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Theseus, König von Athen: Fragen und Antworten

Wer war Theseus, woher kam er und wohin ging er? Was haben Theseus, ein Labyrinth und Ariadne miteinander zu tun? Warum hat Theseus Ariadne auf der Insel Naxos sitzenlassen? Wie reorganisierte Theseus die Stadt Athen? Mehr dazu lesen Sie im nachstehenden Beitrag.

Herkunft

Wo soll Theseus aufgewachsen sein?

Theseus, in der griechischen Mythologie ein bedeutender Held und späterer König von Athen, ist, so heißt es übereinstimmend, in Troizenien groß geworden. Einer Landschaft, geprägt von Sonne, Meer, vulkanischen Felsen und Mythologie, auf der griechischen Halbinsel Peleponnes.

Noch heute sind in der antiken Stadt Troizen (heute: Trizina-Methana) – unter anderem – Reste des von Hippolytos erbauten Artemis-Tempels, des so genannten Hippolytos-Asklepios-Heiligtums sowie der Theseus-Stein zu besichtigen.

Exkurs

Hippolytos war der Sohn des Theseus aus dessen Liaison mit der Amazonenkönigin Hippolyte (auch: Antiópe); Phaidra, Theseus' zweite Ehefrau, somit Hippolytos' Stiefmutter. In der Tat: Komplexe Familienverhältnisse. Und, es geht so weiter ...  

Wer waren Theseus' Eltern?

In der griechischen Mythologie war Theseus der (Stief-)sohn des Athener Königs Ägeus (Aigeus). Der leibliche Vater soll oder könnte allerdings auch Poseidon gewesen sein. Wieso das?

Nun ja, Ägeus soll wegen der Kinderlosigkeit seiner Ehe das Orakel von Delphi aufgesucht und auf der Weiterreise dann bei König Pittheus in der antiken Stadt Troizen Station gemacht haben.

Voll des guten Weines, so wird es erzählt, soll er dann mit Pittheus´ Tochter Aithra geschlafen haben. Kann sein, kann auch nicht sein. Möglich ist nämlich auch, dass nicht Ägeus, sondern der Meeresgott Poseidon Spaß mit Aithra hatte, und der gute Ägeus davon nichts bemerkt hat, weil er ja nicht mehr nüchtern genug war. Oder Aithra hat einfach nur behauptet, Poseidon sei der Vater.

Ägeus macht den Abgang

Für den Fall, dass Ägeus doch der Erzeuger gewesen sein sollte, ließ er Aithra wissen, dass er ein möglicherweise zu erwartendes Kind als das seine anerkennen würde und es später zu ihm nach Athen kommen könne, wenn es in der Lage sei, ein von ihm, Ägeus, unter einem schweren Stein – dem Theseus-Stein – verstecktes Schwert sowie ein Paar Schuhe hervorzuholen. Sprach´s, und kehrte zurück nach Athen.

Aithra gebar tatsächlich einen Sohn, nannte ihn Theseus, zog ihn – im Glauben daran, dass der athenische König Ägeus tatsächlich sein Vater sei – auf, und ließ ihn nach Bewältigung der ihm von Ägeus gestellten Aufgabe nach Athen ziehen.

Von wem hat Theseus seinen Namen?

Es ist nicht sicher, ob Theseus seinen Namen unmittelbar nach seiner Geburt erhielt. Möglich ist auch, dass er erst nach der Anerkennung als Sohn von Ägeus mit dem Namen Theseus (altgriech.: "Adoption", auch: "Gott") bedacht wurde. Vielleicht ist der Name also auch auf Poseidon, und somit auf eine "göttliche" Abstammung zurückzuführen. Nun, denn …

Wanderschaft

Was erlebte Theseus auf dem Weg nach Athen?

Wie gesagt: Theseus hatte das Schwert und die Sandalen seines vermutlichen Vaters gefunden, und Aithra hatte ihm ihren Segen gegeben. Also machte er sich auf den Weg nach Athen. Doch Theseus hatte es nicht eilig. Im Gegenteil!

