War das Mittelalter „mobil“?

Oh, ja! Das Mittelalter war durchaus eine Zeit des Reisens. Allerdings weniger des Vergnügens wegen, sondern mehr oder weniger „zweckgebunden“. So waren zum Beispiel die mittelalterlichen Herrscher unablässig unterwegs. Einen festen „Wohnsitz“, einen Ort also, von dem aus sie regierten, gab es (noch) nicht.

Um ihren Untertanen Macht und Autorität zu demonstrieren, Hof- und Gerichtstage abzuhalten oder auch um – zu welchem Zweck auch immer – Feierlichkeiten abzuhalten, reisten sie unermüdlich von Pfalz zu Pfalz, hin und her zwischen Königs-, Herzogs-, Fürsten- und Bischofshof, von Burg zu Burg und/oder von Kloster zu Kloster. Präsenz zeigen, war das Motto. Andere reisten aus religiösen, "beruflichen" Gründen - manchmal auch der Ausbildung wegen.

 

Auch die kleinen Leute waren unterwegs

Christen, Juden und Moslems unternahmen – jede Glaubensrichtung für sich, versteht sich – Pilgerreisen nach Mekka, Medina, Jerusalem oder sonstigen Wallfahrtsorten und Anbetungsstätten großer Heiliger. Boten hatten, auf Anordnung sowohl weltlicher als auch kirchlicher Auftraggeber, für die Nachrichtenübermittlung zu sorgen, Missionare und Mönche waren in Sachen Christentum unterwegs, Handwerksgesellen, Maler und Bildhauer reisten von Meister zu Meister, Händler und Kaufleute organisierten Handelsfahrten und später, als Universitäten – zuerst in Italien, dann im Süden des heutigen Deutschland – entstanden, reisten auch die Studenten, fahrende Scholaren genannt, von Uni zu Uni.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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