Wer folgte auf Kaiser Vespasian?

Auf Kaiser Vespasian (*9/°79 n. Chr.), der im Sommer d. J. 79 verstorben war, folgte sein Sohn Titus Flavius Vespasianus, kurz: Titus (*39/°81), als so genannter „princeps senatus“ („Erster des Staates“) beziehungsweise „princeps civitatis“ („Erster Bürger“).

 

Was schert mich der Senat

Allerdings wurde dieser Titel, diese Position, auch von ihm nicht so recht für bare Münze genommen. Vielmehr gerierte er sich, wie schon seine Vorgänger – angefangen bei Kaiser Augustus (*63 v. Chr./°14 n. Chr.) bis hin zu Vespasian – in der Machtausübung als letztlich vom römischen Senat mehr oder weniger nur vordergründig akzeptierter Alleinherrscher.

Verdienste

Titus, bis zu seiner nur zweijährigen Kaiserzeit (79 bis 81) als Militärtribun in Germanien und Britannien, Mitkonsul Vespasians, Prätorianerpräfekt und engster Vertrauter seines Vaters unterwegs, erlangte seine Meriten im Wesentlichen im Rahmen des „Jüdischen Krieges“ (66 bis 70/74) mit der endgültigen Eroberung Jerusalems im Jahre 74.

Der Wandlungsfähige

Ursprünglich in weiten Kreisen des römischen Volkes als so etwas wie die Inkarnation Neros wahrgenommen, soll er sich, den Quellen zur Folge, nach Machtantritt zu einem moderaten, ja geradezu milden und beliebten Kaiser gewandelt haben.

So bemühte er sich

  • um ein gutes Verhältnis zum Senat,
  • setzte soziale Verbesserungen für Angehörige der Armee und unterprivilegierte Schichten der Gesellschaft durch,
  • betrieb erfolgreiches Krisenmanagement anlässlich des Vulkanausbruchs des Vesuvs (einhergehend unter anderem mit dem Untergang Pompejis 79), einer in Rom grassierenden Epidemie (Pest?) sowie einer in Rom wütenden Feuersbrunst,
  • änderte außenpolitisch nichts an dem von seinem Vater gepflegten Friedenskurs,
  • vollendete den von seinem Vater begonnenen Bau des Kolosseums

und restaurierte die Infrastruktur des Reiches.

Durchs Schlüsselloch geschaut

In der Liebe dagegen scheint er, zumindest mit den Frauen, irgendwie Pech gehabt zu haben.

Seine erste Frau verstarb wenige Monate nach der Hochzeit, von der zweiten ließ er sich scheiden und mit der dritten, der jüdischen Prinzessin Berenike, Urenkelin Herodes’ des Großen (*um 73 v. Chr./°4 v. Chr.), kam es gar nicht erst zu einer ehelichen Verbindung, da die junge Frau in Rom auf heftige Ablehnung stieß.

Tod und Nachfolger

Im Frühherbst 81, Titus hielt sich – wie schon sein Vater zuvor – in Aquae Cutiliae (heute: Terme di Cotilia/Latium) auf, verstarb er, wahrscheinlich und trotz mancher antiker Verschwörungstheorien eines zwar durch Krankheit bedingten, aber letztlich doch natürlichen Todes.

Unmittelbarer Nachfolger wurde sein Bruder Titus Flavius Domitianus, kurz: Domitian (*51/°96).

Autor: Manfred Zorn

 

 

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