Mit Mut, Mumm und Schneid nutzte Theseus die Zeit, um die eine und andere Heldentat zu vollbringen. So erledigte er zum Beispiel:

  • den Schurken Periphetes, Sohn des Hephaistos, des Gottes der Schmiedekunst, der Theseus erschlagen wollte,
  • den Riesen Sinis, der Freude daran hatte, ihm nicht genehme Menschen zwischen zwei nieder gebogene Pinienbäume zu binden, um dann, hups, die Bäume schnell wieder loszulassen,
  • eine gefährliche Wildsau,
  • einen Straßenräuber und schließlich
  • einen gewissen Prokrustes, der die unschöne Angewohnheit hatte, Gäste zwar zu Übernachtungszwecken einzuladen, diese dann aber für die Größe seines Bettes auf schmerzhafte Weise zurechtzustutzen. Ach übrigens: Der Begriff Prokrustesbett steht noch heute ab und an für etwas, das mit aller Kraft passend gemacht werden soll.

Ankunft in Athen

Diese erfolgreich verlaufenen Abenteuer hatten das Ansehen des wackeren Theseus herausgehoben. Sein heldenhafter Ruf eilte ihm voraus.

Als allseits geschätzter Held endlich angekommen in Athen, wurde Theseus – nach anfänglichen Missverständnissen – von Ägeus, der für eine Weile nicht ahnte, wen er da vor sich hatte, schließlich an den Schuhen und dem Schwert erkannt.

Bevor nun aber Theseus selber König von Athen werden konnte, galt es, noch eine weitere Handvoll schwierigster Aufgaben zu bewältigen – zum Beispiel die Angelegenheit mit dem Ungeheuer Minotaurus …

Theseus und Minos

Warum musste Athen Tribut an Kreta zahlen?

Der Sage nach hatte Minos vor Jahren die Athener besiegt, bei diesem Unternehmen allerdings seinen Sohn Androgeos verloren. An anderer Stelle heißt es dagegen, der Junge sei bei einem Stierkampf in Athen ums Leben gekommen. Egal – für den Tod des Sohnes machte König Minos schlicht und einfach die Athener verantwortlich.

Opferdienste, ein Stier und ein Ärgernis

Athen wurde also dazu verdonnert, fortan alle neun Jahre Opfergaben in Gestalt von je sieben jungen Männern und Frauen nach Kreta zu schicken. Dort wurden diese dem Minotaurus zum Stillen des Hungers vorgeworfen.

Minotaurus war zwar ebenfalls ein Sohn des Minos, allerdings kein leiblicher. Minos´ Gattin Pasiphae hatte sich – unerhört, unerhört – mit einem Stier eingelassen und eine Missgeburt zur Welt gebracht. Minotaurus, oh Schreck, war halb Mensch, halb Stier.

Der Architekt und das Labyrinth

König Minos, not amused, befand, der hässliche Typ gehöre weggesperrt.

Unverzüglich ließ er also für das Scheusal eine adäquate Heimstätte errichten. Der Konstrukteur Daidalos entwarf und baute daraufhin ein Labyrinth, aus dem Minotaurus nie wieder hinausfinden sollte. Was auch nicht geschah. Denn die Athener fanden schließlich in Theseus jemanden, der sich bereit fand, der Tragödie um die jugendlichen Opfer ein Ende zu bereiten.

Theseus und Minotaurus

Wie erledigte Theseus das Ungeheuer Minotaurus?

Theseus ging nach Kreta, verliebte sich in die Königstochter Ariadne und machte sich auf, um das Monster Minotaurus zur Strecke zu bringen.

Wie genau Theseus das geschafft hat, lesen Sie hier.

Kann die Geschichte von Theseus, dem Minotaurus und dem Labyrinth einen konkreten Hintergrund haben?

