Sex im Mittelalter – gab es das?

Und ob! Trotz Stigmatisierung seitens der Kirche, die alles Körperliche – sofern es nicht allein der Fortpflanzung galt – aufs Schärfste als Sünde verdammte und durchaus auch mit empfindlichen Strafen belegte, lebten die Menschen – davon unbeeindruckt – ihre Sexualität aus. Ohnehin war Nacktheit eigentlich nichts Außergewöhnliches.

Zum Beispiel schlief man, in Ermangelung geeigneter Nachtkleidung, zu Hause, in Herbergen und Gasthäusern nackt oder besuchte die im Hoch- und Spätmittelalter stark frequentierten Badestuben. Das waren nicht nur Orte, die der Möglichkeit sporadischer Reinlichkeit dienten, sondern gleichzeitig auch Treffpunkte der Geselligkeit – und das nicht etwa getrennt nach Männlein/Weiblein. Oh, nein! Manchmal waren die als Badehaus deklarierten Etablissements wohl auch sogenannte Frauenhäuser. Heute würde man Bordell dazu sagen.

Alles in allem gestaltete sich das Sexual- und Liebesleben der Menschen im Mittelalter im Grunde genommen nicht wesentlich anders als heute. Und die krampfhafte Durchsetzung kirchlicher Verbote seitens des Klerus ist – vom Relikt (mit Verlaub) des Verhütungsdogmas (Präservativverbot), des Zölibats sowie der Verweigerung des Priesteramtes für Frauen einmal abgesehen – inzwischen auch überwunden. Also, (fast) alles ziemlich so, wie es bereits im Mittelalter war.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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