Wer oder was waren/sind Luxemburg und die Luxemburger?

Das Großherzogtum Luxemburg, Gründungsmitglied der 1957 gegründeten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (-> EWG) und heute Sitz diverser EU-Institutionen, ist eine parlamentarische Erbmonarchie. Staatsoberhaupt seit 2000 ist der Großherzog Henri von Nassau-Weilburg (*1955), Regierungschef z. Z. Premierminister Jean-Claude Junker (*1954).

 

Gründervater Siegfried

Das mit dem Vertrag von Benelux 1958 mit Belgien und den Niederlanden (-> Beneluxstaaten) zu einer Wirtschaftsunion vereinte Luxemburg, wurde 963 von einem Grafen namens Siegfried gegründet. Der ließ auf dem Gebiet der heutigen Stadt Luxemburg eine mit dem Namen „Lucilinburhuc“ (-> „Lützelburg“) bezeichnete Befestigungsanlage errichten, und gilt als Urvater der Dynastie der Luxemburger.

 

Aufstieg

In den auf Siegfried folgenden Jahrhunderten wuchsen die Luxemburger zu einer mächtigen Dynastie, die sich auch über Luxemburg hinaus etablieren konnte und im 14. und 15. Jahrhundert, zwischen 1308 und 1437, drei römisch-deutsche Kaiser:

  • Heinrich VII. (*1278/°1313),
  • Karl IV. (*1316/°1378) und
  • Sigismund (*1368/°1437)

sowie zwei römisch-deutsche Könige:

  • Wenzel II. „der Faule“ (*1361/°1419) und
  • Jobst von Mähren (*1351/°1411)

stellte.

Die markanteste Herrscherpersönlichkeit aus dieser Riege war zweifelsohne Karl IV., der, in Prag geboren und in Paris aufgewachsen, auf der Karriereleiter ab seinem dreißigsten Lebensjahr relativ rasch vom Verwalter Böhmens und Mährens, als den ihn sein erblindender Vater Johann, der "Blinde", eingesetzt hatte, zum römisch-deutschen König (1346), König von Böhmen (1347) und schließlich zum römisch-deutschen Kaiser (1355) emporstieg.

 

Das Erbe

Mit Karl IV. beherrschten die Luxemburger flächenmäßig ein Territorium, das in der Größenordnung bis dahin von keinem anderen Adelsgeschlecht erreicht worden war. Mehr durch kaufmännisches Geschick und kluge Heiratspolitik, als durch Eroberungskriege erreicht, hinterließ Karl IV. seinen Erben einen Machtbereich, der - unter anderen - Böhmen, Mähren, Ungarn, Schlesien, Brandenburg, Luxemburg und Brabant (-> Teile der Niederlande und Belgiens) umfasste. Aber, nach Karl IV. ging es mit den Luxemburgern bergab.

Seine Söhne und Nachfolger, Wenzel IV. von Luxemburg und Sigismund von Luxemburg, konnten das Erreichte des Vaters - aus durchaus unterschiedlichen Gründen - nicht halten. Die immerhin von 1308 bis 1437 andauernde Vormachtstellung der Luxemburger als dominierende Herrscherdynastie des Heiligen Römischen Reiches zerfiel.

 

Was danach, unter anderem, weiter geschah

  • In der weiteren wechselvollen Geschichte spielten - zum Beispiel - das Haus Burgund, die Habsburger und Frankreich eine wesentliche Rolle in Luxemburg,
  • im 19. Jahrhundert folgten eine Personalunion mit den Niederlanden, eine Neutralitätserklärung und die Wahl Adolphs von Nassau-Weilburg (*1817/°1905) zum Großherzog von Luxemburg,
  • und im 20. Jahrhundert trat Luxemburg 1945 den Vereinten Nationen, 1949 der Nato, 1985 dem Schengener Abkommen und 1999 der Europäischen Währungsunion bei - um an dieser Stelle nur einige wenige Mitgliedschaften internationaler Organisationen des Landes zu nennen. 

Autor: Manfred Zorn

 

 

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