Was bedeutet der Begriff „Interregnum“?

Der aus dem Lateinischen stammende Begriff „Interregnum“, bezeichnet einen Zeitraum, in dem es keine legitim gewählte, sondern lediglich eine provisorische Herrschaftsgewalt gibt, die für eine vorübergehende Zeitspanne die Regierungsgeschäfte wahrnimmt. Diese Situation gab es in der Geschichte sowohl vor, als auch nach der Dynastie der Staufer immer wieder einmal:

 

Vor- und Nachläufer

So zum Beispiel unter anderem

  • im Römischen Reich zur Mitte des 5. Jahrhunderts,
  • bei den Osmanen zu Beginn des 15. Jahrhunderts oder
  • in England, wo 1649 - nach der Hinrichtung des Stuartkönigs Charles I. (*1600) - Oliver Cromwell (*1599/°1658) das in eine Republik umfunktionierte Land „verwaltete“, bis zwei Jahre nach seinem Tod durch Charles II. (*1630/°1685) die Herrschaft der Stuarts wieder hergestellt wurde.

 

Dauer, Chaos und die Päpste

In der Geschichte des  „Heiligen Römischen Reiches“, wird der Beginn des - in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stattgefundenen - Interregnums, landläufig bereits mit dem Todeszeitpunkt des Stauferkaisers Friedrich II. (°1250) gleichgesetzt. Spätestens jedoch mit dem Dahinscheiden Konrads IV. (°1254). Danach dauerte diese Zeit der „Schwebe“ – je nach Betrachtungsweise – entweder dreiundzwanzig, oder eben nur neunzehn Jahre, in denen es im deutschen Königreich mehr oder weniger drunter und drüber ging. Die Fürsten waren mit der Festigung ihrer Macht beschäftigt, die erstarkten Städte konnten sich nicht auf einen Kandidaten einigen und die während dieser Jahre amtierenden Päpste in Rom (-> Innozenz IV.; Alexander IV.; Urban IV.; Clemens IV. und Gregor X.), die endlich wieder den Schutz ihres Kirchenstaates durch einen handlungsfähigen König gewährleistet sehen wollten, mischten in dieser unübersichtlichen Gemengelage ebenfalls kräftig mit. 

 

Kurfürsten, Rudolf I. und das Ende des Interregnums

Beendet wurde das Tohuwabohu schließlich durch ein – erstmalig eingesetztes – "Königs-Wahl-Gremium", das sich aus drei Erzbischöfen (-> Mainz, Köln, Trier), einem Pfalzgrafen (-> vom Rhein), zwei Herzögen (von Sachsen und Bayern) sowie einem Markgrafen (-> von Brandenburg), den später so genannten „Kurfürsten“, zusammensetzte.
Diese sieben Würdenträger entschieden sich für den Habsburger Grafen und Landgrafen Rudolf IV. (*1218/°1291), der zu Beginn des Oktobers 1273 sowohl gewählt, als auch – gegen Ende des Monats – in Aachen als Rudolf I. zum römisch-deutschen König gesalbt wurde. Damit war die Zeit des Interregnums beendet.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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