Was ist die Pest, wann kam sie nach Europa und welche Folgen hatte sie?

Eine Krankheit! Eine Infektionskrankheit! Eine Krankheit, die durch von Rattenflöhen auf den Menschen übertragene Bakterien das Lymphsystem befällt, und in der Regel tödlich endet! Der Krankheitsverlauf ist erschreckend kurz, schmerzhaft und ansteckend.

 

Altertum und Opferzahlen

Nun waren Seuchen und Epidemien bereits aus dem Altertum bekannt (-> „Pest des Thukydides“ in Athen 430 bis 426 v. Chr. zum Beispiel, oder auch die „Pest des Gallus“ um 250 n. Chr. in Äthiopien sowie die „Justinanische Pest“ in Ägypten 541 n. Chr.), aber die im Spätmittelalter, etwa zwischen 1346 und 1352 grassierende Seuche, raffte, Überlieferungen zur Folge, jeden dritten Europäer dahin. Etwa fünfundzwanzig Millionen Menschen sollen an der, auch „Geißel Gottes“ oder „Schwarzer Tod“ genannten Krankheit verstorben sein.

 

Mangelnde Hygiene

Begünstigt wurde die rasante Verbreitung der Pest (-> lat. „pestis“ -> „Seuche“) durch die schlechten bis gar nicht vorhandenen hygienischen Gegebenheiten mittelalterlichen Lebens. Ein enges Zusammenleben mit Haus- und Nutztieren, Ratten, Flöhen und anderem Ungeziefer gehörte sozusagen zum Alltag. Alles in allem: Ein El Dorado für die Übertragung der Krankheitserreger.

 

Verlauf

Innerhalb weniger Stunden bekamen die Infizierten Fieber, Schüttelfrost, ins Blauschwarz tendierende Hautverfärbungen und schwellende Beulen (-> „Beulenpest“) an Hals, Achseln und Leisten. Die Ärzte jener Zeit waren macht- und hilflos, die bekannten Heilmethoden und Medikamente erzielten keinerlei Wirkung. Die Erkranken wurden isoliert untergebracht, strengste Richtlinien für den Umgang mit den von der Pest Betroffenen erlassen und die Leichen verbrannt und/oder in tiefen Ausschachtungen vergraben.
Angst und Schrecken verbreiteten sich wie ein Lauffeuer unter den Menschen. Ein Umstand, den der Chronist Agnolo di Tura um 1350 in Siena (-> Toskana/Italien) mit den Worten: „So viele starben, dass alle glaubten, das Ende der Welt sei gekommen“ beschrieb.

 

Folgen

Die Folgen des „großen Sterbens“ waren unter anderem:

  • Die Entvölkerung ganzer Landstriche mit einhergehendem Arbeitskräftemangel in Landwirtschaft und Handwerk,
  • der daraus entstandene Einbruch der Wirtschaftsabläufe verbunden mit Lebensmittelknappheit und Hungersnöten,
  • der Zusammenbruch einer auf moralischen, ethischen und sozialen Grundsätzen aufgebauten Gesellschaftsordnung in Form von Genusssucht, Habgier, Plünderungen, Raub sowie - und das war noch schrecklicher, wenn nicht gar unsäglicher - die Entstehung eines ungebremsten Fanatismus, der in der Suche nach möglichen Sündenböcken seinen zerstörerischen Ausdruck fand.

 

Flagellanten und Pogrome

Gläubige rotteten sich in großer Zahl zu so genannten „Geißlerzügen“ zusammen, zogen barfuss, sich selbst auspeitschend (-> „Flagellanten“) und in angeblicher Gottesfürchtigkeit durch die Lande, schoben die Schuld an den Auswirkungen der Pest den Juden zu, fanden Zuspruch in der Bevölkerung und - beide Gruppen gemeinsam - erschöpften sich in fürchterlichsten Pogromen gegen die jüdischen Gemeinden.

 

Apropos

Der Pesterreger (-> von Rattenflöhen auf Menschen übertragene Bakterien) und der Ursprung der Seuche (-> mangelnde Hygiene) wurde 1894 vom Schweizer Arzt Alexandre Yersin (*1863/°1943) entdeckt, und trägt seither die Bezeichnung „Yersinia pestis“.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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