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Reformation: Fragen und Antworten

Was ist unter dem Begriff Reformation zu verstehen? Was war der Auslöser? Wann fand sie statt, die Reformation? Wer war der Hauptakteur in der Neuausrichtung der römisch-katholischen Kirche? Warum gilt der 31. Oktober als Reformationstag? Fragen, die wir in diesem Beitrag versuchen wollen zu beantworten.

Hintergrund

Was war der Stein des Anstoßes für die Erneuerung der Kirche?

Grundsätzlich sind die ursächlichen Gründe für das Entstehen der Reformation, so heißt es, bereits im Mittelalter zu suchen.

Demonen-, Geister- und Hexenglaube

Das war die Zeit, in der die Menschen überdurchschnittlich zum Aberglauben neigten, und das Leben von der Furcht vor irdischen Strafen geprägt war. So wurden tatsächliche oder auch nur vermutete Missetäter aus nicht immer nachzuvollziehenden Gründen ausgepeitscht, gezüchtigt, aufgehängt, gevierteilt, verbrannt und/oder gehenkt.

Zwar schien dieses missliche Lebensgefühl im 16. Jahrhundert überwunden zu sein, nichtsdestotrotz blieb aber die Angst vor einem möglicherweise zu erwartenden Fegefeuer allgegenwärtig. Und trotz der im 15./16. Jahrhundert aufkommenden Renaissance, hatte sich unter den mehrheitlich einfachen Leuten an dieser Vorstellung offenbar nur wenig geändert.

Erstes Grollen

Denn immer noch waren die Lebensbedingungen ausgesprochen schwierig.

Kriegerische Auseinandersetzungen im und um das Land herum, schwächelnder Handel, Wetterkapriolen mit einhergehenden Missernten und immer wieder die Pest, trugen ihren nicht unerheblichen Teil dazu bei. Ohnehin also verbittert und schlecht drauf, begannen die Gläubigen zunehmend mit der reichen päpstlichen Kirche zu hadern.

Die setzte ihr Geld nämlich auch schon mal zur Durchsetzung ihres machtpolitischen Anspruchs ein, und war auf allen kirchlichen Ebenen keinerlei weltlichen Freuden und Vergnügungen gegenüber abgeneigt.

Eine beliebte Einnahmequelle zur Aufrechterhaltung des Wohllebens der Kirchenleute war der so genannte Ablass. Das war eine Möglichkeit für die gläubigen Christen, sich mit dem Kauf von Ablassbriefen von allen Sünden zu befreien, um somit den vermuteten grausamen Strafen im Jenseits zu entgehen.

Über den bekanntesten Fachverkäufer der Ablasszettel sowie Luthers Gegenmaßnahmen und Kampfansage lesen Sie hier:

Ein Public Relations-Man

Einer der bekanntesten und verkaufstechnisch umtriebigsten Bußprediger und Ablasshändler war ein gewisser Dominikaner namens

  • Johann Tetzel (um 1460-1519 – Titel: Baccalaureus artium/Bachelor; seinerzeit der niedrigste akademische Grad),

dessen schlagkräftigste Kundenwerbung der Spruch (Zitat):

  • „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“

gewesen sein soll. Und Tetzel schreckte auch nicht davor zurück, entsprechende Give-aways in Form von Handzetteln und – heute würde man sagen – Flyern zu verteilen.

Und das alles geschah durchaus im Sinne der Päpste Julius’ II. (1443-1513) und Leos X. (1475-1521), die mit seinen Einnahmen (und denen anderer) – unter anderem, aber wesentlich – den Bau des Peterdoms in Rom zu finanzieren gedachten.

Schluss mit Lustig

Dieser grundsätzlich üble Tauschhandel – Ablass vs. Vergebung aller Sünden – brachte den bis dahin mehr oder weniger unauffälligen Doktor der Theologie aus dem Augustinerorden, Martin Luther (1483-1546), sozusagen auf die in Wittenberg/Sachsen-Anhalt nicht vorhandene Palme. Er beschloss, dagegen vorzugehen.

Zu Anfang mit Predigten gegen die Praxis des Ablasshandels, dann mit Essays, Artikeln, Protestbriefen und Traktaten sowie schließlich am 31. Oktober 1517 mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen (nicht erwiesen ist, ob Luther diese Zusammenfassung seiner Betrachtungen tatsächlich an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt, geschraubt oder geklebt hat), stellte Luther die althergebrachte Struktur und Verhaltensweise der etablierten Papstkirche aufs Deutlichste in Frage.

Spaltung der Kirche

Das war nicht nur eine offene Kampfansage, sondern gleichzeitig auch der Beginn der Reformation (lat.: reformatio = Umgestaltung, Wiederherstellung). Einer Bewegung, die von Martin Luther ursprünglich lediglich als Erneuerung innerhalb der bestehenden Institution Kirche gedacht war, letztlich aber zur Bildung der evangelischen Kirche führte ...

