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Talleyrand: Wer war das?

Der französische Staatsmann Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838) war einer der einflussreichsten Männer Frankreichs: Während der französischen Revolution, in der Zeit unter Napoleon, auf dem Wiener Kongress (1814/1815) und – von 1830 bis 1834 – als Botschafter in Großbritannien.

Opportunismus

Warum wurde Talleyrand als Wendehals bezeichnet?

Talleyrands politische Laufbahn liest sich wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle, hin und her geworfen im Chaos der Zeit. Aber das täuscht. Sie ist getragen von Kalkül und Windschnittigkeit – und natürlich auch von einer großen Portion an Gerissenheit und Intelligenz. Alles in allem diente Talleyrand fünf verschiedenen Herrschafts- bzw. Regierungsformen.

Die französische Revolution beispielsweise, bietet einige schöne Beispiele dafür, wie man als Politiker stürmische Zeiten überstehen kann, indem man ständig seine Meinung ändert und immer das gut findet, was gerade "en vogue" ist. Einer der klassischen Vertreter dieser Karriere-Taktik war Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord.

Veränderung

Wie wurde Talleyrand vom Priester zum Politiker?

Die Geschichte beginnt in der katholischen Kirche. Talleyrand stammte aus verarmtem Landadel und sollte, da ein Klumpfuß eine militärische Laufbahn verhinderte, als Gottesmann Karriere machen. Tat er auch: 1779 wurde er zum Priester geweiht, 1788 zum Bischof.

Ein Jahr später kam die französische Revolution – keine gute Zeit für Kirchenmänner in Frankreich. Also wechselte Talleyrand die Seiten und trat offiziell vom Klerus in den "dritten Stand", die gehobene Bürgerschicht über.

Wer gab den Anstoß zur Enteignung der Kirche

Er übernahm eine Hauptrolle in der Nationalversammlung in den ersten Revolutionsjahren und war derjenige, der die Enteignung der Kirche vorschlug, um Frankreich vor dem Bankrott zu retten.

Was man ihm zugute halten muss: Er nahm dafür eine Exkommunizierung durch Papst Pius VI. (1717-1799) in Kauf. Allerdings bezog er trotzdem noch jahrelang Einkünfte aus seiner ehemaligen Abtei, was niemand so richtig bemerkte.

Verstaatlichung

Was waren die Konsequenzen des kirchlichen Vermögenseinzugs?

Im November 1989 wurde Talleyrands Vorschlag zur Kirchenenteignung von der Nationalversammlung mehrheitlich beschlossen (mit 568 zu 346 Stimmen). Im Anschluss wurden alle kirchlichen Güter eingezogen und dem Staat zugeordnet.

Allein die Idee war eine Revolution. Dass sie dann auch durchgezogen wurde, ist sicher einer der einschneidendsten Ereignisse der Weltgeschichte. Danach war nichts mehr, wie es davor war. Für die katholische Kirche war es ein ungeheurer Affront, für die Protagonisten der französischen Revolution war es die Befreiung von jahrhundertealter, überkommener Feudalstruktur.

Enteignung mit Tücken

Auch die Hintergründe dieser Idee sind pikant. Talleyrand war, wie weiter oben bereits erwähnt, von Haus aus katholischer Bischof. Er gehörte aber zu jenen Kirchenleuten, die sich schon in den Anfangstagen der Revolution vom Klerus lossagten und dem dritten Stand beitraten – was Papst Pius VI. mit Exkommunikation und Kirchenbann "bestrafte".

Noch brisanter: Kurz vor dieser Entscheidung, im August 1789, hatte die Nationalversammlung feierlich das Recht auf Eigentum erklärt (dass also jeder Mensch, und nicht nur der Adel etwas besitzen darf). Und jetzt also eine Enteignung der Kirche? Schwierig. Aber Talleyrand löste das Problem. Die Kirche hätte ja all diese Besitztümer (Ländereien, Klöster etc.) nur, um ihren fürsorglichen Pflichten nachzukommen. Das würde jetzt aber der Staat übernehmen. Es läge also gar keine Enteignung vor.

Übrigens stand Frankreich im Jahre 1789 tatsächlich kurz vor dem Bankrott. Schuld war eine jahrelange desaströse Finanzpolitik des Königshauses unter Ludwig XVI. (Pomp auf Pump), zugespitzt noch durch garstige Winter und verheerende Missernten.

Umstieg

Warum wechselte Talleyrand vom Revolutionär zum Napoleon-Jünger?

Weil das Revolutionsklima ungemütlicher wurde. Die Schreckensherrschaft unter Robespierre nahte. Aber Talleyrand war rechtzeitig weg. Er flüchtete erst nach England, dann in die USA, während in Paris die Köpfe seiner ehemaligen Mitstreiter rollten.

Erst 1796 kehrte er nach Frankreich zurück. Robespierre war Geschichte, das sogenannte Direktorium regierte. Talleyrand wurde Außenminister.

Drei Jahre später trat er zurück. Napoleon (1769-1821) stand kurz vor der Machtübernahme. Nicht schlau also, dann noch in der Regierung zu sitzen. Und so kam es. Napoleon war kurze Zeit später Frankreichs neuer Herrscher. Talleyrand hatte zuvor schon persönliche Bindungen geknüpft und wurde erneut Außenminister. Und in den Jahren darauf einer der engsten Vertrauten von Bonaparte. Talleyrand war es auch, der Napoleons Ernennung zum Kaiser international durch setzte.

Metamorphose

Wieso erinnert Talleyrand an ein Chamäleon?

Weil er es bis zuletzt klug verstand, sein Mäntelchen nach dem Wind zu drehen.

Zwar war Talleyrand unter Napoleon auch durchaus mutig – zum Beispiel riet er dem Kaiser intensiv vom Krieg gegen Österreich und Preußen ab – konnte sich aber nicht durchsetzen. Er trat als Außenminister zurück, bekam dafür aber ein anderes hohes Regierungsamt: Vice-Grand Electeur.

Dann kam 1815 der endgültige Sturz Napoleons. Aber als sich der Nebel lichtete, war Talleyrand immer noch da. Nunmehr Außenminister unter König Ludwig XVIII. (1755-1824), dem er zuvor auf den Thron geholfen hatte.

Später, während der Juli-Revolution 1830, unterstütze Talleyrand dann auch noch Frankreichs letzten König, Louis-Philippe I. (1773-1850), und wurde unter ihm französischer Botschafter in Großbritannien.

Aber auch solch ein Leben geht mal zu Ende: Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord starb 1838 friedlich in Paris.

Zeit der Opportunisten

Talleyrand war natürlich nicht der Einzige, der sich auf diese Weise erfolgreich durch wechselvolle Zeiten mogelte. Ein Lieblingsfeind von ihm machte es fast auf die gleiche Weise: Joseph Fouché (1759-1820), erst Kirchenmann, dann Polizeiminister während der Revolution, unter Napoleon und unter Ludwig XVIII. Die dazugehörige Karriere-Taktik gibt es übrigens auch heute noch. Sowohl in der Politik als auch in vielen großen Firmen.

Autoren:

Quellen:

  • "Talleyrand: Virtuose der Macht 1754-1838" (Johannes Willms/Verlag C.H. Beck, Becksche Reihe)
  • "Joseph Fouché" (Stefan Zweig/S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M.)
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