Der Wilde Westen – was ist, was war das?

Zeitlich wird unter dem Begriff „Wilder Westen“ (engl. auch: „Frontier"/im weitesten Sinne das "Grenzland zwischen den weißen zivilisierten? Siedlern und der Wildnis“) die Entwicklungsphase der Vereinigten Staaten von Amerika (etwa) von 1840 bis 1890 verstanden; geographisch – einfach gesagt und grob umrissen – die Gegenden westlich des Mississippi, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch nicht in weitere Teilstaaten der USA aufgegangen waren.

Der eigentliche Run auf das riesige Gebiet zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains begann allerdings bereits mit dem so genannten „Louisiana Purchase“, dem Verkauf Louisianas 1803 für 15 Millionen Dollar durch Napoleon an die USA. Nun war – sozusagen – der Weg nach Westen frei.

Jetzt galt es zu entdecken, zu erforschen und zu besiedeln.

Kurzum:

Es war die Zeit

  • der Forscher und Entdecker (zum Beispiel: Meriwether Lewis, *1774/°1809); William Clark, *1770/°1838 und John Charles Frémont, *1813/°1890),
  • der Trapper und Pelztierjäger (sog. „Mountain Men“, unter anderen: Daniel Boone, *1734/°1820 oder Kit/Kid (Christopher) Carson, *1809/°1868),
  • der beschwerlichen Trecks der Siedler aus dem Osten der USA und aus Europa (beispielsweise: Santa Fe Trail/1821; Oregon Trail/1835) auf der Suche nach fruchtbarem Ackerland, einhergehend mit der Möglichkeit eines besseren und freieren Lebens als Farmer, Viehzüchter oder anderem mehr,
  • der Goldsucher in Kalifornien (1848) und Colorado (1858),
  • der Arbeiter im transkontinentalen Eisenbahnbau (etwa ab 1857) und
  • der Abenteurer, Cowboys, Banditen und Revolverhelden aus aller Herren Länder (neben anderen: Jesse James, Billy the Kid, Wyatt Earp).

Hang 'Em High

Lynchjustiz und Waffengewalt (der Colt als „Peacemaker“) waren durchaus an der Tagesordnung1.

Und natürlich gab es Verlierer der gewaltigen Expansion der Siedler, die mit ihren teils von Ochsen gezogenen Planwagen gen Westen strebten. Hinzu kamen der von Weißen eingerichtete so genannte Pony Express, die Postkutschenrouten, der heftig vorangetriebene Eisenbahnbau und die – vordergründig für den Erhalt von Recht und Ordnung, aber auch für den Schutz der Siedler sorgende – amerikanische Kavallerie, die den Indianern sukzessive ihren angestammten Lebensraum streitig machten.

Mit großen Verlusten an Hab und Gut, aber auch – viel schlimmer noch – unter den indianischen Ureinwohnern.

"Indianerkriege"

Im Hinblick auf die unzähligen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Weißen und „Rothäuten“, wie die Ureinwohner verächtlich genannt wurden, gab es nur einen wirklich wichtigen und erfolgreichen Sieg der Indianer. Das war anlässlich der Schlacht am „Little Bighorn River“ 1876.

Dort, in Montana, wurde das 7. US-Kavallerieregiment unter General Goerge Armstrong Custer (*1839/°1876) von den Sioux unter ihren Häuptlingen Sitting Bull und Crazy Horse, den Cheyenne mit ihrem Häuptling „Two Moons“ sowie einigen anderen verbündeten Stämmen vernichtend geschlagen. Custer fiel in der „Schlacht“.

Das endgültige Aus der Indianer kam dann vierzehn Jahre später, 1890, bei der Ortschaft Wounded Knee in South Dakota. Und auch hier, am Wounded Knee Creek, war es wieder das 7. Kavallerieregiment, dessen Soldaten, so ist nachzulesen, ohne Rücksicht auf Kinder, Frauen, Alte und Kranke schätzungsweise zwei- bis dreihundert Indianer mehrerer Sioux-Stämme – unter ihnen auch die Häuptlinge Spotted Elk (auch Big Foot genannt) und Sitting Bull – niedermetzelten.

Summa summarum:

Seit der Unabhängigkeitserklärung 1776 hatte sich die Union gegen Ende des 19. Jahrhunderts territorial weit nach Westen ausgedehnt. Auf Teufel komm‘ heraus wurde gesiedelt, gekauft und annektiert.

Inzwischen sind aus all dem beispielsweise die US-Bundesstaaten (unter vierzig hier nicht genannten weiteren):

  • Arizona (1912), Colorado (1876), Idaho (1890), Kalifornien (1850), Montana (1889), Neu Mexiko (1912), Nevada (1884), Oklahoma, Oregon (1859) und Utah (1896)

entstanden.

Apropos

Wenn man so will, wird die Geschichte des „Wilden Westens“, also die Pionierzeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in zahllosen „Western“-(Filmen)2 aufgegriffen und – mal sehr gut, mal gut und manchmal auch schlecht – geschildert.

In diesen (mindestens) bis zu 1500 Western geht es vordergründig zwar oft um überfallene Postkutschen, den amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865), die Erschließung der Westens im Kampf mit der Natur und/oder gegen die Indianer, um die Gründung neuer Existenzen als Rancher, Farmer, Viehzüchter oder anderem, um vermeintliche oder tatsächliche Revolverhelden, um entweder unbescholtene oder aber hundsgemeine Sheriffs, Banker und Cowboys, aber auch schlicht und einfach um Moral und Macht. Also um Gut und Böse.

PS

1 Das Recht auf Schusswaffen wurde 1791 im 2. Verfassungszusatz festgeschrieben, was noch heute der Rifle Association beste Waffengeschäfte sichert.

Hier (nur) eine Handvoll

2 Western-Film-Titel von möglichem Interesse:

„How The West was Won“/“Das war der Wilde Westen“ (1962), „Cheyenne Autumn“/“Cheyenne“ (1964), „The Big Country“/“Weites Land“ (1958), „High Noon“/“12 Uhr mittags“ (1952), „Vera Cruz“/“Vera Cruz“ (1954), „Open Range“/“Open Range – Weites Land“ (2003), „Unforgiven“/“Erbarmungslos“ (1992), „Butch Cassidy and the Sundance Kid”/” Butch Cassidy und Sundance Kid – Zwei Banditen” (1969), „The Man Who Shot Liberty Valance“/“Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ (1962) und viele andere mehr …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „United States of America“ (Bernd Stöver / C.H.Beck Verlag), „Geschichte – kompakt & visuell“ (Philip Parker / Dorling Kindersley), „Das Western-Lexikon“ (Joe Hembus / Heyne Filmbibliothek)

 

 

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