Gab es berittene Krieger schon vor den Rittern des Mittelalters?

Ja, in der Tat, die gab es. Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. sind aus Persien berittene Bogenschützen nachgewiesen.

  • Als bedeutendes Reitervolk der Antike gelten auch die "Parther". Das Volk der Parther, ursprünglich ein Teilstamm der Skythen im Süden des Kaspischen Meeres, eroberten etwa ab dem dritten Jahrhundert v. Chr. zuerst das persische Parthien, benannten sich fortan nach dieser iranischen Landschaft und begannen – gestützt auf ihre schlagkräftigen und martialisch ausgerüsteten „Cataphracts“ (-> „Panzerreiter“) – ihr Reich in den folgenden gut fünfhundert Jahren (-> bis etwa ins frühe dritte Jahrhundert n. Chr. hinein) über weite Teile Vorderasiens auszudehnen. Als die Parther – im Laufe des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. zermürbt von Bürgerkriegen, Römern und zentralasiatischen Steppenvölkern – sich schließlich und endlich 224 n. Chr. einer Revolte, angezettelt vom Fürsten Ardaschir I., geschlagen geben mussten, trat
  • die von besagtem Ardaschir begründete Dynastie der Sassaniden auf den Plan, die von etwa 224 bis 651 Bestand hatte und die Tradition der parthischen Reiterei fortsetzte. Parallel zu den Parthern und Sassaniden, entwickelten
  • im 3. Jahrhundert n. Chr. auch die Römer – unter Einbeziehung parthischer, sassaninischer, iberischer und keltischer Techniken und Ausrüstungen – ihre Kavallerie. Panzerreiter wurden zur festen Einrichtung der römischen Streitmacht. Was
  • auch für Ostrom (-> Byzanz) nach der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. galt. Auch hier entstand, nach den oben erwähnten Vorbildern, eine wehrhafte Panzerreiter-/Ritterarmee und
  • schlussendlich gewannen im fränkischen Reich – etwa ab dem 6. Jahrhundert – berittene Krieger zunehmend an Bedeutung. Bekannt geworden sind hier im Besonderen die Panzerreiter Karl Martells, denen es 732 in der Schlacht bei Tours und Poitiers eindrucksvoll gelang, den Vormarsch der muselmanischen Araber (vorübergehend) aufzuhalten. Und – last but not least – folgten auf Karl Martells unerschrockene Kämpfer
  • Mitte des 10. Jahrhunderts die Ritter/Panzerreiter Ottos I., des Großen, die u.a. 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn erfolgreich waren. Abschließend sollen
  • noch die Kreuzritter an dieser Stelle genannt werden, die – nach dem Aufruf Papst Urbans II. 1095 auf der Synode von Clermont (-> Region Auvergne/Frankreich) zum 1. Kreuzzug – in den folgenden zweihundert Jahren (-> wenn das Ende mit dem Jahr 1291, dem Fall der Festung Akkon in Palästina, festgemacht wird) oder gut dreihundertfünfzig Jahren (-> wenn das Jahr 1453, der Fall Konstantinopels, gemeint ist) – mit voller Begeisterung und im „Namen Gottes“ die heiligen Stätten Jerusalems vor den Muslimen (mehr oder weniger erfolglos) zu retten meinten.

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

 

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