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Karl der Große: Fragen und Antworten

Wer war Karl der Große, wann hat er gelebt, warum ist er so bedeutend? Was war Karl der Große für eine Persönlichkeit? Warum lag er mit seinem Bruder im Clinch? Wie wurde Karl der Große Alleinherrscher des fränkischen Reiches? Wie oft war Karl verheiratet? Wer waren seine Kinder? Was sind die Verdienste Karls des Großen? Was hat es mit einem "weißen" Elefanten auf sich? Diese und weitere Fragen möchten wir versuchen, in diesem Beitrag zu beantworten.

Voraus geschickt

Warum wird Karl der Große der Große genannt?

Weil Karl (I.) neben seinen herausragenden Eigenschaften als Heerführer und der beachtlichen geografischen Erweiterung des fränkischen Reiches, gleichzeitig auch als brillanter Reformer des Militärs, des Rechts, der Verwaltung und – vor allem – der Bildung gilt. Den Beinamen "der Große" erhielt Karl bereits zu seinen Lebzeiten.

Herkunft

Aus welcher Dynastie stammt Karl der Große?

Aus dem Geschlecht der Karolinger.

Ein Begriff, den es so zu Lebzeiten Karls des Großen (747/48-814) allerdings noch nicht gab. Dieser Begriff wurde erst später, etwa gegen Ende des 10. Jahrhunderts, geprägt. Die Familie der Pippiniden und deren Nachkommen nannten sich Arnulfinger. Nach ihrem Altvorderen Bischof Arnulf von Metz (582-640).   

Wann und wo wurde Karl der Große geboren? 

Weder das Rätsel um das Hochzeitsdatum seiner

  • Eltern (741?, 742?, 748?),
  • seines Geburtsorts (Aachen?, Prüm in der Eifel?, um Paris herum?) oder auch des
  • Geburtsjahrs Karls I., des Großen (742?, 747/748?),

schien historisch lange Zeit nicht eindeutig gelöst zu sein. Allerdings werden heute, nach neueren Erkenntnissen die Jahre 747 oder auch, etwas Unsicherheit ist geblieben, 748 als verbindlich angenommen.

Das trifft sich gut. Denn egal, ob Karls Eltern nun 741, 742 oder 748 geheiratet haben, ist Karl letztlich der Makel der unehelichen Geburt erspart geblieben. Das heißt, damit ist die lange Zeit gehegte Vermutung, Karl der Große könne der Spross eines vorehelichen Konkubinats seiner Eltern sein, aus dem Weg geräumt.

Eltern

Karls Eltern waren

  • Pippin III. (um 715-768), der auch Pippin der Jüngere, manchmal auch Pippin der Kurze genannt wurde und
  • die aus fränkischem Adel stammende Bertrada (um 725-783) aus dem Hause Laon.

Pippin, vormals karolingischer Hausmeier, hatte 751 den merowingischen König Childerich III. für abgesetzt erklärt und sich – anlässlich einer Versammlung fränkischer Würdenträger – zum König ausrufen lassen. Fortan wurde das Frankenreich bis etwa 843 von karolingischen Königen und Kaisern, von denen Karl der Große als der Bedeutendste gilt, beherrscht.

Kindheit und Jugend

Persönlichkeit

Wie schildert der Biograf Einhard Karls Erscheinung?

Physis

Folgt man den Berichten und Beschreibungen des Biografen Einhard, war Karl blond, etwa 1,90 m groß, von kräftiger Gestalt und mit festem Gang ausgestattet. Fit gehalten hat er sich, so sagt man, mit gymnastischen Übungen, dem Reiten, der Jagd und dem Schwimmen.

Anteilnahme und Zuwendung

Andererseits gab es wohl auch eine ausgeprägt gefühlvolle und empfindsame Seite dieses kraftstrotzenden Mannes. So soll Karl den Tod seiner dritten Ehefrau Hildegard, nach zwölfjähriger Ehe und acht Kindern, aufrichtig beklagt und betrauert haben. 

