Wer war Kaiser Domitian?

Titus Flavius Domitianus, kurz: Domitian (*51/°96), war der zweite Sohn Kaiser Vespasians (*9/°79 n. Chr.), Bruder des soeben (81 n. Chr.) verstorbenen Kaisers Titus (*39/°81), der Letzte aus der Dynastie der Flavier und – last but not least – das genaue Gegenteil seines Vorgängers und Bruders.

 

Der Schurke

In den Quellen (fast) durchgängig als misstrauisch, paranoid, grausam und abgehoben, also schlicht als schlechter Charakter beschrieben, soll(en) Domitian nachgerade in tyrannischer Manier geherrscht, und Verfolgungen unliebsamer Widersacher und deren Hinrichtungen (angeblich) seinen Weg gepflastert haben.

Und das, obwohl Domitian parallel dazu seinem Umfeld bei Antritt seiner Herrschaft als durchaus moderater Autokrat erschien.

Der Wolf im Schafsfell

So bekämpfte er vehement

  • die Korruption,
  • trieb die Verwaltung zu mehr Effizienz und
  • förderte Kunst und Architektur.

Unter anderem ließ er den „Titus-(Triumph)bogen“ auf dem Hügel Velia, das „Nerva“-bzw. „Forum Transitorium“ auf dem Forum Romanum sowie das „Domus Augustana“ (das „Haus des Kaisers“) errichten.

Außenpolitisch hielt Domitian die rechtsrheinischen Germanen durch den

  • Baubeginn des Limes in Schach,
  • besiegte schließlich zwischen 83 und 89 n. Chr. sowohl den bei Fulda heimischen germanischen Stamm der Chatten, als auch den Stamm der Daker („Pannonische Kriege“) im westlichen Schwarzmeergebiet (heute: Rumänien) und
  • festigte den römischen Machtbereich in Britannien.

All dessen ungeachtet, verschlechterte sich Domitians Verhältnis zum Senat im Schweinsgalopp.

Der Ignorant

Der sah nämlich die Spielregeln verletzt, nach denen der Kaiser zwar mit unbegrenzter Machtfülle ausgestattet ist, aber wenigstens so zu tun habe, als sei es, vereinfacht gesagt, umgekehrt.

Es kommt, wie's kommt

Die Feindseligkeiten seitens der Senatoren und weiterer Honoratioren aus der Upperclass gegen Domitian und seine absolutistisch ausgeübte Regierungsweise, ließen sich nicht mehr aufhalten – was wiederum zu irrationalen und, so heißt es, nicht mehr zu steuernden Verhaltensweisen des ohnehin nicht vor Selbstbewusstsein strotzenden Kaisers führte.

Sein vermutlich einsetzender, allerdings wohl immer schon latent vorhandener Verfolgungswahn, soll ihn zu geradezu krankhaft motivierten Auswüchsen des Terrors hingerissen haben. Wie weiter oben schon gesagt: Eine Welle des Schreckens legte sich über das Land – es wurde verfolgt, gejagt, verurteilt, verbannt und exekutiert, was das Zeug hielt.

Das unrühmliche Ende

Bis der Krug – der solange zum Brunnen geht, bis er bricht – auch für Domitian brach.

Im September 96 wurde er aus seinem engeren persönlichen Umfeld heraus von einem Ex-Sklaven – in einträchtiger Kumpanei mit einem Kammerdiener – nach heftiger Gegenwehr getötet, das Dahinscheiden vom Senat bejubelt, ein Staatsbegräbnis verweigert und sein Name so gut wie ausgelöscht ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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