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Jeanne d'Arc (Jungfrau von Orléans): Fragen und Antworten

Wer war Jeanne d'Arc? Welche Bestimmung hatte sie? Was hatte sie mit dem Hundertjährigen Krieg zu tun? Worin lag ihr Einfluss auf den seinerzeitigen König von Frankreich, Karl VII.? Wie und von wem wurde Jeanne d'Arc gefangen genommen? Warum wurde ein Prozess gegen sie angestrengt? Wie verstarb Jeanne d'Arc? Welche Bedeutung hat sie heute für Frankreich? Diese und weitere Fragen möchten wir in diesem Beitrag beantworten.

Literatur, Musik, Film

Wer hat Jeanne d'Arc, neben anderen, einen Platz in der Geschichte gesichert?

Spricht man über den Hundertjährigen Krieg (1337-1453), kommt man an Jeanne d’Arc nicht vorbei.

Vielleich fallen einem dazu – unter anderem –

  • Friedrich Schillers (1759-1805) romantische Tragödie „Die Jungfrau von Orléans“,
  • George Bernhard Shaws (1856-1950) dramatische Chronik „Die heilige Johanna“,
  • Bertolt Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ oder
  • Giuseppe Verdis (1813-1901) Oper „Giovanna d’Arco“ ein,

die der Frau, die im besagten Krieg sozusagen ihren Mann gestanden hat, mit ihren Werken ein literarisches bzw. musikalisches Denkmal gesetzt haben.

Darüber hinaus wurde das Schicksal der heiligen Johanna in unzähligen Stumm-, Schwarz-Weiß und Farbfilmen behandelt, von denen die Filme mit

  • Ingrid Bergmann (1915-1982) von 1948,
  • Michéle Morgan (1920-2016) von 1954,
  • Jean Seberg (1938-1979) von 1957 oder der
  • 1999 in die Kinos gekommene Film mit Milla Jovovich, Faye Dunaway, John Malkovich, Dustin Hoffman und anderen,

die sind, die unter Umständen einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben?

Hundertjähriger Krieg

Worum ging es in diesem Krieg?

Engländer und Franzosen stritten um die Thronfolge. Ausgangspunkt war die Besetzung des englischen Lehens Aquitanien im Südwesten Frankreichs durch den Franzosen Philipp VI. von Valois (1293-1350), eines Neffen Philipps des Schönen (1268-1314).

Der englische König Eduard III. (1312-1377), der sich als Enkel Philipps des Schönen in der besseren Position sah, zog nach, und machte selbst seine Ansprüche auf den französischen Königsstuhl geltend.

Armagnacs vs. Bourguignons

Was folgte, waren gegenseitige Schmähungen, Ehrverletzungen und Kränkungen übelster Art, die schließlich in der Ausweitung bisher lokal begrenzter, zu eben dieser hundertjährigen kriegerischen Auseinandersetzung führten – mit wechselnden Erfolgen und ab und an unterbrochen von dem einen oder anderen Waffenstillstand.

Für Philipp VI. erschwerend hinzu, kam obendrauf noch der innerfranzösische Konflikt zwischen den Anhängern der Krone, also dem

  • Haus Orléans, den Armagnacs, die üblicherweise den französischen König stellten und
  • der Partei der Burgunder (Bourguignons), deren Herzog dem König ebenfalls die Vorherrschaft streitig machen wollte.

Diese Fehde wurde, sozusagen parallellaufend, zwischen 1410 bis 1419 ausgetragen. Die französisch-englischen Kontroversen, von den Historikern erst im Nachhinein Hundertjähriger Krieg genannt, endeten im Juli 1453 mit dem entscheidenden Sieg der Franzosen in der Schlacht bei Castillon in der Region Nouvelle-Aquitaine.

Der französische König hieß inzwischen Karl VII. (1403-1461) und der englische Henry VI. (1421-1471).

Jeanne d'Arc bzw. Jungfrau von Orléans

Zielstrebigkeit

Wie erreichte Jeanne d'Arc die Akzeptanz Karls VII.?

Und tatsächlich gelang es Jeanne, nach einer Reihe vergeblicher Versuche, zum Kommandeur der Festung vorgelassen zu werden.

Charakterstark, gradlinig, fest im Glauben und unbeirrbar durchdrungen von der ihr zugewiesenen Aufgabe, schaffte sie es, den Befehlshaber von ihrer Mission – Frankreich von den Engländern zu befreien – zu überzeugen. Beeindruckt von ihrer Beharrlichkeit, stellte er der Sechzehnjährigen militärisches Geleit zur Seite, das sie zum designierten Thronfolger begleiten sollte.

Nach etwas mehr als einer Woche, stand sie endlich in der Stadt Chinon Karl VII. gegenüber. Nach gründlicher Befragung und Gewissensprüfung der jungen Frau durch Karl und dessen Entourage, wurde

  • Jeanne bei Hofe aufgenommen,
  • mit Männerkleidung und Waffen ausgestattet und mit Siebzehn integriert in Karls VII. Heer,
  • gen Orléans in Bewegung gesetzt.

Es heißt, Jeanne soll in Rüstung, mit Schwert, auf einem weißen Pferd, dem von den Menschen der Stadt lange erwarteten Proviantzug sowie unter dem Jubel der Bevölkerung in die Stadt eingeritten sein.

Gelang es Jeanne d'Arc den Belagerungsring der Gegner zu durchbrechen?

Ja, ganz eindeutig.

In den darauffolgenden Tagen behaupteten sich Jeanne und die ihr zugeteilten Kämpfer überzeugend gegen die englischen Besatzer. Mehr noch, obwohl im Schlachtgetümmel von einem Pfeil getroffen, aber dennoch in ihrem Kampfgeist ungebrochen und den ihr zugeteilten Kämpfern voranreitend, gelang es Jeanne und ihrer Mannschaft, den Kopf oben zu behalten und die Okkupanten innerhalb weniger Wochen aus dem Gebiet südlich der Loire zu vertreiben.

Dieser Vorgang galt/gilt als Markstein im weiteren Verlauf des Hundertjährigen Krieges.    

Kontroverse, Rückschlag und Tod

Rehabilitation

Als was gilt Jeanne d'Arc den Franzosen heute?

Im Juli 1456 – Karl VII. hatte drei Jahre zuvor mit der für ihn siegreichen Schlacht bei Castillon im Juli 1453 quasi den Hundertjährigen Krieg beendet – kam es zu einer Wiederaufnahme des Prozesses, in dem Jeanne d’Arc (Johanna von Orléans) von allen ihr 1430/31 vorgeworfenen Anschuldigungen freigesprochen wurde.

Schon bald galt Jeanne d'Arc als Symbolfigur für die Befreiung Frankreichs, wurde 1909 von Papst Pius X. (1835-1914) selig-, 1920 von Papst Benedikt XV. (1854-1922) heiliggesprochen – und gilt den Franzosen, spätestens seit dem 19. Jh., als Nationalheilige.

Quellen:

  • "50 Klassiker: Heilige" (Peter Köhler/Gerstenberg Verlag, Hildesheim)
  • "Der Prozess Jeanne d'Arc 1431/1456" (Ruth Schirmer-Imhoff, Hg./dtv Dokumente)
  • "Glourios Book for Heroes" (Ian & Jeff Kennedy/cbj/Random House)
  • "Jeanne d'Arc: Die Geschichte der Jungfrau von Orléans" (Gerd Krumeich/C.H. Beck, Wissen)
  • "Reclams Schauspielführer" (Reclam-Verlag Stuttgart 1953)
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