Überhaupt soll sich Karl, laut Einhard, liebevoll um seine Frauen (mit Ausnahme seiner zweiten Frau: Desiderata, Tochter des Langobardenkönigs Desiderius), Töchter und Söhne gekümmert haben. Eben durchaus ein Familienmensch. 

Auftreten

In der Regel ausgeglichen, großzügig und humorvoll, konnte es allerdings passieren, dass seine gute Laune blitzartig umschlagen konnte. Gab es also Anlass, seinem Ärger oder sogar seiner Wut Luft zu verschaffen, war das für sein Umfeld nicht unbedingt günstig – auch, obwohl seine Stimme dann schon mal ins Falsett abgehoben haben soll. Was seine Körperlichkeit auf groteske Weise unterminiert haben muss. Weniger Wohlmeinende würden vermutlich von einer Fistelstimme sprechen. Aber wirklich abgesichert, ist auch das nicht.

Vielleicht hilft es, sich Karl heute als schlecht synchronisierten John Wayne vorzustellen. Ohne Stetson und Colt, aber mit Helm, Brustpanzer und Schwert.

Outfit

Aller Wahrscheinlichkeit nach, war Karl ein Modemuffel. Einfach, schlicht und praktisch hatte seine Kleidung zu sein. Eitelkeit war ihm fremd.

  • Die Wäsche war aus Leinen,
  • die Hosen schlicht,
  • die Schnür- oder die mit langen Riemen gebundenen "Bund"-Schuhe aus Leder,
  • die Oberbekleidung bestand aus aneinander gereihten Stoffstreifen (statt eines vergleichbaren Hemdes) und aus einem Wams (Vorläufer der Weste), aus Schafsfell.

Zusammengehalten wurde diese Kreation von einer, einem Gürtel entsprechenden, Leibbinde. War es kalt, ergänzte Karl sein Outfit um einen

  • die Schultern schützenden Pelz aus verschiedensten Tierfellen.

Ganz selten, und nur dann, wenn es aus repräsentativen Gründen nicht zu vermeiden war, trug Karl festliche Kleidung, Krone, Zepter und Reichsapfel.

Wein, Weib und Gesang

Aber – Modemuffel hin oder her – ein Freund von Traurigkeit war Karl der Große keineswegs. Und, obwohl ihm die Familie wichtig war und er sich rührend um Frau und Kinder kümmerte, war Karl absolut kein Kostverächter.

Üppiges Speisen von gebratenem oder am Spieß gegrilltem Wild – begleitet von einem oder zwei Glas Met oder Wein, allerdings ohne je betrunken gewesen zu sein – gehörten durchaus zu seinen favorisierten Freizeitbeschäftigungen. Und, in Punkto Gastfreundschaft hat er sich anscheinend nicht lumpen lassen.

Zwecks Zerstreuung bot er seinen Gästen (im Wesentlichen waren das ausländische Gesandtschaften) eine ganze Reihe von Unterhaltungsmöglichkeiten. Zum Beispiel:

  • Badespaß im Bad zu Aachen,
  • Jagd auf Bären, Auerochsen und Wild aller Art und/oder
  • Rundgänge durch Tiergehege/Tiergärten.

Im Anschluss an diese sportlichen Betätigungen kam den Mahlzeiten eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Es wurde, untermalt von Musik sowie begleitet von Schaustellern, überaus reichlich gegessen, getrunken, geredet und geflirtet. Trotz der seinerzeit angesagten Sittenstrenge.

Und die Frauen! Wie hinlänglich bekannt, war Karl fünfmal verheiratet, hatte nebenbei etliche Geliebte und in der Summe wenigstens achtzehn Kinder, die keineswegs ausschließlich von seinen Ehefrauen stammten.

