Wieso scheint Ludwig IV. der Bayer ein Pechvogel gewesen zu sein?

Weil er sich im Grunde genommen zeitlebens im Kampf befand. Zum Anfang seiner Laufbahn gabs Zoff innerhalb der Familie mit seinem Stiefbruder Rudolf I. von Bayern (*1274/°1319), später mit dem Gegenkönig Friedrich dem Schönen (*1289/°1330) und, last but not least, mit einer ganzen Reihe ihm missliebig gesinnter Päpste.

 

Lösung der weltlichen Problemfälle

Die Streitigkeiten mit dem Bruder endeten 1317 mit dessen Verzicht auf jedwede Herrschaftsansprüche. Das Problem mit dem ebenfalls 1314 gewählten Gegenkönig Friedrich des Schönen, löste sich acht Jahre später (fast) wie von selbst. Friedrich, 1322 in der Schlacht bei Mühldorf am Inn von seinem Kontrahenten besiegt und in Gefangenschaft geraten, zog sich ab 1326 stressgeplagt, entnervt und erschöpft aus der Verantwortung zurück. Er verstarb vier Jahre später.

 

Eine harte Nuss

Aber, Papst! Johannes XXII. (*um 1245/°1334) war eine harte Nuss, der Ludwigs Königswahl partout nicht anerkannte und ihm stattdessen mit dem Bann drohte. Ludwig reagierte umgehend, nannte den Papst einen Ketzer und ließ ihn kurzerhand für abgesetzt erklären. Postwendend ließ Johannes seiner Drohung Taten folgen. Ludwig wurde tatsächlich mit dem Kirchenbann belegt.

 

Kaiserkrönung 

Was diesen allerdings nicht anfocht. Trotz kirchlicher Ächtung, ließ Ludwig sich 1338 zum Kaiser krönen. Ohne Papst. Der saß in Avignon. Die Krönung wurde, ganz unprätentiös, von beamteten Volksvertretern der Stadt Rom vorgenommen. Aber, Kaiser werden ist nicht schwer, Kaiser sein dagegen sehr! Ein zweites Mal, doppelt hält besser, wurde über Ludwig der Bann ausgesprochen. Fortan erschöpfte sich Ludwigs Tun in weiteren Streitigkeiten mit der Kurie. Kurz und gut, die Zeit lief gegen ihn.

 

Tohuwabohu

Nachdem Ludwig, ebenfalls zum zweiten Mal, den Papst für abgesetzt erklärte und mit Nicolaus V. (*1275/°1333) einen Gegenpapst anheuerte, ließ sich das nun einsetzende Chaos kaum abwenden.
Das allgemeine Für-, Gegen- und Miteinander der widerstreitenden Interessengruppen - der Franziskaner, Ghibellinen, Guelfen, Kurfürsten, Frankreich, der Päpste Johannes XXII., Benedikt XII. (*1285/°1342), Clemens VI. (*1290/°1352) und sogar der ehemaligen luxemburgischen Verbündeten - setzte sich ungebrochen fort.
Packt man all diese Querelen zusammen, gipfelte das Tohuwabohu schließlich 1346 in der Absetzung Ludwigs, der Wahl des Luxemburgers Karl IV. (*1316/°1378) zum Gegenkönig und dem überraschenden Dahinscheiden Ludwigs - anlässlich einer Bärenjagd im Oktober 1347.
Irgendwie, sicherlich teils auch selbstverschuldet, hat Ludwig IV. wohl wirklich Pech gehabt ...

 

Anmerkung

  • Ludwig IV. war der erste von drei römisch-deutschen Königen und Kaisern aus dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher. Nach ihm kamen noch
  • Ruprecht von der Pfalz (*1352/°1410), König von 1400 bis 1410) und
  • Karl VII. (*1697/°1745), Kurfürst und Herzog von Bayern und von 1742 bis 1745 römisch-deutscher Kaiser.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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