So recht weiß man das nicht. Und doch:

  • Zwar hat es ein Labyrinth, einen Irrgarten im Sinne der Bedeutung des Wortes, mutmaßlich in Knossos wohl nie gegeben, anscheinend aber gab es einen bereits von Homer in der Ilias erwähnten Mosaikfußboden mit labyrinthartigen Mustern, der den Tänzern möglicherweise als roter Faden für den Rebhuhn-Frühlingstanz gedient haben könnte.
  • Nicht auszuschließen ist andererseits, dass das vorgriechische Wort "labrys" (Doppelaxt) mit dem daraus abgeleiteten Begriff Labyrinth sowie dem Palast der Doppelaxt in Knossos, der so genannten "Labrys", ein Labyrinth vermuten lässt.
  • Vielleicht ist den Zeitgenossen aber auch nur – sofern sie denn Gelegenheit hatten Knossos kennenzulernen – der Palastkomplex mit seinen verwirrend verschachtelten Bauten und zahlreichen Räumlichkeiten schlicht und einfach wie ein Labyrinth vorgekommen.
  • Und, trennt man den Namen Minotaurus in Mino und Taurus, könnte sich "Mino" auf König Minos beziehen und die zweite Hälfte auf "Tauros", das griechische Wort für Stier. Das, was die Ausgrabungen in Knossos archäologisch sicher belegt zeigen, ist, dass die Kreter den Stier verehrt haben müssen. 

Ok. Wie so oft, wenn es um Legenden geht, bleiben die meisten Fragen offen. Zum Beispiel, ob die vor etlichen Jahren in der Gegend um Troizen von Archäologen entdeckten Knochen tatsächlich aus der Zeit zu der Theseus gelebt haben soll, nämlich aus dem 16/15. Jahrhundert v. Chr., stammen? Oder gar ihm selbst zuzurechnen sind? Na, das abschließend und endgültig zu klären, bleibt – frei nach Theodor Fontane – weiterhin ein weites Feld ...

Nachwirkung

Warum heißt das Ägäische Meer eigentlich Ägäisches Meer?

Nachdem Theseus das Ungeheuer Minotaurus mit Unterstützung Ariadnes und ihres Ariadnefadens erfolgreich aus dem Weg geschafft hatte, begaben sich beide aufs Schiff, um zurück nach Athen zu segeln. Athen war ja inzwischen die Heimat des Theseus.

Unterwegs legten sie einen Zwischenstopp auf der Insel Naxos ein. Ein Umstand, der sich für Ariadne als ausgesprochen ungünstig erweisen sollte. 

Ariadne auf Naxos

Ariadne wurde nämlich bei der Weiterfahrt von Theseus schlicht vergessen. Warum genau, ist aus den Quellen nicht eindeutig zu erfahren. Entweder soll Ariadne die Abfahrt verschlafen und Theseus angenommen haben, sie sei bereits an Bord, oder der junge Mann sie sogar mit voller Absicht schnöde verlassen haben. Das würde passen. Denn Theseus scheint generell etwas von der Rolle gewesen zu sein.

Das schwarze Segel und das Ägäische Meer

Wie sonst hätte er sein Versprechen, das er seinem Vater Äigeus bei seiner Abreise nach Kreta gegeben hatte, vergessen können. Entgegen der Absprache, bei seiner Rückkehr ein weißes Segel zum Zeichen seiner Unversehrtheit zu setzen, verschusselte Theseus auch das.

Stattdessen lief sein Schiff mit dem schwarzen Segel im Heimathafen ein. Der Vater, auf der Kaimauer oder wo auch immer sitzend, schlug die Hände vors Gesicht, glaubte, Theseus hätte es nicht geschafft, stürzte sich, schmerzbewegt und gramerfüllt, ins Meereswasser und ertrank.

Seitdem heißt dieser Teil des Mittelmeeres: Ägäisches Meer!

