Was genau bedeutet eigentlich der Begriff Kommunismus?

Der Begriff Kommunismus geht zurück auf das lateinische Wort „communis“ und bedeutet so viel wie „gemeinsam/allen gemeinsam“.

Als es noch Kaiser und andere Würdenträger gab

Allen gemeinsam gehörte zur Zeit der Kaiser, Könige und Fürsten allerdings nichts. Die einen lebten im Sinne eines Kinderliedes aus dem 14/15. Jahrhundert sozusagen in „dulci jubilo“, also in „süßer Freude“, die anderen in bitterster Armut.

Bis etwa in die „Frühe Neuzeit“ (1500 bis 1800) hinein gab es Lehnsherren und Vasallen, das Lehnswesen und den Feudalismus, in dem eine adlige Oberschicht – in trautem Zusammenwirken mit der Kirche – so gut wie alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Vorteile auf ihrer Seite hatte.

Die neuen Reichen

Das war auch um 1800 noch so. Allerdings waren es jetzt, zur Zeit der so genannten Industrialisierung, im Wesentlichen die Fabrikbesitzer (Kapitalisten), die die für sie arbeitenden Lohnempfänger äußerst knapp hielten.

Wegbereiter, Vorkämpfer und Neuerer

Etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren es dann, unter anderen, der Philosoph, Nationalökonom und Journalist Karl Marx (*1818/°1883) und der Fabrikantensohn Friedrich Engels (*1820/°1895), die sich darüber Gedanken machten, wie es möglichst vielen, wenn nicht allen Menschen besser gehen könnte.

Grundgedanke, Abstraktion und Annahme

In ihrem 1848 gemeinsam geschriebenen „Manifest der Kommunistischen Partei“(*1) gaben sie einer Gesellschaftsform Ausdruck, in der es nach einem von ihnen angenommenen zwangsläufigen Zusammenbruch des Kapitalismus kein Privateigentum mehr gäbe. Das heißt, auch der Produktionsfaktor Kapital (Produktionsmittel wie Gebäude und Maschinen) ginge, neben den Faktoren Arbeit und Boden, in Gemeineigentum über.

Die Idee dahinter war, zusammengefasst: Alles gehört allen, niemand herrscht mehr über jemand anderen, Klassen und Klassenunterschiede verschwinden und jedermann wird politisch, wirtschaftlich und rechtlich gleich behandelt.

Essenz

In der Tat, eine hübsche Idee! Wenn auch – wie die darauf folgenden Jahrzehnte gezeigt haben (Sowjetunion, ehemaliger Ostblock, DDR) – in letzter Konsequenz nicht durchführbar. Denn zu allen Zeiten gab und gibt es Menschen, die gleicher als gleich sein wollen. Der im Grunde positiv einzuschätzende Gedanke des Kommunismus wurde durch Gewaltherrschaft (z.B. Stalin und andere) pervertiert.

Die fünf Unbeugsamen

Heute halten noch China, Nordkorea, Vietnam, Laos und Kuba am Kommunismus fest. Mit Marx‘, Engels oder auch Lenins Vision vom Kommunismus haben diese Länder allerdings so gut wie nichts mehr gemein.

PS (*1):

Der einleitende Satz des „Kommunistischen Manifests“ lautet: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“ und schließt mit dem Aufruf: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Autor: Manfred Zorn

 

 

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