Haben die Vereinigten Staaten von Amerika eine Geschichte?

Selbstverständlich! Ok, die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika muss ohne Rückgriff auf die Antike auskommen. Wenigstens dahingehend, wie wir es in der Schule gelernt haben. Zum Beispiel das Kennenlernen der kulturellen Entwicklung Europas. Ausgehend von Mesopotamien, Ägypten, Griechenland, dem „alten“ Rom, dem Mittelalter und so weiter. Obwohl das nun einmal so ist, wie’s hierzulande ist, geben dennoch eine Vielzahl archäologischer Funde seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts einen profunden Ein- und Überblick über die ursprüngliche Besiedelung des amerikanischen Kontinents.

Die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika von den Anfängen bis 1776 in Kurzfassung:

Früheste Spuren einer möglichen Besiedelung sollen – geschätzt! – von vor etwa 50- bis 30.000 Jahren stammen. Die Frage aber, woher, warum und wie diese Spuren hinterlassenden Ureinwohner gekommen sein mögen, bleibt indessen (noch) unbeantwortet.

Als vergleichsweise sicher und nachgewiesen dagegen gilt, dass vor gut 20- bis 15.000 Jahren die ersten „Siedler“ aus Asien und/oder Sibirien über eine seinerzeit noch vorhandene Landverbindung (heute: Beringstraße) auf den amerikanischen Kontinent „rüber gemacht“ haben. In den darauf folgenden Jahrtausenden, so heißt es, sollen dann weitere „Einwanderungsströme“ von Alaska bis Feuerland stattgefunden haben.

Da bis jetzt keinerlei schriftliche Aufzeichnungen dieser „frühen Amerikaner“ gefunden wurden – und es wahrscheinlich auch nie welche gab – ist alles, was man heute über Lebensweise, Kultur, Sitten und Gebräuche dieser vor-kolumbischen Bevölkerung weiß, lediglich auf die Rekonstruktionen der bisher zahlreich entdeckten (archäologischen) Funde zurückzuführen.

Die Zeit zwischen Kolumbus und der Unabhängigkeitserklärung

Und dann kam Christoph Kolumbus. Das war im Jahr 1492. Zwar glaubte er sein Leben lang, Indien erreicht zu haben, hatte aber letztlich seinen Fuß auf eine Insel der Bahamas gesetzt, der er den Namen San Salvador (span.: „Heiliger Retter“) gab. Mittelamerikanischen Boden (Honduras, Costa Rica) betrat Kolumbus allerdings erstmals auf seiner vierten und letzten Reise von 1502 bis 1504. Wie auch immer!

Die Schätze und Reichtümer, die er dem spanischen Königshaus von seinen Expeditionen mitbrachte, waren die schiere Verheißung für Abenteurer, Hasardeure und Glücksritter (Konquistadoren) jeglicher Couleur (unter anderen: Hernán Cortéz, Francisco Pizarro). Mit unsäglichen Konsequenzen für die Ureinwohner Mittel- und Südamerikas.

Auf diese Schurken und Spitzbuben, aber auch auf die Entdecker (zum Beispiel: Amerigo Vespucci, Vasco Nuñez de Balboa, Ferdinand Magellan) folgten im 16./17. Jahrhundert Kolonisten, Siedler und Auswanderer aus Spanien, Portugal, den Niederlanden, Frankreich, England, Irland, Schottland und Deutschland, die etwa bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts weitestgehend die Vorherrschaft auf dem amerikanischen Kontinent übernommen hatten.

Voraus gegangen waren – um nur einige wenige zu nennen – folgende Ereignisse:

  • 1607: Gründung der ersten englischen Kolonie in Jamestown/Virginia,
  • 1619: Ankunft der ersten Slaven aus Afrika in Virginia,
  • 1620: Ankunft der so genannten Pilgrim Fathers/Pilgerväter mit der Mayflower an der Küste des heutigen Bundesstaates Massachusetts und Gründung der neuenglischen Kolonie Plymouth, in der Folge: Gründung einer Reihe weiterer englischer und französischer Kolonien,
  • 1756-1763: Englisch-Französischer Krieg,
  • 1773: Boston Tea Party,
  • 1775: Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges,
  • 1776: Noch während der Krieges erklärten dreizehn englische Kolonien ihre Unabhängigkeit vom englischen Mutterland – die amerikanische Nation war geboren! Noch heute wird der 4. Juli in den USA als Nationalfeiertag (Independence Day) gefeiert. Erster Präsident der nunmehr „Vereinigten Staaten von Amerika“ wurde 1789 (bis 1797) George Washington.

Verlust des Lebensraumes und Missionierung der Indianer

Die 284 Jahre – von der „Entdeckung“ Amerikas durch Kolumbus 1492 bis zur Unabhängigkeitserklärung 1776 – gestalteten sich für die alteingesessenen Indianerstämme, sowohl in Süd- als auch in Nordamerika, alles andere als günstig.

Sie wurden ihrer Kultur, ihres Lebensraumes und ihrer Lebensgrundlage – unter anderem die der Bisons, auch “Indianerbüffel“ genannt (deren Bestand inzwischen aber wieder angewachsen sein soll) – beraubt, von eingeschleppten Krankheiten der „Eindringlinge“ dahingerafft und in unzähligen so genannten Indianerkriegen so gut wie ausgerottet.

Geradezu grotesk wirkt im Hinblick darauf die teils zwanghaft mit barbarischen Methoden durchgeführte Missionierung der Indianer durch bornierte, intolerante und fanatische Vertreter christlicher Kirchen.

Angenommen wird, dass gegen Ende des auch mit dem Begriff „Wilder Westen“ bezeichneten 19. Jahrhunderts, lediglich etwa 250.000 indianische Ureinwohner die Metzeleien überlebt haben sollen. Und dieser vergleichsweise klägliche Rest ursächlich friedfertiger Apachen, Sioux, Comanchen, Cheyenne, Navajo und anderer Stämme, wurde vom „weißen Mann“ in die für sie vorgesehenen Siedlungsräume (Reservate) zurückgedrängt.

PS

Inzwischen wird der Bevölkerungsanteil der mutmaßlich überwiegend in prekären Verhältnissen lebenden Indianer in den USA mit etwa zwei- bis drei Millionen (plus/minus) beziffert.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Der erste Amerikaner“ (C.W.Ceram – Rowohlt); „Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika“ (Udo Sautter – Kröner); „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“ (Dee Brown – Knaur TaschenbuchVerlag)

 

 

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