Wie löste Ludwig IV. das Problem mit dem Gegenkönig Friedrich dem Schönen?

Eigentlich löste sich das Problem von selbst. Friedrich der Schöne hatte irgendwann schlicht und einfach die Lust am Job eines Gegenkönigs verloren.

 

Entscheidung

Zu Beginn von Ludwigs IV. nur „halber“ Regentschaft als Gegenkönig allerdings, versuchten sowohl er, als auch sein „königlicher“ Kontrahent Friedrich mit jeweils wechselnden Parteigängern, die sich immer demjenigen anschlossen, der je nach Lage den größten Profit versprach, sich gegeneinander auszuspielen. Dann endlich, im Herbst 1322, unterlagen die Österreicher in der Schlacht von Mühldorf am Inn in Oberbayern, bei der Friedrich der Schöne vom Sieger Ludwig gefangen genommen wurde.

 

Vetternwirtschaft

Aber nach drei unangenehmen Jahren der Haft, konfrontierte Ludwig den Eingesperrten mit dem obskuren Vorschlag, die Königswürde „vetterlich“ zu teilen. Friedrich sollte für Deutschland zuständig sein, Ludwig für Italien! Allerdings hielt dieses Arrangement nicht lange. Politisch und familiär begründete Probleme im Hause der Habsburger, hatten Friedrich zunehmend physisch und psychisch zermürbt. Bereits 1326 verlor er jegliches Interesse am Titel eines römisch-deutschen (Gegen-)Königs, zog sich zurück und verstarb im Januar 1330. Seine sterblichen Überreste wurden im Kloster Mauerbach bei Wien beigesetzt, dann, vierhundertfünfzig Jahre später, in den Wiener Stephansdom überführt.

 

Verlust der Deutungshoheit

Ganz anders verlief die weitere Geschichte für den faktisch bereits seit 1322 allein regierenden Ludwig IV. Der hatte nämlich, in der ihm eigenen unorthodoxen Art, Papst Johannes XXII. gegen sich aufgebracht. Aber, es sah nicht gut aus für Ludwig IV. 
Letztlich verlor er den langjährigen Kampf um die Deutungshoheit machtpolitischen Handelns in Fragen der jeweils rechtmäßigen Zuständigkeiten. 
Der Papst - das war inzwischen Clemens VI. - hatte gewonnen.

 

Das Ende

Da inzwischen auch ehemalige Verbündete, zum Beispiel die Fürsten, ja, sogar die ehemaligen luxemburgischen Getreuen, die Seiten gewechselt hatten, wurde Ludwig IV. kurzerhand in die Wüste geschickt. Zwar focht ihn das keineswegs an, aber jeglicher Versuch einer Gegenwehr nutzte nichts mehr. Plötzlich, und wahrscheinlich unerwartet, verstarb er an Herzversagen. Auf der Bärenjagd …

 

Protagonisten

  • Ludwig IV. der Bayer (*um 1281/°1347), aus dem Haus der Wittelsbacher, 1314 römisch-deutscher Gegenkönig, ab 1322/1326 Alleinherrscher,
  • Friedrich der Schöne (*1289/°1330), Habsburger, ab 1314 römisch-deutscher Gegenkönig,
  • Papst Johannes XXII., (*etwa 1245/°1334), Papst von 1316 bis 1334,
  • Papst Clemens VI. (*1290/°1352), Papst von 1342 bis 1352

Autor: Manfred Zorn

 

 

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