Robespierre (*1758/°1794) – wer war das?

Fürsprecher, Verteidiger und Sprachrohr ewig Zukurzgekommener?
Despot, Diktator oder Politgangster?
Prägten frühe Kindheitstraumata (-> früher Tod der Mutter; das Sitzen gelassen werden der Familie seitens eines Windbeutels von Vater) seine zwischen Gut und Böse hin und her gerissene Persönlichkeit?
Oder quälte ihn, wie Wissenschaftler herausgefunden zu haben scheinen, in seinen letzten Jahren eine seltene Immunkrankheit (-> „Sarkoidose“), die ihn schlicht und einfach unleidlich werden ließ?
Wie auch immer ein endgültiges Urteil ausfallen und Robespierres widersprüchliches Handeln relativieren mag, so scheint seine Biografie doch auf eine gewisse Zwiespältigkeit seines Wesens hinzuweisen.

 

Anwalt der Unterprivilegierten

Robespierre, der mit vollem Namen eigentlich Maximilien Marie Isodore de Robespierre hieß, wurde 1758 in Arras (-> Region Nord-Pas-de-Calais/Frankreich) geboren. Schon während seiner Schul- und Studienzeit galt Robespierre als Musterknabe, Perfektionist und Ehrgeizling.
Er studierte Rechtswissenschaften, schloss die Ausbildung 1780 mit dem Examen ab, ließ sich in seiner Geburtsstadt als Anwalt nieder, setzte sich vehement für die Abschaffung der Privilegien des ersten (-> Adel) und zweiten (-> Klerus) Standes ein und arrivierte schnell zum anerkannten Anwalt der Armen, Schwachen und Underdogs.

 

Einstieg in die Politik

Im Jahr 1789 wurde Robespierre von den Honoratioren der Stadt als Vertreter des „Dritten Standes“ in die „Versammlung der Generalstände“ (-> ab Juni d. J. „Nationalversammlung/Verfassunggebende Versammlung“) gewählt, wo er sich mit seinen herausfordernden, attackierenden und auf die Werke und Abhandlungen Jean-Jacques Rousseaus stützenden Ansichten und entsprechenden Reden schnell den Ruf eines – wie es heißt – „Unbestechlichen“ und Provokateurs erwarb.
Energisch und unbeirrbar forderte er unter anderem die Abschaffung der Todesstrafe, der Sklaverei sowie der Privilegien des „Zweiten Standes“ (-> Klerus), kämpfte für ein allgemeines Wahlrecht, Pressefreiheit und sprach sich gegen jegliche Art von Kriegshandlungen aus.

 

Kursänderung

Da Robespierre seine Ansichten in den Ideen der Jakobinern vertreten sah, trat er deren so genanntem „Club der Jakobiner“ bei und wurde 1790 zu ihrem Präsidenten gewählt.
War er bisher nicht wirklich für die Abschaffung der Monarchie gewesen, änderte er seine Meinung dazu übergangslos, als sich König Ludwig XVI. (*1754/°1793) durch (allerdings vergebliche) Flucht im Sommer 1791 aus dem Staub machen wollte, weil er überhaupt nicht daran dachte, sich den reformerischen Ansprüchen zu stellen.
Und dann ging alles vergleichsweise ratzfatz!

 

Im Zeitraffer

  • Im August 1792 wurden die Tuilerien (-> Pariser Königsschloss) durch das aufgebrachte Volk gestürmt,
  • der König und Familie im „Temple“ (-> ehem. Ordenshaus der Templer, dann der Johanniter und nun Staatsgefängnis) eingesperrt,
  • Ludwig XVI. des Amtes enthoben und die
  • Septembermorde (-> Ermordung Tausender vermeintlicher oder auch tatsächlicher Gegner der Revolution durch den fanatisierten Mob) eingeleitet.
  • Die Nationalversammlung wurde in den so genannten Nationalkonvent umgewandelt, um die Ausarbeitung einer neuen – sprich: republikanischen – Verfassung voranzubringen,
  • die Gewaltenteilung (-> Legislative, Exekutive, Judikative) wurde aufgehoben,
  • ein „republikanischer Kalender“/„Französische Revolutionskalender“ verabschiedet (-> von Napoleon I./*1769-°1821 zum Januar 1806 wieder abgeschafft),
  • die Exekution König Ludwigs XVI. auf dem Schafott im Januar 1793 veranlasst,
  • Robespierre im Juli d.J. in den vom Konvent gegründeten „Wohlfahrtsausschuss“ (-> urspr. als Gremium  zur Kontrolle der Regierung gedacht) gewählt und
  • Marie Antoinette im Oktober 1793 ebenfalls per Guillotine hingerichtet.

Und das alles auch auf ausdrückliches Betreiben Robespierres.

 

Machtanhäufung

Der Job im „Wohlfahrtsausschuss“ – von Robespierre nun ausschließlich als „Exekutive“ genutzt und auf perfide Weise untermauert durch ein von George-Jacques Danton (*1759/1794) initiiertes so genanntes „Revolutionstribunal“ – verschaffte den Jakobinern die besten Voraussetzungen zur Durchsetzung des „Gesetzes über Verdächtige“ und ihrem Präsidenten eine unangefochtene Vormachtstellung.
Robespierres Schreckensherrschaft stand von nun an nichts mehr im Wege. Und er nutzte seine Macht weidlich aus!

 

Paranoia eines "Diktators" und sein unrühmliches Ende

So sollen während der vergleichsweise wenigen folgenden Monate etwa sage und schreibe zwischen zwanzig- bis vierzigtausend (die Zahlen schwanken je nach Quelle) Menschen öffentlich guillotiniert sowie mindestens ebenso viele inhaftiert worden sein.
Frankreich versank im Chaos einer

  • nach wie vor unerfreulichen Wirtschaftslage,
  • fortgesetzten kriegerischen Auseinandersetzungen (-> Koalitionskriege) gegen eine Allianz – unter anderen – Österreichs, Preußens, Englands, Hollands, des Deutschen Bundes, Spaniens und Portugals sowie
  • innenpolitischen Aufständen.

Endlich, zur Mitte des Jahres 1794, begann das Volk aufzuwachen.
Robespierre wurde gestürzt und sein Kopf am 27. Juli – sowie die Häupter etwa rund einhundert seiner Parteigänger – in den Auffangkorb der Guillotine, benannt nach dem Arzt Joseph-Ignace Guilltin (*1738/°1814), „befördert“.
So kann´s gehen …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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