Wer oder was ist unter dem Begriff „Hanse“ zu verstehen?

Der Begriff „Hanse“ stammt aus dem althochdeutschen Wort „Hansa“, steht für „Schar“ oder auch „Gefolge“ und bezeichnete den Zusammenschluss deutscher Kaufleute des Mittelalters zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert.

 

Ursprung

Der Ursprung der "Hanse" wird Heinrich dem Löwen (*etwa 1130/°1195) zugeschrieben, der die durch einen Brand zerstörte Stadt Lübeck 1159 sozusagen „neu“ gründete und der Stadt durch kluge Verhandlungen mit Schweden und Russen zu einer Vormachtstellung im Ostseehandel verhalf. In der Folge entwickelte sich Lübeck, gemeinsam mit Hamburg, zum Zentrum der in ihren Zielen bereits ökonomisch, freundlich und locker verbundenen Handelsstädte - wie zum Beispiel Brügge, Rostock, Lüneburg, Danzig, Riga, Bremen und andere mehr.

 

Gründung

Gute zweihundert Jahre nach Heinrichs so genannter Neugründung Lübecks, 1356, schlossen sich eine Vielzahl weiterer Städte, man spricht von bis zu zweihundert Städten, auf dem ersten Hansetag in Lübeck formal zu einem Städtebund, der „Hanse“, zusammen. Gründe dieses Zusammenschlusses waren unter anderem:

  • Handelsinteressen gemeinsam zu vertreten,
  • sich gegenseitigen Schutz und Beistand vor Straßen- und Seeräubern sowie den mächtigen Fürsten, die auch zu gern die Städte ihrem Machtbereich einzuverleiben gedachten, zu gewähren,
  • gemeinsam für den Erhalt ihrer Handelsprivilegien zu kämpfen und ihre Pfründe zu verteidigen.

 

Die gute Zeit

Obwohl es innerhalb der „Hanse“ weder eine Satzung, keinen Etat, geschweige denn schriftliche Verträge oder gewählte Vorsitzende gab, war dieser kaufmännische Interessenverbund auf dem Höhepunkt seines Wirkens derart mächtig, reich und unangefochten, dass sogar vor kriegerischen Auseinandersetzungen (-> z.B. gegen Dänemark) und effizienter Piraten- und Wegelagererbekämpfung nicht Halt gemacht wurde. 

 

Erste Einschränkungen

Der Niedergang der „Hanse“ setzte etwa zur Mitte des 15. Jahrhunderts ein. Dänemark, Russland und die Niederlande erhielten Oberwasser, das heißt, die Herrscher dieser Länder gewannen an politischer Macht, schränkten die Privilegien der Handelsleute ein, erhoben plötzlich Steuern und andere Handelshindernisse und schränkten somit in steigendem Maße die lukrativen Einkunftsmöglichkeiten der „Hanse“ ein.

 

Äußere Einflüsse

Und dann waren da noch Kolumbus und der Dreißigjährige Krieg! Mit der Entdeckung Amerikas 1492 durch den italienischen Seefahrer Christoph Kolumbus, verlagerten sich Handel und Wandel zunehmend nach Übersee, und die Wirren sowie die unterschiedlichen Parteinahmen der Städte während und nach dem Dreißigjährigen Krieg (-> 1618 bis 1648) führten schließlich zum endgültigen Aus der „Hanse“. Daran änderte auch der 1669 auf einem Handelstag in Lübeck unternommene Versuch einer „Reanimation“ nichts mehr. Die „Hanse“ war Geschichte …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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