Fazit

Neben seinen herausragenden Eigenschaften als Familienmensch, Gastgeber ausländischer Gesandtschaften, Heerführer und der beachtlichen geografischen Erweiterung des fränkischen Reiches, gilt Karl der Große gleichzeitig auch als Reformer des Militärs, des Rechts, der Verwaltung und der Bildung. Den Beinamen „der Große“ erhielt Karl bereits zu Lebzeiten.

Familienbande

Wie oft war Karl der Große verheiratet – und mit wem?

Karl der Große war fünf Mal verheiratet. Die Damen hießen Himiltrud, Desiderata, Hildegard, Fastrada und Liutgard. Die Ehe mit Himiltrud war eine so genannte Friedelehe, die anderen vier Ehen entsprachen den seiner Zeit in Adelskreisen üblichen Muntehen.

Neben diesen fünf Ehen, hatte Karl eine stattliche Anzahl weiterer Verhältnisse mit Geliebten und/oder Mätressen. Auch aus diesen Verbindungen gingen Kinder hervor.

Darüber hinaus wird Karl ein neunzehntes Kind namens Roland nachgesagt. Roland stammte aus der inzestuösen Beziehung zu Karls Schwester Adalhaid – worüber am Hof von den wenigen, die davon Kenntnis hatten, allerdings absolutes Schweigen verlangt wurde.

Dennoch scheint Roland im weiteren Verlauf der Geschichte eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Beispielsweise anlässlich Karls des Großen Feldzug gegen die Mauren 778.

Ehen und Kinder

Wer war Karls 1. Ehefrau?

Die erste Ehefrau hieß Himiltrud. Ab 767 lebte Karl mit seiner Jugendliebe, Tochter eines Heerführers der Scara franzisca (Heilige Schar), in einer Friedelehe. Aus dieser Verbindung stammt der Sohn

und die Tochter Amandru.

Auf Betreiben von Karls Mutter Bertrada, musste Himiltrud 769 den Hof verlassen. Karl sollte, aus politischen Gründen, Desiderata, die Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, heiraten. Himiltrud ging mit dem gemeinsamen Kind Pippin dem Buckligen ins Kloster St. Denis, nördlich von Paris.

Wer war Karls 2. Ehefrau?

Das war Desiderata, Tochter des Langobardenkönigs Desiderius. Diese Frau, von der nicht bekannt ist, ob Desiderata tatsächlich ihr richtiger Name war, konnte Karl von Beginn an nicht leiden. Schon die Hochzeitsfeier 769 ließ er freudlos über sich ergehen. Er fand sie, trotz üppiger Mitgift, potthässlich, spröde und plump. Außerdem kränkelte sie dauernd.

Als Karl erfuhr, dass Papst Stephan III. (Papst von 768-772) mit ihrem Vater, dem Langobardenkönig Desiderius, paktierte, betrachtete er das als Vertragsbruch und entschied, Desiderius bloßzustellen. Wie? Nun, indem er Desiderata samt deren Gefolge und Mitgift zurück nach Pavia zu ihrem Vater schickte – was einem ungeheueren Affront gleichkam. Kinder aus dieser Beziehung gab es keine. Na klar, wie auch?

Wer war Karls 3. Ehefrau?

Hildegard (etwa 757-783), Tochter eines schwäbisch-alemannischen Grafen. Sie gilt als Karls große Liebe. Die 771 geschlossene Verbindung mit ihr, soll ausgesprochen glücklich gewesen sein.

Hildegard begleitete ihren Ehemann auf jeder seiner Reisen, schenkte ihm neun Kinder in ungefähr zwölf Jahren und verstarb 783 – wahrscheinlich auch wegen dieser Geburtenhäufigkeit – mit sechsundzwanzig Jahren in Thionville im Nordosten Frankreichs. Hildegard wurde in der Abtei St. Arnulf in Metz beigesetzt.

