Das Interregnum – wann begann es, was geschah und wann war es zu Ende?

Der Begriff ‚Interregnum‘ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ‚Zwischenherrschaft‘. Und, obwohl es in der Geschichte vorher und nachher eine ganze Reihe so genannter Interregna gegeben hat, ist damit in der Regel die kaiserlose Zeit zwischen etwa 1250 (plus/minus) und 1273 gemeint.

Das Ende der Stauferdynastie

Friedrich II. (*1194/°1250) war Ende des Jahres 1250 verstorben. Über die Ursache seines Todes wurde schon von den Zeitgenossen spekuliert. Wie auch immer das gewesen sein mag, Fakt bleibt, dass mit ihm die etwa von 1138 bis 1268 maßgeblich die deutsche Geschichte bestimmende Dynastie der Staufer so gut wie beendet war.

Seine Nachfolger haben es nicht mehr gepackt.

  • Konrad IV. (*1228/°1254), Sohn aus der knapp dreijährigen Ehe mit Isabella von Brienne (bzw. „von Jerusalem“), sollte in vollem Umfang die Ämter des Vaters und somit die Verantwortung für das gesamte Reich übernehmen, verstarb aber 1254 im Heerlager in der Region Basilikata/Italien an Malaria,
  • sein Halbbruder Manfred (*1232/°1266) aus der Verbindung mit Friedrichs Geliebten Bianca Lancia der Jüngeren, die erst auf dem Sterbebett von Friedrich geehelicht wurde, fiel 1266 in der Schlacht bei Benevent (Kampanien/Italien)
  • und der sechzehnjährige Konradin (*1252/°1268), Sohn Konrads IV., endete nach einem fragwürdigen Prozess im Oktober 1268 auf dem Marktplatz von Neapel durch das Beil des Henkers.

Das war’s mit den Staufern.

Konfusion, Planlosigkeit, Chaos

Das (deutsche) Königreich versank in einem Kuddelmuddel unterschiedlichster Interessen. Wobei sich die Landesfürsten ganz schnell als Krisengewinnler hervortaten.

Geschickt nutzten sie die Abwesenheit „vorgesetzter“ Macht und versuchten – manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg – in ihrem Territorialgebiet ohne Vorschriften von oben, also nach eigenem Gusto zu herrschen. Es gab eine Reihe aus hochherrschaftlicher Dickschädeligkeit kleinere, manchmal auch größer geführte Waffengänge, die den Einfluss der jeweiligen Parteien mehren sollten.

Sich dagegen auf die Wahl eines neuen Königs zu einigen, der den Missständen im Land hätte Einhalt gebieten können, gelang keinem der miteinander rivalisierenden Fürsten und sonstiger Kleinstregenten.

'Fakelaki' (griech.: 'Kleiner Umschlag')

Zwar gab es den Versuch einiger Protagonisten dieser Zeit, sich zum König auszurufen oder ausrufen zu lassen, allerdings mit wenig Erfolg. Und doch gab es ein paar Hasardeure, die sich von den Fürsten und einer Handvoll Erzbischöfen gegen ein üppiges Bakschisch (Schmiergeld) zum König oder, auch das kam vor, zum Gegenkönig machen ließen.

So zum Beispiel ein gewisser Wilhelm von Holland (*1228/°1256), der Engländer Richard von Cornwall (*1209/°1272) oder Alfons X. von Kastilien (*1221/°1284).

Aber keiner dieser von den Honoratioren des "Heiligen Römischen Reiches“ in den Königsstand erhobenen Figuren konnte sich wirklich durchsetzen. Es mangelte ihnen schlicht an einer jedermann überzeugenden Akzeptanz.

Und immer wieder die Päpste

Also waren die Fürsten nach wie vor mit der Festigung ihrer Macht beschäftigt, die erstarkten Städte konnten sich nicht auf einen Kandidaten einigen und die während dieser Jahre amtierenden Päpste in Rom – Innozenz IV., Alexander IV., Urban IV., Clemens IV. und Gregor X. – die endlich wieder den Schutz ihres Kirchenstaates durch einen handlungsfähigen König gewährleistet sehen wollten, mischten in dieser unübersichtlichen Gemengelage ebenfalls kräftig mit.

Die 7 Kurfürsten und der erste Habsburger

Beendet wurde das Tohuwabohu schließlich durch ein – erstmalig eingesetztes – "Königs-Wahl-Gremium", das sich aus drei Erzbischöfen (Mainz, Köln, Trier), einem Pfalzgrafen (vom Rhein), zwei Herzögen (von Sachsen und Bayern) sowie einem Markgrafen (von Brandenburg) zusammensetzte.

Dieses zunächst aus sieben, irgendwann aus neun und dann – bis zum Schluss im Jahr 1806 – aus zehn der ranghöchsten Autoritäten des Reiches bestehende Gremium, also hier die ‚sieben Kurfürsten‘, wählte(n) im Oktober 1273 übereinstimmend in Frankfurt den Habsburger Grafen und Landgrafen Rudolf IV. (*1218/°1291), der dann noch im gleichen Monat in Aachen vom Kölner Erzbischof Engelbert II. als Rudolf I. zum römisch-deutschen König gesalbt wurde.

Damit war die Zeit des Interregnums beendet.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Deutsche Geschichte, 1152-1378" (Bertelsmann Lexikon Verlag), "Das Reich der Deutschen" (dva-Spiegel Buchverlag)

 

 

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