Was ist unter dem Begriff „Versammlung der Generalstände“ zu verstehen?

Zu Zeiten der absoluten Monarchie konnte der französische König bei schwierigen, den Staat betreffenden Fragen die so genannte „Versammlung der Generalstände“ zur Entscheidungsfindung einberufen.

 

Ein Monarch macht sich rar

Zusammengesetzt war diese Versammlung aus Angehörigen des Adels, der Kirche und des so genannten "Dritten Standes". Letztere waren bessergestellte Bürger (zum Beispiel Ärzte, Kleingewerbetreibende, Handwerker, Arbeiter, Anwälte u.a.m.). Auch Bauern waren in dem Kreis wohl gelitten - aber nur diejenigen, die über einen gewissen Wohlstand verfügten.
Diese Treffen der Generalstände fanden allerdings recht, recht selten statt, hielt sich doch der Monarch für das Maß aller Dinge.

 

Zweckgerichtete Zusammenkunft

Aber 1789 war es nach 175 Jahren der Abstinenz wieder einmal soweit.
Frankreich war knapp bei Kasse.
Ludwig XVI. (*1754/°1793), also der Staat, hatte Schulden, die zu tilgen waren.
Also mussten/sollten (da hat sich zu heute wenig geändert) die Steuern erhöht werden. Eine Maßnahme, die ein Plebiszit aller Stände erforderlich machte.

 

So nicht mehr

Nun war es aber so, dass der „Dritte Stand“ stimmabgabemäßig benachteilig war. Denn obwohl die Beteiligten des „Dritten Standes“ mit 600 Abgeordneten in der Versammlung durchaus paritätisch vertreten waren – Adel und Klerus stellten je 300 Abgeordnete – hatten die Bürger und Bauern jedoch ständig das Nachsehen.
Bei Abstimmungen wurde nämlich nicht die Zahl der Köpfe gezählt, sondern nach Ständen votiert. Und da hatten die beiden Stände, Adel und Klerus, mit zwei zu einer Stimme natürlich immer die Nase vorn.
Das fand der „Dritte Stand“ naturgemäß ungerecht. Seine Mitglieder forderten daher eine entsprechende Änderung der Regeln.
Dieses Ansinnen wurde abgewiesen – was im Juni 1789 dazu führte, dass sich der "Dritte Stand" zur  „Nationalversammlung“ erklärte und die Erarbeitung einer neuen Verfassung ins Auge fasste - was im weiteren Verlauf der Dinge quasi den Anfang vom Ende der Monarchie einläutete ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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