Apropos

Das Schicksal Ariadnes bleibt weitestgehend ungeklärt. Allgemein angenommen wird, dass sie fürs Erste

  • auf der Insel Naxos Fuß fasste,
  • dem treulosen Theseus trotz dessen schofeligen Verhaltens in tiefer Liebe verbunden blieb und den Verlust für längere Zeit betrauerte,
  • dann aber irgendwann Dionysos, dem Gott des Weins, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, ihr Ja-Wort gab und ihm eine Schar Kinder schenkte.

Zahlreiche Maler, Bildhauer und Komponisten haben Ariadne ein Denkmal gesetzt:

Unter anderem Richard Strauss (1864-1949) mit der im Oktober 1916 in Wien uraufgeführten Oper „Ariadne auf Naxos“ …

Entwicklungsverlauf

Was wurde aus Theseus nach dem Tod des Vaters?

Nun, er wurde dessen Nachfolger. Als König von Athen erwies er sich für seine Untertanen als Glücksfall.

Theseus vereinigte alle Gemeinden Attikas, gründete den Stadtstaat Athen, sorgte für Gleichheit und Gerechtigkeit, schuf eine hierarchische Gesellschaftsstruktur – Adel, Bauern, Handwerker – und stufte sich im Rat der Verantwortungsträger mehr oder weniger als "Primus inter pares" (Erster unter Gleichen) ein.

Prosperität

Athene, Tochter des Göttervaters Zeus sowie Göttin der Weisheit und des Krieges, avancierte zur Namensgeberin Athens und, damit einhergehend, zur Schutzgöttin der Stadt. Mit ihrer Unterstützung führte Theseus die Geschicke seines Landes mit glücklicher Hand. Die Wirtschaft florierte, landauf landab wuchs der Wohlstand, das Volk amüsierte sich bei den zu Ehren des Meeresgottes Poseidon eingeführten Kampfspielen auf dem Isthmos von Korinth – kurz und gut: Das Gemeinwesen boomte.

Disharmonie, Zwistigkeiten und Querelen

Aber, wie das manchmal so ist mit dem "Esel und dem Eis, auf das er geht, wenn es ihm zu gut geht".

Theseus heiratete die Amazone Hippolyte, hatte einen Sohn mit ihr (siehe weiter oben), musste sich aber in kriegerische Auseinandersetzungen verwickeln lassen, weil die Amazonen ihre Königin für sich beanspruchten. Bedauerlicherweise ließ Hippolyte in der Schlacht ihr Leben. Theseus behielt die Oberhand. Damit aber nicht genug, bald darauf kam es erneut zu einem Waffengang.

Diesmal gings anlässlich einer Hochzeitsfeier gegen den thessalischen Stamm der Lapithen und deren Mischpoke, die Zentauren. Selbstverständlich verlief auch dieser Schlagabtausch zu Gunsten des wackeren Theseus.

Amouren, Eskapaden und Husarenritte

Im Anschluss an diese erfolgreich beendete Konfrontation folgten eine Reihe weiterer, mit großem Engagement und Unternehmungslust betriebener Abenteuer. In diesen Episoden spielen Protagonisten wie zum Beispiel Peirithoos, Helena, Persephone, Kastor, Pollux, Pluto, Herakles, Phaedra, Hippolytos und die Göttin Artemis eine nicht unerhebliche Rolle. Aber dann war plötzlich Schluss mit Lustig.

Das tragische Ende

Theseus verstarb. Er soll von seinem Freund Lykomedes – aus niederen Beweggründen wie Eifersucht, Konkurrenzneid und Missgunst – von einem Felsvorsprung gestoßen worden sein. Möglich ist aber auch, dass Theseus einfach nur gestolpert ist. Man weiß es nicht …

Autor:

Quellen:

  • "Die Griechen" (H.D.F. Kitto/Prestel Verlag, München)
  • "Die Griechischen Inseln" (Ernle Bradford/Prestel Verlag, München)
  • "50 Klassiker - Mythen" (Gerold Dommermuth-Gudrich/Gerstenberg Verlag, Hildesheim)
  • "Bildung" (Dietrich Schwanitz/Goldmann Verlag, München)
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