Konnte im Mittelalter eigentlich jedermann König oder Kaiser werden?

Nein, das wäre nicht vorstellbar gewesen. Während nach dem Grundgesetz (Art. 54,1) der Bundesrepublik (theoretisch) jeder, der das Wahlrecht zum Bundestag besitzt und das 40. Lebensjahr vollendet hat, Bundespräsident werden kann, war das für das König- und Kaiserwerden im Mittelalter alles um ein Vielfaches aufwendiger.

 

Um überhaupt als König und/oder Kaiser an die Spitze des Reiches zu kommen, bedurfte es einiger elementarer Voraussetzungen, die mit heutigen Gepflogenheiten so gut wie nichts, oder doch nur marginal, zu tun haben.

Anforderungen

Für den Einstieg in dieses schwierige Geschäft sollten - unter anderem - folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • Eine willensstarke, durchsetzungsfähige, manchmal auch „über Leichen gehende“ Persönlichkeitsstruktur,
  • eine gehörige Portion Charisma, was schon mal ein guter Einstieg war.
  • Hilfreich waren auch eine adelige Herkunft,
  • ein möglichst freundliches Einvernehmen mit den Päpsten,
  • uneingeschränkter Rückenwind der Länderfürsten und, last but not least, war auch
  • ein günstiges pekuniäres Polster in Form erblichen territorialen Besitzes von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Wer, und wenn ja, wie viele?

Aber, wer waren denn nun diese Supermänner? Wer wurde all diesen Anforderungen, oder doch wenigstens eines Teils dessen, gerecht?

Wer hatte es in der etwa neun Jahrhunderte andauernden Zeitspanne des Mittelalters geschafft, ein ganz Großer zu werden?

Nun, die Liste der gekrönten, gesalbten und hin und wieder auch aus dem Amt katapultierten Häupter, umfasst:

  • die Merowinger,
  • diverse Pippins und immerhin
  • sieben- bis achtunddreißig Könige und Kaiser zwischen 768 und 1493.

Spielmacher

An dieser Stelle nun jeden Einzelnen aufzuführen, würde unsere Philosophie, sich möglichst kurz zu fassen, konterkarieren.

Daher seien nachstehend lediglich eine Handvoll, allerdings ganz besonders bedeutende und aus der Vielzahl der Herrschenden herausragende Figuren genannt, wie zum Beispiel:

  • der Karolinger Karl der Große (*um 748/°814),
  • die Ottonen Heinrich I. der Vogler (*um 876/°936) und
  • Otto I. der Große (*912/°973),
  • die Salier Heinrich IV. (*1050/°1106) und Heinrich V. (* etwa 1081/°1125),
  • die Staufer Friedrich I. Barbarossa (*um 1122/°1190) und Friedrich II. von Hohenstaufen (*1194/°1250),
  • der erste Habsburger Rudolf I., Graf von Habsburg (*1218/°1291),
  • der Wittelsbacher Ludwig IV. der Bayer (*1282/°1347) sowie
  • der Luxemburger Karl IV. (*1316/°1378)

Autor: Manfred Zorn

 

 

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