Wer war Albrecht I. von Habsburg (Österreich)?

Graf Albrecht V. von Habsburg (*um 1255/°1308), Sohn des römisch-deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg, erhielt 1282 vom Vater die Herzogtümer Österreich und Steiermark und wurde - in einem zweiten Anlauf - nach der "Schlacht bei Göllheim" 1298 von den windigen und intriganten Kurfürsten, trotz vorheriger vehementer Ablehnung, als römisch-deutscher König, Albrecht I. von Habsburg (-> oder auch: „von Österreich“), auf den Schild gehoben.

 

Mammon für einen Titel

Zuvor hatte Albrechts Vorgänger, der glücklose König Adolf I. von Nassau (*1250/°1298), im Kampfgetümmel besagter Schlacht (-> Albrecht vs. Adolf bei Göllheim) sein Leben ausgehaucht. Ein Umstand, der allgemein als günstig angesehen wurde. Denn den - während seiner sechs Regierungsjahre zunehmend unbeliebter gewordenen - Nassauer, war man nun (endlich!) los und die Wahl des neuen Mannes, Albrecht, ließ wieder einmal Geld, Gold und Privilegien in den Schoß der korrupten Kurfürsten fallen. Wie auch immer. Jetzt hatte der in der Durchsetzung seiner Ziele als ehrgeizig, ja geradezu skrupellos beschriebene Albrecht  schlussendlich doch noch seinen Masterplan erfüllt. Jetzt war er König!

 

Eine unerwünschte Liaison

Bereits einen Monat nach der Schlacht bei Göllheim, im Juli 1298, wurde Albrecht in Aachen gekrönt. Geschah das zu Beginn seiner Herrschaft mit dem Wohlwollen der Kur- und sonstigen Fürsten, die sich für die Inthronisierung - wie gesagt - großzügig hatten bezahlen lassen, änderte sich das Verhältnis schlagartig, als Albrecht eine politische Liaison mit dem Franzosen Philipp IV., dem „Schönen“ (*1268/°1314), einging. Als nämlich beide, der Habsburger und der Franzose, 1299 in Quatrevaux (-> Lothringen/Frankreich) an der Maas darangingen, den Grenzverlauf zwischen Frankreich und Deutschland neu zu regeln, dieses Abkommen mit der Hochzeit des ältesten Sohnes Albrechts (-> Rudolf III.; *1281/°1307; König in Böhmen) und der Schwester Philipps IV., einer gewissen Blanche, verwandtschaftlich untermauerten und Albrecht den Fürsten zu allem Überfluss auch noch das Recht der Zolleinnahmen entzog, muckten die Kurfürsten auf.

 

Gescheiterte Gegenmaßnahmen 

Um ihre Pfründe fürchtend, beschlossen sie im Oktober 1300 in Niederheimbach bei Bingen am Rhein, Albrecht I. des Amtes zu entheben, hatten aber nicht mit der Energie und Tatkraft des Königs gerechnet, dem es gelang, die Kurfürsten, insbesondere die renitenten "Vier vom Rhein", der Reihe nach zu unterwerfen.

 

"Honig ums Maul"

Aber dann war da mit Bonifatius VIII. (*1235/°1303) wieder einmal ein Papst, der sich nicht nur für den Größten hielt, sondern auch die weltliche Macht für sich in Anspruch nahm und mit Königen und/oder Kaisern wenig am Hut hatte. Dieser Papst blickte nun ebenfalls mit großer Besorgnis auf die wachsende Einflusssphäre König Albrechts I. Aber irgendwie hatte er Pech. Weil er sich just zu der Zeit mit Philipp IV., dem Franzosenkönig, in den Haaren lag, nutzte Albrecht diesen Umstand klug und geschickt für sich und sein Verhältnis zur Kurie aus. Er schmierte dem Papst - sinnbildlich - "Honig ums Maul", indem er dem Papst und dessen Kirchenstaat das überließ, was für Albrecht ohnehin nur mit großen Mühen zu halten gewesen wäre: Nämlich große Teile des - von seinen Vorgängern immer als unabdingbar zur Größe des Heiligen Römischen Reiches gehörenden - „Reichsitalien“.

 

Ein Mord und die Hinterlassenschaft

Als Albrecht - von den Zeitgenossen in seinem Äußeren als finster und wenig vorteilhaft, charakterlich als schroff, brutal und tyrannisch apostrophiert - im Mai 1308 bei Brugg an der Reuß (-> Kanton Aargau/Schweiz) von seinem Neffen Johann (-> „Johann Parricida“ -> „Vater“- bzw. „Verwandtenmörder“) und dessen Spießgesellen meuchlings erstochen wurde, reichte das Herrschaftsgebiet der Habsburger - trotz der "milden" Gabe an den Papst - immerhin in etwa von der Mündung des Tagliamento (-> im Nordosten Italiens an der Adriaküste, Provinz Friaul-Julisch Venetien) bis hinauf nach Polen und erstreckte sich über Mitteldeutschland bis in den Südwesten des Landes.

 

Alles wird gut

Mit dem unverhofften Tod Albrechts, der - Ironie der Geschichte - im Dom von Speyer ausgerechnet neben seinem ehemaligen Gegenspieler Adolf I. von Nassau zur ewigen Ruhe kam, drohte nun erneut eine Zeit der Ungewissheit und schlafloser Nächte wegen zu erwartender Zwistigkeiten, Uneinigkeit und daraus möglicherweise entstehender kämpferischer Auseinandersetzungen. Aber, alles hielt sich im überschaubaren Rahmen.
Und dann kam Heinrich VII. (*um 1278/°1313), der Graf aus Luxemburg – nicht zu verwechseln mit der Operette gleichen Namens von Franz Lehár von 1909, in der der Graf allerdings nicht Heinrich, sondern René heißt …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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