Was bedeuten die Begriffe Bolschewismus, Bolschewiki und Menschewiki?

Die Begriffe Bolschewismus, Bolschewiki und Menschewiki tauchten erstmals 1903 auf. Und zwar auf einem Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAPR) in Brüssel und London, auf dem Lenin rigoros den Sturz des Zaren forderte. Nicht alle Anwesenden vertraten diese Meinung.

Lenin und die Spaltung der russischen Arbeiterpartei

Die, die Wladimir Iljitsch Uljanow (*1870/°1924), kurz: Lenin, unterstützten, waren allerdings in der Mehrheit. Es entstanden also zwei politische Lager:

  • die ‚Bolschewiki‘/=‘Mehrheitler‘) und
  • die ‚Menschewiki‘/=‘Minderheitler‘.

Lenin und seine ‚Bolschewiki‘ standen für Revolution, Umsturz der Gesellschaft hin zu Sozialismus und Kommunismus sowie für die Machtenthebung des Zaren.

Die besonneneren ‚Menschewiki‘ dagegen befürworteten einen mit Augenmaß geführten Putsch. Ohne einen in seinem Ergebnis absoluten Staatsstreich.

Die frühen – und auch späteren – Sozialrevolutionäre in Russland waren keine wirklichen Marxisten. Im Grunde genommen wollten sie schlicht nur ein besseres Leben für die Unterprivilegierten (Arbeiter und Bauern). Um ihr Ziel zu erreichen, schreckten sie dennoch vor Gewalt nicht zurück.

St. Petersburger Blutsonntag 1905

Und dazu kam es anlässlich der Russischen Revolution 1905 in St. Petersburg.

Etwa 150- bis 200.000 Menschen hatten sich vor dem Winterpalast versammelt, um dem Zar eine Bittschrift zu überreichen. Aber der war gar nicht da, der Zar. Also machten sich Unmut, Groll und Enttäuschung Luft. Es kam, wie es kommen musste.

Der spontane Protest und der daraus resultierende Aufruhr der aufgeheizten Menge wurde von der kaiserlichen Garde, den Kosaken und der Polizei mit Brachialgewalt brutalst aufgelöst.

Oktoberrevolution 1917

Zwölf Jahre später, die Versorgungslage war nach wie vor miserabel, die Folgen des 1. Weltkrieges katastrophal, dankte Zar Nikolaus II. (*1868/°1918) resigniert ab. Dreihundert Jahre Romanow-Dynastie gingen den Bach runter. Das war im Februar 1917 (‚Februarrevolution‘).

Im Oktober des Jahres ergriffen die Bolschewiki ('Bolschewisten') die Macht in Russland. Damit war das Ende sozial-liberaler und demokratischer Neigungen sowie möglicher Entwicklungen in dem in großen Teilen unterentwickelten Riesenreich besiegelt. Lenin war nun unangefochtener Boss der 1922 gegründeten Sowjetunion.

Leninismus und das Feigenblatt

Die Lehren Karl Marx‘ wurden von ihm – wegen spezieller russischer Gegebenheiten – in den so genannten ‚Marxismus-Leninismus‘ ('Bolschewismus') umgeschrieben, der fortan zur ideologischen Grundlage eines letztlich totalitären Sowjetstaates wurde. Mit, wie man heute weiß, hässlichen Folgen – und bis 1989 nie erreichtem „wahren Sozialismus“.

Alles was in den siebenundsechzig Jahren im Namen von Marx und Engels – unter anderen – von den Generalsekretären des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU): Lenin, Stalin, Cruschtschow, Breschnew, Andropow, Tschernenko und Gorbatschow versucht wurde umzusetzen, hatte so gut wie nichts mit beider Lehre zu tun.

Marx und Engels dienten sozusagen lediglich als Feigenblatt für das sowjetische System.

Glasnost, Perestroika und Putin

Erst Gorbatschow hatte ab 1986 mit ‚‘Glasnost‘ (‚Offenheit‘) und ‚Perestroika‘ (‚Umbau‘) begonnen, den Staat neu zu definieren. Im Dezember 1991 trat er vom Amt des Staatspräsidenten zurück.

Sowjetrussland war Geschichte, ist heute eine Föderale Republik mit einem gemischt präsidial-parlamentarischen Regierungssystem sowie einem Dauerpräsidenten namens Wladimir Wladimirowitsch Putin (*1952) …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Sowjetrussland“ (Karl-Heinz Ruffmann/dvt – Deutscher Taschenbuch Verlag), „Bürger, Dandies, Ingenieure“ (rororo – Das farbige Life Bildsachbuch)

 

 

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