Wer war Jugurtha von Numidien – und was ist mit seinem Namen verbunden?

Jugurtha (*um 160/°104 v. Chr.) war numidischer Königssohn. Seinetwegen kam es in den Jahren 111 bis 105 v. Chr. zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Römischen Republik und Numidien (heute: Teile Tunesiens und Algeriens) – zum „Jugurthinischen Krieg“.

Mord, Bestechung und der Ordnungsruf des Volkes

Jugurtha hatte sich im römischen Vasallenstaat durch Brudermord und Totschlag an die Macht geputscht. Im Rahmen dieser Aktionen hatten bedauerlicherweise auch römische Bürger Schaden genommen. Das sich nun die römischen Konsuln, die die Dinge wieder ins Lot bringen sollten, von Jugurtha für ihr „unter den Teppich kehren“ dieser Angelegenheit bestechen ließen, stieß beim ohnehin auf Krawall gebürsteten römischen Volk extrem übel auf.

Ein Volkstribun und ein Potentat auf der Flucht

Ein gewisser Gaius Marius (*156/°86 v. Chr.) – aus dem Kreis der „Popularis“, also “dem Volkswillen zugeneigter Leute“ sowie bekennender Gegner der „Optimates“, also der Vertreter der Aristokratie – griff die Stimmung auf, ließ sich zum Konsul wählen, marschierte mit seinen Soldaten in Numidien ein, stellte die Ordnung wieder her, konnte aber den intriganten Jugurtha nicht erwischen. Der war rechtzeitig unter die Fittiche seines Schwiegervaters geflohen.

Auslieferung und "Entsorgung"

Schließlich erreichte der römische Politiker Sulla (*138/°78 v. Chr.), der mit vollem Namen Lucius Cornelius Sulla Felix hieß, die Auslieferung. Jugurtha wurde den Römern als Bombenerfolg des tüchtigen Marius’ vorgeführt und im Anschluss erdrosselt.

Apropos

Marius und Sulla, der sich selbst für den eigentlichen Bezwinger des numidischen Königs Jugurtha hielt, wurden in der Folge zu unerbittlichen Gegnern, die über Jahre keinerlei Zweifel an ihrer durch nichts zu erschütternden Abneigung aufkommen ließen.

Übrigens

Marius war der, der durch seine Siege über die Teutonen 102 v. Chr. in der Schlacht bei Aqua Sextiae (Aix-en-Provence/Frankreich) und 101 v. Chr. über die Kimbern bei Vercellae (Piemont/Italien) Berühmtheit erlangte, siebenmal Konsul war, etwa um 87 v. Chr. noch einmal versuchte, Sulla gewaltsam die Macht zu entreißen und 86 v. Chr. unerwartet an einer (vermuteten) Rippenfellentzündung verstarb.

PS

Sulla, historischen Schilderungen zur Folge offenbar keineswegs ein angenehmer Mensch,

  • wurde 88 v. Chr. Konsul,
  • stritt sich mit Marius um den Oberfehl im Feldzug gegen Mithridates VI. (*134/°63 v. Chr.) von Pontos (Küstengegenden um das Schwarze Meer herum, incl. der heutigen Türkei),
  • schickte Marius zum Teufel, das heißt, er trieb ihn in die Flucht,
  • marschierte gegen Rom,
  • machte sowohl vor als auch nach seinem Sieg über Mithridates 86 v. Chr. bei Chaironeia/Griechenland sowie nach seiner Erhebung zum Diktator 82 v. Chr. nicht die Spur Halt vor der brutalen Ermordung seiner politischen Gegner, der auch tausende römische Adelige zum Opfer fielen („Proskription“),
  • stellte die Herrschaft des Senats nach seinen Spielregeln wieder her,
  • trat – aus nicht sicher geklärten Gründen – 79 v. Chr. freiwillig von seinem Amt zurück –

und verstarb ein Jahr später auf seinem Landsitz in Kampanien/Italien ...

Autor: Manfred Zorn
Quelle: "Römisches Reich" – Das farbige LIFE Bildsachbuch (rororo)

 

 

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