Wer war der Philosophenkaiser Mark Aurel?

Mark Aurel (*121/°180), ursprünglich Marcus Annius Catilius Severus und Spross einer angesehenen römischen Senatorenfamilie, trat 161 die Nachfolge seines verstorbenen Adoptivvaters, Kaiser Antoninus Pius (*86/°161), an. Bis 169 teilte er die Herrschaft mit seinem Adoptivbruder und Mitregenten Lucius Verus (*130/°169). Dann, nach dessen Tod, trug er die Verantwortung allein.

 

Zeitenwende

Allerdings, die Zeiten hatten sich geändert. Im Gegensatz zur relativ friedvollen Regierungszeit seines Vorgängers, musste sich Mark Aurel – zwar im Wesentlichen erfolgreich, aber doch aufreibend für Mensch und Material – einer nicht unerheblichen Reihe militärischer Auseinandersetzungen (unter anderen gegen die Quaden, Markomannen, Ägypter, Britannier, Parther, Armenier, Syrier) stellen.

Hinzu kamen, von ihm nur schwer zu beeinflussbar, weitere Probleme.

Unwägbarkeiten

Zum einen fielen zum Beispiel die so genannte „Antoninische“ Pest sowie auch Unwetter mit verheerenden Überschwemmungen des Tiber, Missernten und Hungersnöte in seine Regierungszeit, zum anderen ließ der letzte Vertreter der stoischen Denkrichtung im Jahr 177 in Lyon und Vienne (Auvergne-Rhône-Alpes/Frankreich) ungerührt das barbarische Gemetzel an den Christen zu.

Der Philosoph

Und trotzdem – aufs Ganze gesehen gilt Mark Aurel der geneigten Nachwelt als so genannter „Philosophenkaiser“, der es mit seiner Schrift „Selbstbetrachtungen“ („Aphorismen im Tagebuchstil“) durchaus zu einigem Weltruhm gebracht hat.

Tod und Nachfolge

Mark Aurel verstarb im März 180 anlässlich des zweiten markomannischen Krieges. Über das Wo (bei Wien oder ggf. doch eher auf der Balkanhalbinsel?) und Woran (an der Antoninischen Pest?) herrscht noch wissenschaftliche Unklarheit. Sein Leichnam soll, vermutlich, in Rom verbrannt und später in der Engelsburg bestattet worden sein.

Mit seinem Tod endete die weitestgehend ruhig verlaufende und durch wirtschaftlichen Wohlstand geprägte Ära der so genannten Adoptivkaiser. Mark Aurels Nachfolger wurde sein leiblicher Sohn Lucius Aurelius Commodus (*161/°192).

PS

Heute noch zu besichtigen:

  • Die etwa im letzten Viertel des 2. Jahrhunderts errichtete „Mark-Aurel-Säule“ („Marcussäule“) auf der Piazza Colonna sowie
  • die Kopie (Original heute: Seit 1990 in den Kapitolinischen Museen) seines ursprünglich von 165/166 stammenden und ganz in Gold gehaltenen Reiterstandbildes auf der „Piazza del Campidoglio“ („Kapitolsplatz“) in Rom.

Übrigens

Die so genannte griechisch-römische Philosophenschule des Stoizismus wird zurückgeführt auf einen gewissen Zenon von Kition (*etwa 352/°um 265 v. Chr.). Treffpunkt für ihn und seine Schüler war eine bunt bemalte Säulenhalle/„Stoa“ (davon abgeleitet: „Stoizismus“/„stoisch“) in Athen.

Zenons wesentlicher Leitgedanke von „innerer Gelassenheit“ und „bedingungsloser Pflichterfüllung“ findet sich auch in Mark Aurels „Selbstbetrachtungen“.

Ein gut zweihundert Seiten umfassendes Buch mit Betrachtungen über – zum Beispiel – Unerschütterlichkeit, Besonnenheit, Standhaftigkeit und/oder Abgeklärtheit, das auch Helmut Schmidt (*1918/°2015; Bundeskanzler von 1974 bis 1982) verinnerlicht und sein Leben lang mit sich herumgetragen hat.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: „Die philosophische Hintertreppe“ (Wilhelm Weischedel/dtv); „Was ich noch sagen wollte“ (Helmut Schmidt/ Verlag C.H.Beck)

 

 

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