Was ist das „Attentat von Anagni“ - und wer initiierte es?

Das im September 1303 stattgefundene Attentat auf Papst Bonifatius VIII. (*1235/°1303) - einem der machthungrigsten und unangenehmsten Vertreter in der langen Liste der Päpste - in Anagni (-> Latium/Italien), war die Folge des langjährigen Konflikts der Kurie mit dem französischen König Philipp IV. (*1268/°1314).

 

Der Zweck heiligt die Mittel

Der Grund dafür, war die Geldknappheit Philipps, der sich die für seinen Krieg mit England benötigten Mittel daher aus der Besteuerung des französischen Klerus zu besorgen gedachte. Das stieß, wie konnte es anders sein, auf Uneinsichtigkeit seitens der Kirchenleute und zog naturgemäß eine Folge gegenseitiger Nadelstiche nach sich.

 

Gegenmaßnahmen des Papstes

Das Fass zum Überlaufen, brachte dann Papst Bonifatius VIII. mit seiner 1302 erlassenen Bulle, der so genannten „Unam Sanctam“. Die darin erhobene ausschließliche Universalherrschaft des Papstes sowohl in geistigen, als auch in weltlichen Angelegenheiten, das unmissverständliche Verbot von Steuerzahlungen an Philipp seitens der Kleriker, die unbotmäßigen Anschuldigungen der Häresie (-> Ketzerei) und anderer angeblicher Schandtaten sowie die angedrohte Exkommunikation, konnte Philipp naturgemäß so nicht stehen lassen.

 

Showdown

Also, so ist es in den Chroniken nachzulesen, soll Philipp einer Schar französischer Legionäre den Auftrag gegeben haben, Bonifatius gefangen zunehmen und ihn einer nicht sonderlich freundlichen „Behandlung“ zu unterziehen. Wie auch immer diese Behandlung ausgesehen haben mag - die mit dem „Attentat von Anagni“ einhergehenden Strapazen, hatten den Papst derart mitgenommen, dass er - inzwischen Dank der ihm ergebenen Bürger Anagnis befreit, aber letztlich doch gebrochen und vereinsamt - im Oktober 1303 in Rom verstarb. 

Autor: Manfred Zorn

 

 

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