Wer war Karl IV. von Luxemburg?

Karls Vorfahren, die Luxemburger, stammten väterlicherseits aus dem deutsch-französischen Gebiet zwischen Maas und Mosel und beriefen sich herkunftsseitig auf die Karolinger. Mütterlicherseits wurde Karls Herkunft vom böhmischen Adelsgeschlecht der Premysliden geprägt.

Karl IV., außerordentlich gebildet, belesen und sprachbegabt, gehört zu den bedeutsamsten Herrscherpersönlichkeiten des Mittelalters.

  • Er verfasste eine von der Geburt bis zu seiner Kaiserkrönung 1355 reichende Selbstbiographie,
  • schuf mit der so genannten „Goldenen Bulle“ so etwas wie ein Grundgesetz des „Heiligen Römischen Reiches“, das bis 1806 Gültigkeit hatte,
  • sorgte für den wirtschaftlichen Aufschwung von Handel und Handwerk,
  • förderte den kulturellen und geistigen Austausch zwischen Ost und West,
  • und erwies sich, ohnehin mit einer stattlichen Reihe von Königs- und Herzogshäusern (-> z.B. Frankreich, Burgund, Österreich) versippt und verschwägert, zwecks Erweiterung seines Herrschaftsgebietes als geschickter Heiratspolitiker.

Als streng gläubiger Christ, verzichtete Karl weitestgehend auf die bis dahin üblichen Auseinandersetzungen mit den Päpsten (-> das waren während seiner Regierungsjahre als König und Kaiser die in Avignon amtierenden Päpste Clemens VI., Innozenz VI., Urban V. und Gregor XI.), und, obwohl er von einem politischen und/oder militärischen Engagement in Italien nichts hielt, bemühte er sich doch, die Idee des Heiligen Römischen Reiches lebendig zu erhalten.

In der Absicht, dem Reich ein Zentrum nach den Vorbildern Konstantinopels, Paris´ oder Roms zu geben, wurde Prag unter Karls Ägide nicht nur zu seiner bevorzugten Residenz, sondern auch so etwas wie eine europäische Metropole der Zeit. Um für dieses und andere kostspielige Anliegen seine ewig klamme Kasse aufzubessern, verpfändete er, nicht immer zur Freude seiner Zeitgenossen, sogar eine Reihe seiner Besitzungen.

Seine karge Freizeit verbrachte Karl IV. auf der von ihm 1348 in Auftrag gegebenen Burg Karlstein nahe Prag, die, unter anderem, auch der Aufbewahrung seiner „hobbymäßig“ betriebenen Sammlung von Reliquien und Reichskleinodien diente.

 

Kurz und gut:

Karl IV. gilt heute rückblickend, wie schon gesagt, als einer der ganz Großen unter den Herrschern des Mittelalters. Viermal verheiratet, hinterließ er seinen elf Kindern, von denen es Wenzel IV. und Sigismund zu einiger Beachtung gebracht haben, ein zuvor in seiner Größe von einem Adelsgeschlecht nie erreichtes Herrschaftsgebiet, dessen umfangreichster Teil gute sechzig Jahre nach Karls Tod an die Habsburger fiel ... 

 

Personalien

  • Karl IV. (*1316/°1378), von 1346/1355 bis zu seinem Tod römisch-(tschechisch)-deutscher König und Kaiser, 
  • Vater: Johann von Luxemburg, der Blinde (*1296/°1346), König von Böhmen,
  • Mutter: Elisabeth (*1292/°1330) aus dem böhmischen Fürstengeschlecht der Premysliden, 
  • Clemens VI. (*um 1290/°1352), Papst von 1342 bis 1352,
  • Innozenz VI. (*etwa 1285/°1362), Papst von 1352 bis 1362,
  • Urban V. (*1310/°1370), Papst von 1362 bis 1370,
  • Gregor XI. (*1329/°1378), Papst von 1370 bis 1376 in Avignon, bis 1378 in Rom
  • Wenzel IV. von Luxemburg (*1361/°1419), Sohn Karls IV. aus 3. Ehe, König von Böhmen
  • Sigismund von Luxemburg (*1368/°1437), Sohn Karls IV. ebenfalls aus dessen 3. Ehe, Kurfürst von Brandenburg, König von Böhmen, Ungarn und Kroatien sowie römisch-deutscher König (ab 1411) und Kaiser (ab 1433) 

Autor: Manfred Zorn

 

 

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