Welchem Zweck dienten die mittelalterlichen Badehäuser?

Über lange Zeit waren die bereits den Römern bekannten Badestuben in Vergessenheit geraten; durch die Heimkehrer der Kreuzzüge erfuhren sie eine Renaissance. Die sich im Mittelalter etablierenden Badehäuser dienten einerseits der – im Grunde lediglich sporadisch wahrgenommenen – Körperpflege, andererseits aber auch zur Behebung möglicher medizinischer Probleme durch den Bader.

Meistens jedoch ging es den Besuchern um  „Wellness“ und geselliges Beisammensein. Bäderkuren, Massagen, Schwitzbäder wurden en vogue. Als keineswegs unangenehm wurde dabei die gleichzeitige Möglichkeit „feucht-fröhlicher“ Ausgelassenheit empfunden. Kurz gesagt: In den mittelalterlichen Badehäusern wurde nicht nur gebadet, geschwitzt, gereinigt und manchmal geheilt – es wurde gegessen, getrunken, gelacht und durchaus deftig geliebt.

Badestuben hatten ihre Hochzeit im Hochmittelalter, dann – gegen Ende des Spätmittelalters – trat zum einen erneut der Klerus auf den Plan, der das Nichtwaschen frischweg zum Ausdruck von Sittlichkeit erklärte; zum anderen setzte u.a. die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa grassierende Pest dem fröhlichen Treiben in den Badestuben ein Ende.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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