Warum fand das Basler Konzil nicht nur in Basel statt?

Das Konzil von Basel wurde im Januar 1431 von Papst Martin V. (*1368/°1431) einberufen, nach dessen Tod Anfang Februar d. J. vom kurz darauf gewählten Papst Eugen IV. (*1383/°1447) im Juli 1431 eröffnet, von einem Kardinal namens Giuliano Cesarini geleitet, dauerte bis 1449 und sollte der von der Mehrheit der Teilnehmer erkannten Reformbedürftigkeit der Kirche Rechnung tragen.

 

Absichten

Dabei ging es unter anderem um die Frage des Umgangs mit dem Konkubinat der Kirchenmänner jeglicher Couleur, der anscheinend tatsächlich praktizierten Sodomie sowie der Erneuerung der auf dem von 1414 bis 1418 stattgefundenen Konzil von Konstanz getroffenen Entscheidung, die Beschlüsse eines Konzils unter bestimmten Umständen über den Glanz und die Glorie eines Pontifex Maximus zu stellen (-> Konziliarismus).

 

Formalien

Das gefiel dem guten Eugen IV. so überhaupt nicht. Bereits Ende d. J. 1431 eröffnete er ein Alternativkonzil in Bologna (->Emilia-Romagna/Italien), was aber die in Basel verbliebene Mehrheit der Teilnehmer keineswegs anfocht. Sie machten einfach weiter. Als es dann 1437 um die Frage ging, wo, also an welchem Ort (-> im Angebot waren Avignon/Frankreich oder eine, noch nicht klar definierte, Location in Italien) über eine mögliche Wiedereingliederung der griechisch-orthodoxen Kirche (-> Ostkirche) verhandelt werden solle, gerieten die Teilnehmer erneut mit dem Papst aneinander.

 

Absetzung und Neuwahl

Als Eugen daraufhin, scheinbar zutiefst beleidigt, 1439 erneut eine Art Gegenveranstaltung, nun in Ferrara (-> Emilia-Romagna/Italien), einberief und das in Basel verbliebene Auditorium exkommunizierte, erklärten die Basler Eugen IV. kurzerhand für abgesetzt und machten mit Papst Felix V. einen gewissen Amadeus, den VIII. Herzog von Savoyen (*1383/°1451), zum in der katholischen Kirche vorerst letzten Gegenpapst.

 

Felix V. und Eugen IV.

Felix hinterließ keine nennenswerten Spuren. Es sei denn, man berücksichtigt seine mit zehn Kindern gesegnete vorpäpstliche Ehe. Zehn Jahre später, 1449, verzichtete er auf seine, in weiten Kreisen wenig anerkannte Position als Gegenpapst und beschied sich bis zu seinem Tod 1451 mit dem Amt eines Kardinalbischofs.
Papst Eugen IV. erlebte das Ende des in seiner Ortswahl verwirrenden Konzils von Basel-Bologna-Ferrara-Florenz nicht mehr. Er verstarb zwei Jahre zuvor, im Februar 1447.

 

Ergebnisoffen

Das Konzil, 1448 auf Betreiben des römisch-deutschen Königs und Kaisers Friedrichs III. (*1415/°1493) von Basel nach Lausanne verlegt, löste sich 1449 auf, hatte zwar den „Sieg“ des Papsttums über den Konziliarismus zur Folge, konnte allerdings zur Reform der Kirche nur marginal beitragen. Und doch boten die hier nicht erledigten Fragen Jahrzehnte später ausreichend Stoff für die 1517 von Martin Luther ins Rollen gebrachte Reformation. Na, immerhin …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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