Was geschah in Deutschland während des 13. bis 15. Jhs.?

Wo auch immer man darüber liest, wird von einem Mix aus wildem Durcheinander, Tohuwabohu und einer gehörigen Portion Kuddelmuddel gesprochen.

Die letzten Mohikaner

  • Der Stauferkaiser Friedrich II. (geb. 1194) war im Dezember 1250 ganz plötzlich verstorben,
  • sein Sohn und Nachfolger Konrad IV. (geb. 1228) im Frühjahr 1254 – nach lediglich vier Jahren auf dem Thron – ebenfalls

und schlussendlich hatte der Franzose Karl I. von Anjou (geb. 1227/gest. 1285) auch den

  • Enkel und letzten legitimen Vertreter der Stauferdynastie, Konradin (geb. 1252), im Herbst 1268 – mit nur sechzehn Jahren – auf einem Marktplatz in Neapel öffentlich enthaupten lassen.

Des Lebens bunte Fülle

Die Staufer waren Geschichte; im deutschen Königreich wurden die Unzulänglichkeiten des eigentlich bereits mit dem Tod Friedrichs II. begonnenen Interregnums (‚Zwischenherrschaft/Zwischenzeit‘) überdeutlich.

Der Königsjob wurde zum Spielball vielfältiger Interessen diverser Reichsfürsten, ganz zu schweigen von der Kür eines möglichen Kaisers. Zank, Knatsch und Zwietracht bestimmten das Tagesgeschäft.

Bis, ja bis es 1273 mit der Königswahl Rudolfs I. von Habsburg (geb. 1218/gest. 1291) gelang, die Zeit des politischen Durcheinanders zu beenden.

Die drei von der Tankstelle

Die folgenden gut fünfunddreißig Jahre, beginnend mit besagtem Rudolf, wurden bestimmt von den römisch-deutschen Königen

  • Adolf I. von Nassau (König von 1292-1298) und
  • Albrecht I. von Habsburg (König von 1298-1308).

Alle drei waren während ihrer Herrschaftszeit vorrangig darum bemüht, ihre jeweilige Hausmacht zu mehren. Wobei sie sich vorrangig gegen die zunehmend immer stärker werdende Macht der Kurfürsten zu stellen hatten.

Die nämlich, die Kurfürsten, waren sozusagen zu einer bedrohlichen Autorität im Kampf um Pfründe, um politischen Einfluss und um die Stärkung klerikaler Ansprüche geworden. Um Ämter wurde geschachert, integriert, gemoppt und korrumpiert.

Mit dem unverhofften Tod Albrechts, er wurde von seinem Neffen ermordet, drohte erneut eine Zeit der Ungewissheit und schlafloser Nächte wegen zu erwartender Zwistigkeiten, Uneinigkeit und daraus möglicherweise entstehender kämpferischer Auseinandersetzungen.

Aber, alles hielt sich in überschaubarem Rahmen.

Der Graf von Luxemburg alias Heinrich VII.

Denn flugs wählten die Kurfürsten 1308 den Grafen von Luxemburg (geb. 1274/gest. 1313) zum römisch-deutschen König Heinrich VII. (geb. 1274/gest. 1313).

Vier Jahre später, 1312, erhielt Heinrich in der Lateranbasilika in Rom sogar die Kaiserkrone. Von drei Kardinälen. Nicht, wie sonst üblich, vom Papst. Der hielt sich zu der Zeit in Avignon auf.

Aber egal – nach langen sechs Jahrzehnten hatte das Land endlich wieder einen Kaiser. Immerhin für ein Jahr.

Im Sommer 1313 verstarb Heinrich VII. nahe Siena in der Toskana/Italien.

Doppelt hält besser

Um die Nachfolge Heinrichs stritten jetzt der

  • Habsburger Friedrich der Schöne (geb. 1289/gest. 1330),
  • der Wittelsbacher Ludwig IV. (geb. um 1285/gest. 1347) und
  • Johann, der Blinde, von Böhmen (geb. 1296/gest. 1346).

Nach längerem Hin- und Her der Kurfürsten, wurde Johann schnell als zu leicht befunden, und stattdessen im Oktober 1314 in Frankfurt (Main) sowohl Ludwig IV. als auch Friedrich der Schöne zum König proklamiert. Ein Doppelkönigtum war geboren.

Was folgte, war ein achtjähriger, bürgerkriegsähnlicher und kostenaufwendiger Zustand im Reich.

Ein unmoralisches Angebot

Drei Jahre nach der für die Österreicher verloren gegangenen Schlacht von Mühldorf am Inn (Oberbayern) im Herbst 1322, bot Ludwig IV. dem hinter Schloss und Riegel sitzenden Friedrich die Teilung der Königswürde an.

Friedrich sollte für Deutschland zuständig sein, Ludwig für Italien. Das Arrangement hielt nicht lange.

Friedrich hatte keine Lust mehr auf Politik. Psychisch und physisch zermürbt, verlor er jegliches Interesse am Titel eines römisch-deutschen (Gegen-)Königs, zog sich zurück und verstarb im Januar 1330 auf Burg Gutenstein/Niederösterreich.

Der Provokateur

Ludwig IV. hatte nun, wie man so sagt, das Ganze.

  • Er stritt mit der Kirche,
  • machte sich auf den beschwerlichen Ritt nach Italien,
  • zog die papstfeindlichen Ghibellinen auf seine Seite,
  • ließ sich im Januar 1328 – ganz unkonventionell – von drei wohlmeinenden Bischöfen und vier Anwälten, natürlich im Namen des römischen Volkes, zum Kaiser ausrufen,
  • legte sich weiterhin mit dem in weiten Kreisen unbeliebten Papst Johannes XXII. (geb. um 1245/gest. 1334) an,
  • ernannte mit Nicolaus V. (1270-1333) einen ihm genehmen Papst,
  • wurde wiederum von Papst Johannes exkommuniziert und zwei Mal mit dem Kirchbann belegt,
  • vergrätzte Kurfürsten und eine breite Oberschicht mit eigenwilligen Maßnahmen

und wurde – sozusagen am sprichwörtlichen Ende des Tages – auf Betreiben der Luxemburger

  • von der Mehrheit der Kurfürsten 1346 schlankweg abgesetzt.

Ein Jahr später, im Oktober 1347, verstarb Ludwig. Plötzlich und unerwartet. An Herzversagen. Auf der Bärenjagd.

... und dann kam Karl V. ...

Wie auch immer. Inzwischen war Karl IV. (geb. 1316/gest. 1378) aus der Familie der Luxemburger römisch-deutscher König, der ab 1347 auch König von Böhmen und ab 1355 sowohl König von Italien als auch römisch-deutscher Kaiser wurde...

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Deutsche Geschichte für Dummies" (Christian v. Ditfurth/Wiley-VCH Verlag); "Deutsche Geschichte 1152-1378" (Bertelsmann Lexikon Verlag)

 

 

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