Warum wird Karl IV. auch als Friedenskaiser bezeichnet?

Ganz sicher, weil er sich weniger mit Expansionsgelüsten auf Basis kriegerischer Auseinandersetzungen beschäftigte und den von seinen Vorgängern heiß umkämpften Süden (-> Italien) des Heiligen Römischen Reiches mied, wie der Teufel das Weihwasser, sondern weil er sich vielmehr um die Erhaltung kultureller, wirtschaftlicher, politischer und religiöser Werte einer sich im Wandel begriffenen Zeit einsetzte.

Frei nach dem Motto: „Besser der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“, schien ihm seine Einflusssphäre über Mitteleuropa zu genügen.
Klug nutzte, lenkte und protegierte Karl IV. wirtschaftliche Strukturen, wie zum Beispiel den Handelsverkehr, das Handwerk und die zunehmende Prosperität der Städte mit deren immer selbstbewusster werdenden Bürgern. Er einte weitestgehend die konkurrierenden Adeligen des Reiches, schuf mit der „Goldenen Bulle“ so etwas wie ein Grundgesetz des „Heiligen Römischen Reiches“, das bis 1806 Gültigkeit hatte, und sorgte mit ausgedehnten Reisen durch seine Besitztümer und Ländereien für Präsens und Volksnähe.
Darüber hinaus verstand es Karl IV. aufs Vortrefflichste, mit Diplomatie, geschickter Verhandlungsführung und ausgebuffter Heiratspolitik, Ruhe in seinem Vielvölkerstaat zu schaffen.

 

Anmerkung

Karl IV. (*1316/°1378), kulturell, wissenschaftlich und in Wirtschaftsfragen gebildet, fünfsprachig, religiös - aber auch mit Krankheiten geschlagen, war politisch

  • ab 1346 zuerst Gegenkönig Ludwigs IV. des Bayern (*um 1281/°1347),
  • dann römisch-deutscher "Alleinkönig",
  • ab 1347 König von Böhmen,
  • ab 1355 römisch-deutscher Kaiser und
  • ab 1365 König von Burgund

und privat viermal verheiratet:

  • 1329 bis 1348 mit Blanca Margarete von Valois/2 Kinder,
  • 1349 bis 1353 mit Anna von der Pfalz/1 Kind,
  • 1353 bis 1362 mit Anna von Schweidnitz/2 Kinder,
  • 1363 bis 1378 mit Elisabeth von Pommern/6 Kinder) 

Autor: Manfred Zorn

 

 

          

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