Wer waren Wenzel IV. und Sigismund aus Böhmen?

Das waren weder die auch „Wenzel" (-> Diener, Knecht) genannte Spielkarte des "Buben", noch "Sigismund Sülzheimer" aus Ralph Benatzkys (*1884/°1957) Operette „Im weißen Rössl“. Vielmehr waren das Karls IV. (*1316/°1378) Söhne aus dessen dritter und vierter Ehe.

 

Der bacchantische Wenzel IV.

Der eine, Wenzel IV. (*1361/°1419) - bereits als Zweijähriger zum König von Böhmen und zwei Jahre vor dem Tod des Vaters 1376 zum römisch-deutschen König gewählt und gekrönt - wurde 1400 wegen seines ausschweifenden Lebenswandels, mehr noch wegen seiner Unfähigkeit, in einhelliger Übereinstimmung der katholischen Geistlichkeit mit den Adelsfamilien seines Amtes enthoben.

Zwar blieb Wenzel bis zu seinem Dahinscheiden 1419 böhmischer König,  römisch-deutscher König dagegen wurde 1410 ein gewisser Jobst von Mähren und ein Jahr später dann Wenzels Halbbruder Sigismund (*1368/°1437), der 1419/1420 außerdem die Funktion des Königs von Böhmen übernahm.

 

Sigismund und das Ende der Luxemburger-Dynastie

Sigismund wurde/wird in der Geschichte scheinbar etwas stiefmütterlich abgehandelt. Und doch gehört er fraglos zu den bedeutenderen Herrschern des Spätmittelalters. Außerordentlich gebildet, sprachbegabt und beharrlich setzte sich Sigismund während seiner Regierungszeit - zum Beispiel - vehement für die

  • Beendigung des so genannten "Abendländischen Schismas" ein,
  • machte sich zum Anwalt sowohl einer Kirchen-, als auch Reichsreform,
  • wehrte die Osmanen ab,
  • musste sich aber auch zwischen 1419 bis 1436 in fünf Reichskriegen - die sämtlich zu Gunsten der revolutionären Glaubenskrieger des Theologen und Reformers Jan Hus ausgingen - mit den Hussisten herumschlagen,
  • war maßgeblich an der Durchführung der Konzile von Konstanz (-> von 1414 bis 1418) und Basel (-> von 1431 bis 1449) beteiligt,
  • wurde 1431 König von Italien und schließlich
  • 1433 von Papst Eugen IV. (*1383/°1447) zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt.

Unterwegs in Mähren verstarb Sigismund im Dezember 1437.
Mit dem Tod des letzten der luxemburgischen römisch-deutschen Könige und Kaiser, der zwar schlauer, diplomatischer und - den Gegebenheiten der Zeit entsprechend - erfolgreicher als sein Bruder Wenzel war, zerfiel die immerhin von 1308 bis 1437 andauernde Vormachtstellung der Luxemburger als dominierende Herrscherdynastie des Heiligen Römischen Reiches.

 

Der Beginn der Habsburger-Dynastie

Fortan, mit einer flüchtigen Unterbrechung, nahm die Donaumonarchie der Habsburger das Heft in die Hand - bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches durch den von Napoleon I. initiierten Rheinbund 1806 ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

 

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