Welche Umstände führten wann zur „Französischen Revolution“?

Wie so oft (und auch heute noch anzutreffen) waren es die üblichen Umstände: Der Konflikt zwischen Arm und Reich.

 

Ausgangssituation

Trotz guter Wirtschaftslage in Frankreich bis etwa zum letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, profitierte davon lediglich eine vergleichsweise überschaubare Gruppe der Gesellschaft.
So entstand aus gut verdienenden Kaufleuten, Handwerkern, sonstigen Kleingewerbetreibenden, Zeitungsleuten, Bankiers, Anwälten, Ärzten und anderen zwar eine durchaus wohlhabende bürgerliche Schicht, die sich aber dennoch – auf Grund der üppigen Privilegien, wie zum Beispiel Steuerbefreiung und Jobbevorzugung – mit dem Adel und der Geistlichkeit nicht auf Augenhöhe fühlte.
Ganz zu schweigen vom großen Rest der Bevölkerung.

 

Sinkender Lebensstandard und ein gebürtiger Schweizer

Weite Teile der ohnehin sozial Schwachen hatten sich weiterhin mit knappen Löhnen, inflationärer Preisentwicklung und einem sie über Gebühr belastenden Steuersystem auseinanderzusetzen.
Zur Mitte des (18.) Jahrhunderts bekam die mit den Gegebenheiten latent zu verspürende Unzufriedenheit durch die Schriften des Schweizer Philosophen und Naturforschers Jean-Jacques Rousseaus (*1712 in Genf/°1778 bei Paris) sozusagen philosophische Unterstützung.

 

Extrakt aus etlichen Werken, unzähligen Publikationen und einer Handvoll Belletristik

Der erklärte die bestehende gesellschaftliche Divergenz nämlich in seiner 1755 erschienenen Abhandlung „Über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ mit zivilisatorischen Einflüssen, wie zum Beispiel: Neid provozierendem Eigentum oder staatlichen Strukturen, die den Einzelnen in seiner Willensfreiheit durch Gesetz unnötig einschränken.
Und mit seiner Schrift „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts“ („ Du contrat social ou principes du droit politique“) von 1762 setzte Rousseau noch eins oben drauf, trug doch der darin formulierte Gedanke einer „Staatsbildung durch einen Vertrag freier Individuen“ nicht unerheblich zur vorrevolutionären Stimmung in Frankreich bei.

 

Meinungsumschwung

Folgerichtig begann sich die öffentliche Meinung zusehends gegen das vorherrschende System zu richten. Und – obwohl weiterhin auf den Erhalt seiner Feudalrechte fokussiert – wurde dieser Meinungsumschwung sogar von einem erklecklichen Teil des Adels mitgetragen.

 

Reformen - warum sie (scheinbar) nicht möglich, aber dennoch notwendig waren

Notwendigen Reformen des staatlichen und gesellschaftlichen Miteinanders standen allerdings der rigide Absolutismus, die damit einhergehende Genusssucht und verschwenderische Herrschaftsausübung Ludwigs XVI. (*1754/°1793) sowie die Unlust des Adels auf den Verzicht seiner Sonderrechte entgegen.
Darüber hinaus führten – nicht nur, aber auch – der Siebenjährige Krieg (-> 1756 bis 1763) und Frankreichs Unterstützung der dreizehn englischen Kolonien im (nord-)amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (-> 1775 bis 1783) zu erheblichen Staatsschulden.
Und, als wäre das nicht schon Zündstoff genug, gesellten sich gegen Ende der 80iger Jahre des (18.) Jahrhunderts zu allem Übel auch noch durch Unwetter (-> Dürre, Hagel, Überflutungen) verursachte

  • Missernten,
  • Seuchen,
  • eine Lebensmittelknappheit im Allgemeinen und
  • die so genannte „Brotnot“ im Besonderen – was bedeutete, dass sich die Ärmsten der Armen das Hauptnahungsmittel Brot nicht mehr leisten konnten.

 

Fazit

Der Staat war pleite!

  • Erstmals wieder – nach 175 Jahren – fühlte Ludwig XVI. sich im Mai 1789 daher gezwungen, die Generalstände Adel, Klerus und  „Dritter Stand“ (-> u.a. Kleingewerbetreibende, Handwerker, Arbeiter, Anwälte, Ärzte und reiche Bauern) einzuberufen.
  • Dummerweise scheiterte aber Ludwigs Plan, Steuererhöhungen nicht nur der breiten Masse, sondern auch dem Adel und Klerus aufzuerlegen, an seinem wenig ausgeprägten Durchsetzungsvermögen.
  • Im Juni d. J. erklärte sich der „Dritte Stand“ zur „Nationalversammlung“ (-> später – wegen des Ziels, Frankreich eine neue Verfassung zu geben – „Verfassungsgebende Versammlung“ genannt).
  • Die Forderungen der Massen dagegen gipfelten weiterhin im Ruf nach "Liberté, Égalitè, Fraternité" ("Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit") und erreichten schließlich am 14. Juli 1789 (-> heute: französischer Nationalfeiertag) mit der Erstürmung und Zerstörung des Pariser Staatsgefängnisses, der „Bastille“, ihren ultimativen Höhepunkt.
  • In der Folge kam es landesweit zu Bauernaufständen, zum endgültigen Zusammenbruch des monarchischen Staatsgefüges und zur Abschaffung des Feudalsystems.

Die „Französische Revolution“ war in vollem Gange …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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