Wer war Hadrian?

Hadrian (*76/°138) gilt als zweiter Adoptivkaiser des römischen Reiches.

Unklarheiten

Über die exakte Herkunft des vermutlich 76 n. Chr. in Rom geborenen, aber in der spanischen Provinz Baetica (heute: Andalusien) aufgewachsenen Nachfolgers Trajans – Publius Aelius Hadrianus, kurz: Hadrian – gibt es in der Geschichtsforschung, so wie's aussieht, noch einigen Klärungsbedarf.

Auch der Umstand seiner Wahl soll noch nicht abschließend und eindeutig enträtselt sein. Es heißt lediglich, Hadrian sei angeblich erst knapp vor Trajans Tod, sozusagen auf den letzten Drücker, von diesem adoptiert und somit als sein Erbe bestimmt worden sein. Wie auch immer ...

Brutalo und Schöngeist

Einerseits galt/gilt der 117 unmittelbar nach Trajans Tod von den Prätorianern zum Kaiser ausgerufene Hadrian als rabiater und brutaler Taktiker und Stratege. So ließ er zum Beispiel zu Beginn seiner Herrschaft eine knappe Handvoll missliebiger und verschwörerischer Senatoren meucheln, machte später auch vor der Ermordung seines Schwagers Lucius Julius Servianus nicht Halt und befahl die rücksichtslose und – entsprechend antiker Aufzeichnungen – über abertausende Leichen gehende Judenverfolgung ("Bar-Kochba-Aufstand" von 132 bis 135).

Andererseits ist das Bild von ihm weitestgehend positiv geprägt. Es heißt, Hadrian sei im Grunde genommen versöhnlich, friedfertig, pazifistisch und mehr den schönen Dingen dieser Welt zugetan gewesen. Er liebte das Reisen, war leidenschaftlicher Jäger und beschäftigte sich ausgiebig und kenntnissreich mit Literatur, Malerei, Musik und Architektur.

Politisches Handeln und Wirken

Hadrian konsolidierte das gewaltige römische Imperium

  • auf dem Gebiet der Verwaltung (u.a. Selbstverwaltung der Provinzen),
  • der Rechtsprechung und des
  • Militärs.

Darüber hinaus sicherte er außenpolitisch das bisher territorial Erreichte, indem er, nach dem Motto: „Weniger ist mehr“, zum Beispiel eine

  • Neufestlegung der Grenzen im Norden Britanniens vornahm,
  • damit einhergehend den Baustart des Hadrianwalls veranlasste,
  • auf eine weitere Ausdehnung des Reiches – sogar unter Aufgabe der durch Trajan erzielten Bodengewinne in Assyrien, Mesopotamien und Armenien – verzichtete und
  • militärische Auseinandersetzungen, wenn sie denn nötig wurden, lediglich zu Verteidigungszwecken führte.

Reisekaiser

Geradezu umtriebig bereiste der in den Geschichtsbüchern und anderen Publikationen berechtigterweise als Reisekaiser beschriebene Hadrian etwa ein gutes Dutzend römischer Provinzen. So unter anderen: Gallien, Britannien, Spanien, Germanien, Kleinasien, Syrien, Ägypten und ein paar andere mehr.

Einerseits lagen den Besuchen des Kaisers sowohl die Kontrolle der römischen Provinzen und, sofern erforderlich, von ihm vorgeschlagene Verbesserungen der Verwaltungsstrukturen zugrunde, anderseits zeigte er gleichfalls großes Interesse an den Sitten und Gebräuchen der unterschiedlichsten Kulturen des Reiches.

Bauherr

Zu den überragenden Zeugnissen seiner „in Stein gemeißelten“ Hinterlassenschaften zählen – beispielsweise – die

  • Hadriansvilla/Villa Adriana (Tivoli) unweit von Rom, zwischen 117/118 bis 134 n. Chr. als Wohn-/Sommersitz des Kaisers erbaut und nach wechselvoller Geschichte 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt,
  • die Vollendung des vermutlich bereits von Kaiser Trajan (*53/°117) in Auftrag gegebenen Pantheon-Tempels (heute: Kirche „Santa Maria ad Martyres“ oder auch „Santa Maria Rotonda“ an der Piazza della Rotonda/Rom),
  • das Athenaeum (vom bildungsbeflissenen Hadrian sozusagen als Kulturzentrum gedacht) und des Kaisers
  • Mausoleum („Castel Sant'Angelo“/„Engelsburg“ in Rom an der Lungotevere Castello nahe Petersdom/Vatikan).

Ursprünglich, wie gesagt, Mausoleum, war das Gebäude über gut zweitausend Jahre: Festung, Schloss, Fluchtort verfolgter Päpste, Gefängnis, Schauplatz im 3. Akt der Oper „Tosca“ von Puccini und heute schließlich und endlich Museum.

Tod und Nachfolge

Kaiser Hadrian, strategisch begabt, Förderer der Künste und schon zu seiner Zeit vom Volk geschätzt, verstarb im Sommer 138 n. Chr. in Baiae (heute: Baia, OT der Stadt Bacoli am Golf von Neapel). Möglicherweise an Tuberkulose.

Da seine Ehe mit Vibia Sabina (*um 86/° 136 n. Chr.) kinderlos geblieben war, wurde als Nachfolger im ersten Schritt des üblichen Adoptions-Prozederes ein gewisser Lucius Ceionus Commodus auserwählt. Im zweiten Schritt – Lucius C. Commodus war überraschend verstorben – wurde dann Antoninus Pius (*86/°161) der dritte oder vierte (je nach Zählweise) Adoptivkaiser des römischen Reiches.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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