Wer waren die ersten Nordamerikaner?

Nach allem, was die Wissenschaften der Ethnologie (Völkerkunde), Anthropologie (Menschenkunde) und Archäologie (Altertumskunde) bis heute herausgefunden haben, deutet wohl alles darauf hin, dass die bisher bei Ausgrabungen aufgetauchten Knochen-, Skelett-, Schädel- und/oder Werkzeugfunde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht älter als fünfzehn- bis zwanzigtausend (allenfalls dreißigtausend?) Jahre alt sind.

Wohnsitzwechsel in grauer Vorzeit

Angenommen wird, dass die Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents gegen Ende der letzten Eis-/Kaltzeit im ersten Schritt durch Menschen aus Asien und im zweiten Schritt aus Sibirien stattgefunden hat. Das ist, rechnet man erbsenzählerisch die darauf folgenden Jahrtausende nicht, nicht lange her.

Möglich gemacht hat diesen Trip, so wird mit ziemlicher Sicherheit vermutet, eine seinerzeit noch vorhandene Landverbindung (Beringstraße) zwischen Asien und Alaska.

Wie es dann aber über Jahrtausende weiterging mit den Einwanderern, darüber ist – außer etlichen „Ursprungstheorien“, zum Beispiel: Ähnlichkeit des Ägypters mit den Indianern, phönizischer oder polynesischer Hintergrund – (noch) nicht wirklich viel bekannt.

Frühe süd- und nordamerikanische Kulturen

Sicher, es wurden Pfeil- und Speerspitzen, Bison-, Mammut-, Kamel- und Pferdefossilien, Kohlereste, Keramik u.ä.m. gefunden, aber 100%ige Erkenntnisse über die tatsächliche Lebensweise dieser frühen Umsiedler der so genannten „Sandia“-, „Clovis“-, „Folsom“- und „Cochise“-Kulturen sind daraus, so scheint es, (bisher) nicht zu gewinnen.

Abgesehen von den ersten uns heute bekannten Kulturen, die sich etwa ab Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. in Mittel- und Südamerika entwickelten – unter anderen:

  • Chavin-Kultur/Peru,
  • Olmeken/südliches Mexiko,
  • Teotihuacán,
  • Zapoteken,
  • Tolteken und Maya/Mexiko bis hin zu den
  • Azteken/Mexico und den Inka/Peru,

spricht man, wenn’s um Nordamerika geht, aber dennoch von einer

  • „Hohokam“-, „Mogollon“- und „Anasazi“-Kultur,

die sich etwa ab 250 v. Chr. sowie zwischen 700/900 und 1450 n. Chr. im Süd- und Mittleren Westen der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika etabliert hatten.

Mit Christoph Kolumbus wird die "Neue Welt" übersichtlicher

Aber, wie auch immer die Menschen dieser „Kulturen“ (Jäger, Sammler?) gelebt haben mögen, so richtig „bekannt“ wurden die Ureinwohner Süd- und Nordamerikas dann ab 1492 mit der „Entdeckung“ des Kontinents durch Christoph Kolumbus (*um 1451/°1506).

Und obwohl Kolumbus in Wirklichkeit auf den Bahamas gelandet war, allerdings aber unverdrossen daran festhielt auf Indien gestoßen zu sein und – wie es heißt – nie einen Fuß auf den amerikanischen Kontinent gesetzt haben soll, geht die Bezeichnung „Indianer“/"Indios" (abgeleitet von "Indien") für die dortige Urbevölkerung letztlich auf Kolumbus zurück.

South America first

Nachdem sich – nach 1492 – an vorderster Front spanische und portugiesische Konquistadoren zunächst Mittel- und Südamerika zuwandten – zum Beispiel:

  • Hernán Cortés/Mexiko,
  • Francisco Pizarro/Peru,
  • Amerigo Vespucci/Brasilien sowie Namensgeber des Kontinents,

begannen auch Frankreich und England – etwa ab 1525 – zunehmend ausgeprägtes Interesse am amerikanischen Kontinent zu zeigen.

Beginn der Kolonisation Nordamerikas

Die ersten Siedler an der Ostküste Nordamerikas (von Neufundland bis Florida), stellten – gegen Ende des 16. Jahrhunderts – die Königreiche England/Großbritannien, Schottland, Spanien und Frankreich.

Als eine der frühesten und nachhaltigsten dieser Siedlungen gilt (ab 1607) die englische Kolonie Jamestown/Virginia.

Mögliche Ursachen der Emigration aus der Heimat

Im weiteren Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts suchten Unzählige so genannter „Otto Normalverbraucher“ – unter anderem aus England, den Niederlanden, Irland, Frankreich und Deutschland – ihr Heil in Amerika.

Als sicher anzunehmen ist, dass das Gros dieser ausreiswilligen Koloniengründer sozusagen die Nase voll hatte von

  • Europas Kriegen (3o-jähriger Krieg),
  • der wirtschaftlich lästigen Kleinstaaterei (Handelszölle),
  • politischer/religiöser Verfolgung (Pilgerväter/Puritaner – Mayflower 1620, William Penn/Quäker – Pennsylvania 1682) und/oder ganz allgemein von den überwiegend
  • unerquicklichen prekären Lebensumständen.

Krieg, Protest und Loslösung

Schließlich und endlich – vorausgegangen waren unter anderem der von

  • 1755 bis 1763 geführte „French-Indian War“ („7-jähriger Krieg in Nordamerika“ zwischen Frankreich, England und den jeweiligen indianischen Verbündeten) sowie
  • 1773 die „Boston Tea-Party“ (Widerstand der Kolonisten gegen die von England erhobene Teesteuer; die Teeladungen dreier englischer Schiffe wurden ins Meer gekippt) –

sagten sich 1776 dreizehn Kolonien vom englischen Mutterland los, verabschiedeten am 4. Juli d.J. die Unabhängigkeitserklärung und gründeten so die Vereinigten Staaten von Amerika ...

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „So habt ihr gelebt“ (Ivar Lissner / dtv); „Geschichte – kompakt & visuell“ (Philip Parker / Dorling Kindersley-DK Ltd., London); "Der erste Amerikaner" (C.W.Ceram / Rowohlt)

 

 

Verwandte Beiträge

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige