Wie unterscheiden sich Sozialismus, Marxismus und Kommunismus?

Sozialismus, Marxismus und Kommunismus unterscheiden sich letztlich nur marginal. Allen drei ‚…ismus-Begriffen‘ liegt ein weitestgehend vergleichbares Anliegen zugrunde. Nämlich, lapidar gesagt, der Anspruch, die Balance zwischen ‚Arm und Reich‘ nicht nur zu verändern, sondern auch festzuschreiben. Die Inhalte und Formulierungen mögen graduell unterschiedlich sein, folgen aber weitestgehend  übereinstimmenden Grundideen.

Vorweg genommen

Und die, die grundlegenden Ideen über eine gerechte Verteilung des Eigentums, werden – zum Beispiel – auch in der katholischen Soziallehre häufig als so genannter ‚Primärkommunismus‘ bezeichnet.

Gemeint ist damit die Betrachtungsweise des italienischen Dominikaners, Philosophen und Theologen Thomas von Aquin (*um 1225/°1274), der bereits im 13. Jahrhundert Privatbesitz nicht als Naturgesetz aufgefasst wissen wollte. Übersetzt heißt das, frei nach Thomas von Aquin, dass Gott die Erde und die darauf befindlichen Güter für die Gesamtheit der Menschen geschaffen habe. Alles für alle, sozusagen.

Aber, wie der Mensch so ist, habe sich daraus flugs das Privateigentum entwickelt. Privateigentum aber verpflichte. Kurz und knapp: Der, der hat, solle demjenigen, der nicht hat, etwas abgeben.

Sozialismus (lat.: ‚socialis‘/‘kameradschaftlich‘)

Im 19. Jahrhundert, im Zuge der ‚Industriellen Revolution‘, standen die desaströsen Lebensbedingungen der Arbeiter (und Bauern) in krassem Widerspruch zu den vorherrschenden ‚bürgerlich-liberalen‘ Denkweisen, die kaum Platz für ein ‚soziales‘ Element ließen.

Anlass und Triebfeder genug, die zwar arbeitende aber besitzlose Arbeiterklasse vor zunehmender Verelendung zu bewahren und deren Lebensumstände qualitativ zu verändern. Sozialistische Theorien entstanden. Es wurden Lösungen gesucht. Lösungen für die Probleme der Armut und Ungleichheit.

Arbeiter und Bauern, so wurde von den so genannten ‚frühen Sozialisten‘ (beginnend in England und Frankreich) argumentiert, trügen schließlich zum Gewinn und Reichtum der Besitzenden mit ihrer Hände Arbeit bei. Nur, ohne Überwindung der vorherrschenden Gegebenheiten (des Kapitalismus) hätten sie nichts davon. Also müssten die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert werden. Ein die Gesellschaft übergreifendes Fairplay, das Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle einschließt, war das allseits auf die Fahnen geschriebene Credo.

Kommunismus (lat.: ‚communis‘/‘allen gemeinsam‘)

Es ginge dabei aber nicht um eine Umverteilung des Reichtums von oben nach unten; vielmehr sollten die noch in privater Hand befindlichen Produktionsmittel (z.B. Fabriken, Maschinen, Rohstoffe) zukünftig allen gehören, also in Gemeinschaftshand übergeben werden – was dem A und O des Kommunismus entspricht.

Kommunismus / Marxismus

‚Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus‘.

So beginnt das von Karl Marx und Friedrich Engels verfasste und 1848 in London veröffentlichte ‚Manifest der Kommunistischen Partei‘ und schließt mit einer provokanten Kampfansage:

‚… die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution erzittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!‘

Marx‘ Überzeugungen lag seine Theorie über die Entstehung der Gesellschaften zugrunde. Zum Beispiel die Feudalherrschaft im Mittelalter, in der es die zwei Klassen – Aristokraten und Bauern – gab. Mit der beginnenden Industrialisierung seien es nun die Klasse der ‚Bourgeoisie‘ (Fabrikbesitzer, Kaufleute, Handwerker) sowie die der Arbeiterschaft.

Letztere könnten sich allerdings nicht dagegen auflehnen

‚… ohne dass der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt werde …‘

Dieser so genannte Überbau wurde dann tatsächlich erstmals im zaristischen Russland ‚gesprengt‘. Am 7. November 1917 verkündete Wladimir Iljitsch Uljanow, kurz: Lenin,

‚… Genossen! Die Arbeiter- und Bauernrevolution ist vollbracht‘.

Sowjetrussland war ‚geboren‘.

Marxismus

In ihren umfangreichen und selbst heute noch diskussionswürdigen Schriften dagegen – wie unter anderen:

  • „Kritik des Hegelschen Staatsrechts“,
  • „Zur Kritik der Nationalökonomie“,
  • „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ und/oder
  • „Das Kapital“ –

befassten sich Marx und Engels mehr mit einer ökonomisch-philosophischen Betrachtung der Verhältnisse.

Darin ist, beispielsweise, die Rede von der Deutung der Welt, der historischen Gesellschafts-, Herrschafts- und Politikentwicklung sowie der Frage, wie das alles mit einem von beiden angedachten Sozialismus in Übereinstimmung zu bringen sei.

Der auf Grundlage ihrer Theorien sich später in der Sowjetunion entwickelnde

  • Leninismus,
  • Stalinimus

oder die sich auf Marx berufenden kommunistisch geprägten Staatsformen in

  • China,
  • Kuba,
  • Nordkorea und anderen,

hatten und haben in ihrer Struktur nur partiell etwas mit der von Karl Marx und Friedrich Engels angedachten Zielsetzung und Konzeption zu tun.

Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Lehrmeinung des ‚Marxismus‘ gern auch sowohl von Sozialisten, als auch von Kommunisten in Anspruch genommen wird.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Manifest der Kommunistischen Partei“ (Karl Marx, Friedrich Engels), „Kleine Geschichte der SPD“ (Susanne Miller, Heinrich Potthoff/Verlag Neue Gesellschaft GmbH), „Bürger, Dandies, Ingenieure“ (rororo – Das farbige Live Bildsachbuch), „Kritische Geschichte der Sozialdemokratie 1863-2014“ (Robert Hofmann)

 

 

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