Seit wann gibt es Menschen auf der Erde?

Der heutige Mensch (Homo sapiens sapiens) tauchte, so heißt es, vermutlich vor etwa 100- oder möglicherweise bereits vor 200.000 Jahren, vielleicht aber auch noch früher auf der Erde auf. Wann auch immer das tatsächlich gewesen sein mag, Fakt scheint zu sein, dass es – wenn man so will – Vorfahren, oder besser: Vorgänger der Gattung ‚Homo‘ (Mensch) lange, lange zuvor gegeben hat.

"Eines langen Tages Reise in die Nacht" (Eugene O’Neill)

So sollen menschenähnliche Tiere bereits vor 2,8 bis 2,5/2,4 Millionen Jahren in der Gegend herumgeschlendert sein. Wahrscheinlich sogar schon vor 4, 6 oder 8 Millionen Jahren. Und es kommt noch aktueller.

Erst 2016 haben Paläoanthropologen und/oder Paläontologen, also Forscher, die sich mit der Entwicklung von Leben/Lebewesen aus der geologischen Vorgeschichte unseres Planeten befassen, im Allgäu Fossilien gefunden, die die Vermutung nahelegen zu einem Menschenaffen gehört zu haben, der bereits vor 12 Millionen Jahren nicht mehr auf allen Vieren, sondern – schau an, schau an – auf zwei Beinen unterwegs war.

Erhärtet sich diese Einschätzung könnte es sein, dass unsere ersten vorgeschichtlichen Verwandten mit aufrechtem Gang nicht wie bisher angenommen – zum Beispiel – irgendwo aus Afrika, Sibirien, Asien, Griechenland oder Bulgarien kamen, sondern aus Süddeutschland? Aus dem Allgäu? Eine faszinierende Vorstellung.

Na ja, nichts scheint unmöglich. Immer wieder kommt die Wissenschaft zu neuen Erkenntnissen. Also gilt es abzuwarten, ob die im Allgäu entdeckten Skelettteile tatsächlich den ultimativen Aha-Effekt in der Erforschung der Evolution in Richtung ‚moderner‘ Mensch darstellen.

Wozu gehört nun aber dieser so genannte ‚moderne‘ Mensch, der Homo sapiens sapiens?

Ob’s gefällt oder nicht, die Gattung Mensch gehört zur Familie der Primaten – den Menschenaffen (Hominidae/Hominiden). Ebenfalls zu dieser Familie gehören die Gattungen der Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen. Letztere stehen den Menschen ‚gentechnisch‘ am nächsten.

Grundsätzlich getrennt haben sich die genannten Gattungen – je nach wissenschaftlicher Betrachtung breit gefächert – vor 8 bis 4 Millionen Jahren. Als am wahrscheinlichsten werden heute allerdings die 8 Millionen Jahre angenommen.

Und? Wie ging es weiter?

Dann, nach etlichen weiteren Millionen Jahren, entwickelte sich vor etwa 2,5 Millionen Jahren aus den (bisher) frühesten bekannten Urahnen des Menschen, den Australopithecinen (‚südliche Affenmenschen‘), ganz allmählich ein Rattenschwanz verschiedenster Menschenarten.

Da ist, neben einer ganzen Reihe anderer, die Rede

  • vom ‚Homo naledi‘ aus Südafrika,
  • vom ‚Homo habilis‘ aus Tansania, der bereits in der Lage gewesen sein soll, primitive Werkzeuge aus Stein zu fertigen,
  • vom ‚Homo rudolfensis‘ aus Ostafrika,
  • vom ‚Homo ergaster‘ aus der um vor 1,8 bis 0,7 Millionen Jahren datierten erdgeschichtlichen Epoche des Pleistozäns,
  • vom ‚Homo erectus‘ (‚aufrechter Mensch‘) aus Afrika, Asien und Südeuropa, der aber etwa vor 0,5 Millionen Jahren wieder von der Bildfläche verschwand,
  • vom 600.000 bis 200.000 Jahre alten ‚Homo heidelbergensis‘ gefolgt
  • vom ‚Homo (sapiens) neanderthalensis‘ (Neandertaler), der als letzte Hominidenart (vor dem heutigen Menschen) gesehen wird. Als so genannter (Vor-)Neandertaler ursprünglich wohl vor ungefähr 350- bis 400.000 Jahren in Afrika beheimatet, scheint er sich im Laufe der Jahrtausende bis nach Usbekistan, auf die Iberische Halbinsel bis nach Nordeuropa vorgearbeitet zu haben – etwa vor 130.000 Jahren.

Die Neandertaler waren Jäger und hatten kunstvoll gefertigte Werkzeuge. Sie kannten die Flöte, pflegten so etwas wie Bestattungen und benutzten die Sprache.

Dann, vor circa 30- bis 25.000 Jahren, starben die Neandertaler aus. Das ‚Warum‘ ist bisher noch ungeklärt. Jedoch war das vermutlich der Zeitpunkt, zu dem sich über den ‚archaischen Homo sapiens‘ Schritt für Schritt der

‚Homo sapiens sapiens‘ (‚besonders weiser, kluger Mensch‘)

zum ‚Herrn über den Planeten‘ entwickelt hat. Sozusagen als letzter der Mohikaner, richtiger natürlich – der Hominiden.

PS

Was aber geschah mit all den zuvor existierenden Menschenarten? Wo sind sie geblieben? Verschwunden durch Vermischung mit anderen Arten? Ausgestorben durch territoriale Verdrängung, Konkurrenzkampf mit gewalttätiger Vernichtung, durch klimatische Veränderungen?

Außer der einen oder anderen Theorie, die alle versuchen mit unterschiedlichem Ansatz eine entscheidende Erklärung zu finden, weiß man es nicht. Noch nicht. Also – es gibt noch viel zu tun …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ (Yuval Noah Harari / Penguin Verlag); „DK – Geschichte kompakt & visuell“ (Philip Parker / Dorling Kindersley)

 

 

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