Wer und was war Kaiser Vespasian?

Titus Flavius Vespasianus, kurz: Vespasian (*9/°79 n. Chr.), der später (ab 69 n. Chr.) als römischer Kaiser unter dem Titel und Namen Imperator Caesar Vespasianus Augustus „firmierte“, stammte aus der zwar bürgerlichen, dennoch gut situierten Familie der Flavier, deren Familienname – mit den Kaisern Vespasian, Titus Flavius Vespasianus (*39/°81) und Titus Flavius Domitianus (*51/°96)für den Begriff der so genannten Flavier-Dynastie stand beziehungsweise steht.

Aufstieg im Steilflug

Der von antiken Autoren als bescheiden, fleißig, vorausschauend und humorvoll beschriebene Vespasian begann seine Karriere – vom Truppenkommandeur, über Konsul in Rom bis zum Prokonsul der römischen Provinz Africa – bereits unter Kaiser Claudius (*10 v. Chr./°54 n. Chr.), und setzte sie unter Kaiser Nero (*37/°68 n. Chr.) erfolgreich fort.

Im Verlauf des „Jüdischen Krieges“ (von 66 bis 70/74 n. Chr.) wurde Vespasian 67 n. Chr. von Nero mit dem militärischen Oberkommando zur Niederschlagung der Aufständischen in Judäa betraut. Ein Jahr später verstarb Nero, und die Auseinandersetzungen um seine Nachfolge begannen.

Abwarten und Tee trinken

Im Jahre 69, dem so genannten „Vierkaiserjahr“, konkurrierten drei durchaus hoch dekorierte Feldherren, Statthalter und Heerführer –

  • Galba (*3 v./°69 n. Chr.),
  • Otho (*32/°69 n. Chr. und
  • Vitellius (*um 12/°69) –

um das Amt. Ohne nachhaltigen Erfolg. Ihre Kaiserzeit endete jeweils nach nur wenigen Monaten. Entweder wurden sie ermordet (Galba), starben durch Suizid (Otho) oder wurden zu Tode gefoltert (Vitellius).

Lachender Vierter war Vespasian. Im Juli 69 von seinen Truppen sozusagen spontan zum Kaiser ausgerufen, noch vor der endgültigen Erstürmung Jerusalems im September 70 durch seinen Sohn Titus nach Rom zurückgekehrt, wurde Vespasian vom Senat anerkannt und mit allen Vollmachten eines „Princeps“ („Erster unter Gleichen“) ausgestattet.

Mit seiner Herrschaft begann eine zehnjährige Zeit des Friedens.

Restrukturierer, Organisator und Sparfuchs

So betrieb Vespasian – unter anderem –

  • die Wiederherstellung eines vernünftigen Miteinanders zwischen Senat und des seit Kaiser Augustus bestehenden so genannten „Prinzipats“ („princeps senatus“/„Erster des Staates“ oder „princeps civitatis“/„Erster Bürger“),
  • eine Neugestaltung des Lateinischen Rechts in den Provinzen,
  • förderte die Ansiedelung Umzugswilliger in als verzopft, sprich: als rückständig geltende Reichsgebiete,
  • schuf die Möglichkeit zur Erlangung der römischen Staatbürgerschaft für die in der Truppe Dienenden,
  • stabilisierte das Reich durch eine Restrukturierung des Heeres und der allgemeinen Verwaltung,
  • verstärkte die Außengrenzen durch bauliche Schutzmaßnahmen,
  • konsolidierte die Staatsfinanzen durch Einsparungen und neue, teils auch ungewöhnliche Steuern – beispielsweise die einer Latrinensteuer nach dem Motto: „Geld stinkt nicht“ („Pecunia non olet“) –

und führte, außer einigen kleineren Scharmützeln bei der Erweiterung der britannischen Provinz bis an die Grenzen Schottlands, keinerlei weiteren Kriege.

Bautätigkeit

Stattdessen initiierte er den Bau eines Friedenstempels (heute eine an der Via dei Fori Imperiali ausgegrabenen und lediglich fragmentarisch erhaltenen) Friedenstempels, ließ zügig den im Vierkaiserjahr zerstörten Kapitolinischen Tempel (Kapitol) wieder herstellen und kurbelte etwa um 70 n. Chr. herum den Bau eines Amphitheaters (Kolosseum) an, dessen endgültige Fertigstellung er allerdings nicht mehr erlebte.

Tod und Nachfolge

Vespasian verstarb im Sommer des Jahres 79, und zwar – sehr ungewöhnlich für seine Zeit – eines natürlichen Todes. Anlässlich eines Kuraufenthaltes in Aquae Cutiliae (heute: Terme di Cotilia/Latium). Sein Nachfolger wurde sein Sohn Titus Flavius Vespasianus, kurz: Titus (*39/°81), der als Kaiser den Titel Imperator Titus Caesar divi Vespasiani filius Vespasianus Augustus führte.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Römisches Reich (Das farbige LIFE Bildsachbuch/ rororo)

 

 

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