Wie kam Ludwig IV. eigentlich zu seinem Kaisertitel?

Ludwig IV. der Bayer (*1282/°1347), entschlussfreudig, mutig, in seinem Handeln spontan und undogmatisch, hatte sich entschlossen, gegen Papst Johannes XXII. (*um 1245/°1334) zu opponieren. Es wurde eine zähe, langlebige Auseinandersetzung mit der Kurie. Sozusagen eine Lebensaufgabe!

Im Wesentlichen ging es bei den Streitereien (unter anderem) um die Einschränkung der - von der Kirche absichtsvoll unterstützten - französischen Einflussnahme in Italien, um die Nichtanerkennung von Ludwigs Königstitels seitens des Papstes, um die gegenwärtigen und zukünftigen Zuständigkeiten der Kurfürsten bei der Königswahl, um die von Ludwig veranlasste, aber unwirksame, Absetzung des Papstes sowie den daraufhin verhängten Kirchenbann über Ludwig durch Johannes XXII.

Allerdings beeindruckte das alles die beiden Streithähne nur wenig, wenn überhaupt. Ludwig schien sogar derart unbeeindruckt, dass er sich trotz dieses Wirrwarrs 1327 auf den Weg nach Italien machte. Mit Hilfe papstfeindlicher Verbündeter - zum Beispiel des Bettelmönchordens der Franziskaner und anderer Gegner des machtgierigen und korrupten Papstes - ließ er sich 1327 in Mailand zum König von Reichsitalien und im Januar 1328 in Rom zum Kaiser krönen. Allerdings nicht vom Papst höchstpersönlich, sondern - zwar respektlos und dreist, aber doch wenigstens mit Billigung der römischen Bürger - schlicht und einfach von einem Repräsentanten aus dem römischen Adelshaus der „Colonna“.
Johannes XXII., der, wie die Päpste vor und nach ihm, in Avignon hockte, machte (notgedrungen und vorerst) gute Miene zum bösen Spiel …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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