Was führte während Karls IV. Regierungszeit zur Judenverfolgung?

Vordergründig war es wohl die zwischen 1347 und 1352 in Europa grassierende Pest, die zu Beginn der Regierungszeit Karls IV. (*1316/°1378), zu einem grauenhaften Judenpogrom führte.

Die Mehrheit einer bildungsfernen, abergläubischen, unaufgeklärten Unterschicht sah nämlich in der mit katastrophalen Auswirkungen einhergehenden Seuche eine Strafe des Himmels, und lastete diese „Geißel der Menschheit“ unreflektiert der ohnehin ungeliebten jüdischen Bevölkerung an.

Da half es auch nichts, dass die Juden bereits seit Karl dem Großen unter dem Schutz des Königs/Kaisers standen, vom Stauferkaiser Friedrich II. wegen ihres Wohlverhaltens in Steuerabgaben als so genannte „Kammerknechte“ mit Privilegien ausgestattet waren sowie von Karls IV. Großonkel, des Erzbischofs und Kurfürsten Balduin von Luxemburg/Trier (*um 1285/°1354), in der Finanz- und Steuerverwaltung eingesetzt wurden. Wie der Hexenwahn, führten auch die Vorurteile gegenüber der in weiten Teilen überlegenen jüdischen Mitbürger zu unkontrollierten Auswüchsen und ungeahnt fürchterlichen Exzessen.

Obwohl Karl IV. sich, wie auch eine Reihe anderer Landesfürsten, im Prinzip entschlossen gegen die Verfolgung und Ermordung der Juden stellte, ist ihm ein fatales Fehlverhalten letztlich nicht abzusprechen. Wie in einer Handvoll Urkunden nachzulesen, nutzte auch Karl - vielleicht nicht unbedingt die Gunst - aber doch die Gelegenheit der Stunde, um, sozusagen, zum „stillen Teilhaber“ jüdischen Besitzes zu werden. So wurde zum Beispiel die jüdische Gemeinde Nürnbergs, neben Prag ebenfalls Residenzstadt Karls, im Dezember 1349 mit seiner Billigung, vornehmlich wegen zu erwartender marktwirtschaftlicher und verkehrstechnischer Vorteile, rigoros platt gemacht.

Während sich Prag unter Karl IV. in der Folge zu einem wichtigen jüdischen Zentrum Europas entwickelte, galt/gilt Nürnberg nunmehr als Synonym für die Schattenseiten in Karls Tun und Wirken. Aber, auch das sei gesagt: Schon ein Jahr später (-> 1350), soll Karl das von ihm stillschweigend hingenommene Massaker in Nürnberg zutiefst bedauert haben. Ob aus persönlichem Schuldeingeständnis, oder wegen des daraus entstandenen wirtschaftlichen Schadens? Man weiß es nicht! Was, bei aller anerkannten historischen Größe Karls IV., bleibt, ist aber letztlich doch ein Fleck auf seiner vordem weißen Weste ...     

Autor: Manfred Zorn

 

 

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