Waren Prostituierte im Mittelalter gesellschaftlich anerkannt?

Nein, waren sie nicht! Pharisäisch und heuchlerisch wurde ihre Dienstleistung zwar bereits im Mittelalter mehr oder weniger toleriert (und ausgiebig wahrgenommen!), großartige Rechte besaßen sie dagegen nicht. Im Gegenteil!

So war den Prostituierten die Erlangung der Bürgerrechte verwehrt, zur Unterscheidung von den sogenannten „ehrbaren“ Frauen wurden sie durch das Tragen auffälliger Kleidung stigmatisiert und – vom Leben ohnehin nicht gerade verwöhnt und oft aus wirtschaftlichen Engpässen heraus zu diesem „Beruf“ gekommen – erhielten sie vom Erlös ihrer Tätigkeit in der Regel lediglich einen Bruchteil.

 

Kaum ein Rückweg ins "normale Leben"

Obwohl als I-Tüpfelchen auf Hochzeiten und sonstigen Festivitäten als die Party bereichernde Entertainerinnen durchaus gern gesehen, wurden Prostituierte gesellschaftlich gleichgesetzt mit Gauklern, Henkern, Totengräbern und sogar mit ihren „Chefs“ (den „Frauenwirten“). Auf der Gesellschaftsskala standen Prostituierte demnach auf der untersten Stufe. Sie wurden diskriminiert, überfallen und vergewaltigt.

Eine Rückkehr ins „normale“ Leben war schwierig. Hin und wieder gelang das durch Heirat, manchmal durch den Eintritt in einen kirchlichen Orden. In den meisten Fällen verliefen derartige Vorhaben allerdings wenig erfolgreich.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Geschichte; Heft 2/08 (Sailer Verlag Nürnberg)

 

 

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