Wie oft wurde Karl IV. zum König/Kaiser gekrönt?

Genau genommen, sechs mal! Aber warum und wieso?

 

Voraus geschickt

Nach der Ermordung Wenzels III. (*1289/°1306), des letzten Königs aus dem Adelsgeschlecht der Premysliden, begann - wie sollte es auch anders sein - unter den böhmischen Adeligen ein Gerangel um die Nachfolge. Der gegen den Widerstand der Habsburger 1307 zum König von Böhmen gewählte Heinrich von Kärnten (*etwa 1265/°1335), ohnehin im Lande weitestgehend unbeliebt, wurde - mit der von den böhmischen Oppositionellen angeforderten Unterstützung des römisch-deutschen Königs Heinrich VII. von Luxemburg (*um 1278/°1313) - 1310 abgesetzt und des Landes verwiesen. Durch geschicktes Ausnutzen der Situation (wie ganz genau, ist nicht auszumachen), gelang es Heinrich VII., seinen  Sohn, Johann den „Blinden“ (*1296/°1346), auf Böhmens Thron zu setzen. Damit war der Grundstein der späteren luxemburgischen Hausmacht gelegt. Johann heiratete zweimal. Aus der 1310 geschlossenen ersten Ehe mit einer gewissen Elisabeth aus der Familie der Premysliden, stammten sechs Kinder.

 

Aufstieg

Eines von ihnen war Karl IV. (*1316/°1378). Und Karl machte das, was heute Karriere genannt würde.
Vom Vater 1334 zum Markgrafen von Mähren gemacht, mit administrativen Aufgaben betraut und nach dem (wegen zunehmender Erblindung) Rückzug Johanns aus den Regierungsgeschäften, sozusagen zu dessen Vertreter avanciert, wurde Karl

  • im Juli 1346 auf Betreiben Papst Clemens´ VI. (*1290/°1352) von fünf der sieben Kurfürsten in Rhens (-> Rheinland-Pfalz) zum Gegenkönig Ludwigs IV. des Bayern (*1282/°1347) gewählt und im Dezember d. J. in Bonn zum römisch-deutschen König gekrönt,
  • ein Jahr später, im September 1347, wurde Karl König von Böhmen.
    Und, nachdem im Oktober 1347 Ludwig IV. anlässlich einer Bärenjagd verstorben war, und Karl sich im Mai 1349 gegen eine beträchtliche Summe Geldes den Verzicht des Gegenkönigs, Graf Günther von Schwarzburg (*1304/°1349), auf Amt und Titel erkauft hatte, wurde er 
  • im Juni/Juli 1349 ein zweites Mal, Ordnung muss sein, in Frankfurt (Main) zum römisch-deutschen König gewählt und in Aachen gekrönt. Jetzt allerdings in Eintracht aller sieben Kurfürsten.
    Günther von Schwarzburg konnte die Früchte seines Verzichts, das Geld, nicht mehr genießen. Er hatte bereits Ende Juni d. J. das Zeitliche gesegnet,
  • im Januar 1355, Karl IV. befand sich auf seiner ersten Italienreise (-> 1354/1355), krönten ihn die Mailänder zum König von Italien, schließlich,
  • im April 1355, ließ ihn der in Avignon amtierende Papst Innozenz VI. von einem päpstlichen Gesandten/Kardinal zum römisch-deutschen Kaiser krönen, und schlussendlich,
  • im Juni 1365, wurde Karl IV. in Arles zum König von Burgund gekrönt.

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

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