Einmischung

Was bewegte Martin Luther zum Handeln?

Martin Luthers Neuansatz der bis dahin bekannten und gelebten Glaubenslehre, lag in seiner richtungweisenden Interpretation der Begriffe Gerechtigkeit, Gnade und Buße. So erklärte Luther, dass der Gläubige auf Grund der Gerechtigkeit Gottes dessen Gnade erfährt und durch seinen Glauben an Gott selig wird.

Während Buße landläufig mit Schuld, Sünde und Strafe gleichgesetzt wurde, bedeutete der Begriff für Luther eine trübsinnige Seelenlage, aus der heraus sich der Mensch aus eigenem Willen Gott zuwendet und sich damit seelisch befreit.

Nachdem Luther diese neue Definition von Gnade und Buße für sich gefunden hatte und in seinen Vorlesungen verbreitete, begann er, auch den Heiligenkult sowie den von der Kirche tolerierten und praktizierten Ablasshandel zu bemängeln und anzuklagen.

Was genau ist unter Luthers Reformation zu verstehen?

Mit dem Begriff Reformation (Umgestaltung) wird seine 1517 ausgelöste religiöse Bewegung bezeichnet. Als Grund für eine Erneuerung kirchlicher Führung und Verhaltensweise, gelten unter anderem der Unmut der Bevölkerung über eine zunehmende Weltlichkeit, Prunksucht und Selbstherrlichkeit des Kirchenstaates und seiner Vertreter.

Ursprünglich von Luther lediglich als innere Veränderung der Kirche gedacht, führten seine Lehren aber letztendlich zu einer Spaltung der Kirche. Neben der verbliebenen katholischen Kirche, bildeten sich nun neue Glaubensgemeinschaften. Als wichtigste und nachhaltigste dieser Konfessionen entstand der Protestantismus – die evangelische Kirche.

Realitätsverweigerung

Warum gilt Papst Leo X. gewissermaßen als Wegbereiter der Reformation?

Weil er den bereits von Papst Julius II. (1443-1513) initiierten Neubau des Petersdomes sowie sein verschwenderisches Wohlleben unter anderem mit exzessivem Freikauf aller Sünden (Ablasshandel/Ablassbriefe) finanzierte. Die an diesem Verhalten aufkommende Kritik wurde von ihm schlichtweg ignoriert.

Auch den Anschlag der 95 Thesen umfassenden Streitschrift Martin Luthers im Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg und den darin enthaltenen Unmut am Lotterkirchenstaat Vatikan hatte er nicht sonderlich ernst genommen.

Rückblickend scheint das für den Medici-Papst Leo X. (1475-1521) und seine katholische Kirche ausgesprochen dumm gelaufen zu sein. Denn trotz der Exkommunikation Luthers im Januar 1521 waren dessen Reformbestrebungen, und damit die Spaltung der Kirche in eine Reihe verschiedenster christlicher Konfessionen, nicht mehr aufzuhalten.

Die nun beginnende und etwa über einen Zeitraum von einhundertdreißig Jahren andauernde kirchliche Erneuerungsbewegung (Reformation) nahm – auch begünstigt durch das Nichtbegreifen wollen Papst Leos X. – unaufhaltsam an Fahrt auf ...

Korrektur

Was waren die unmittelbaren Veränderungen durch die Reformation?

Während Martin Luther sich weder durch die päpstliche (Leos X.), noch durch die weltliche Ächtung durch Kaiser Karl V. (1500-1558) in seiner Auslegung der christlichen Lehre beirren ließ und auf der Wartburg das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche übersetzte, begannen auch andere Persönlichkeiten, Veränderungen an der Lehre und am Gottesdienst vorzunehmen.

So wurde – zum Beispiel – die Weihnachtsmesse 1521 durch den Wittenberger Priester Bodenstein von Karlstadt zum ersten Mal ohne geistliche Gewänder und in deutscher Sprache abgehalten. Nach und nach wurden Fastentage, die Beichte und das Zölibat aufgehoben. Priestern wurde das Heiraten erlaubt.

Erinnerungstag

Warum heißt der 31. Oktober Reformationstag?

Weil, wie weiter oben bereits erwähnt, der 31. Oktober 1517 der Tag war, an dem Martin Luther (vermutlich!?) seine fünfundneunzig Thesen gegen den Ablass und die Ablasshändler an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen hat. Noch heute wird dieser Tag von der Evangelischen Kirche und ihren Gläubigen als Reformationstag gefeiert.

Autor:

Quellen:

  • "Die Reformation" (DVA/Spiegel Buchverlag)
  • "Ketzer, Bauern, Jesuiten" (rororo Sachbuch/Das farbige LIFE Bildsachbuch)
  • "Deutsche Geschichte 1378-1618 – Reform und Reformation" (Bertelsmann Lexikon-Verlag)
  • "Die fünf Weltreligionen" (Helmuth Glasenapp/ Eugen Diederichs Verlag)
Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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