterführende Forschungen lassen diesen Schluss zu – soll das Feuer im Umfeld des Circus Maximus (Kampf- und „Sport“-Arena) mehr oder wenig zufällig ausgebrochen sein, und sich aufgrund vorangegangener Trockenheit und starkem Wind sozusagen blitzartig über die Stadt ausbreitet haben.

Über die Anzahl der durch den Brand Umgekommenen wird in den antiken Schriften nichts Relevantes gesagt. Trotzdem – alles in allem muss das schreckliche, aber wohl keineswegs von Nero initiierte, Ereignis schlimm genug gewesen sein…

Autor: Manfred Zorn

 

 

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