Die aus dieser ehelichen Gemeinschaft hervorgegangenen Kinder waren:

  • Karl der Jüngere (772-811),
  • Adelheid (im Alter von etwa einem Jahr verstorben),
  • Rotrud (775-810),
  • Pippin König von Italien (777-810),
  • Ludwig I. der Fromme (778-840), späterer Nachfolger Karl des Großen,
  • Lothar (778-780), Zwillingsbruder Ludwigs des Frommen,
  • Berta (779-823),
  • Gisela (781-814) und
  • Hildegard (782-783).

Zwischenzeitiges Gspusi

Nach dem Tod seiner geliebten Hildegard, scheint Karl – sozusagen zwischendurch – Trost bei einer gewissen Mahthild gefunden haben, von der allerdings ebenfalls nirgends verbrieft ist, ob sie wirklich so hieß. Bekannt dagegen zu sein scheint, dass ihm eine der Frauen aus Karls diversen Techtelmechtels – ob nun Mahthild oder nicht – ein Kind namens Hruodhaid "geschenkt" hat.

Rollenaufteilung

Was wurde aus Karls des Großen Sprösslingen?

Von Karls achtzehn, neunzehn Kindern erreichten der ewig obstinate Pippin der Bucklige, Karl der Jüngere, Karlmann/Pippin und Ludwig I. der Fromme einen gewissen Bekanntheitsgrad. 

Pippin der Bucklige

Pippin der Bucklige wäre im Grunde genommen erster Thronanwärter gewesen. Das ließ aber die Denke der Zeit nicht zu, da seine Mutter – obzwar mit Karl dem Großen verehelicht – nach kirchlicher Auffassung als Friedelfrau (Mätresse) und somit als illegitime Gattin galt.

Pippin wuchs im Kloster auf, litt unter seinem körperlichen Schönheitsfehler, fand nie einen Draht zu seinem Vater und verlor sein Erbrecht schließlich an Karlmann. Mehrmals versuchte er, seine Ansprüche durchzusetzen, was ihm aber letztlich nicht gelang. Nach einem Putschversuch 792 wurde Pippin der Bucklige nach Prüm (Eifel) ins Kloster abgeschoben, wo er 811 verstarb.

Karl der Jüngere

Es scheint, dass Karl der Große seinen zweitältesten Sohn – aus der Ehe mit Hildegard – mehr oder weniger für´s Grobe vorgesehen hat. So setzte er ihn als Heerführer gegen die Sachsen, Angelsachsen, Böhmen, Sorben und Dänen ein. Aus Sicht des Vaters, mit Erfolg.

Im Jahr 788 wurde Karl der Jüngere zum König in Neustrien ernannt, wurde 800, anlässlich der Kaiserkrönung Karls des Großen, offiziell zum König gesalbt und durfte 805 Papst Leo III. (750-816) von den Alpen nach Reims begleiten.

Aus der Erbschaftsregelung, die sein Vater 806 in der Pfalz Diedenhofen (Lothringen) für ihn vorgesehen hatte, wurde dann leider nichts. Karl der Jüngere verstarb – wie auch Pippin der Bucklige – im Jahr 811.

Pippin, König von Italien

Pippin, der bis zu seiner Namensänderung und Krönung zum König von Italien durch Papst Hadrian I. 781, eigentlich Karlmann hieß, kämpfte mit und für seinen Vater gegen die Awaren, Slawen, Sachsen und Mauren.

Im Jahr 806, anlässlich der Erbschaftsregelung seines Vaters Karl des Großen in der Pfalz Diedenhofen, erhielt Pippin zusätzlich zu Italien noch Bayern. Das war´s eigentlich – abgesehen von einer ergebnislosen Belagerung Venedigs im Jahr 810. Pippin verstarb noch im selben Jahr.

Ludwig der Fromme

Ludwig I., der Fromme, wurde 781 König von Aquitanien, 813 von seinem Vater zum Mitkaiser ernannt und schließlich, nach Karls des Großen Tod 814, Kaiser des gesamten Fränkischen Reiches.

Ludwig, von körperlicher Statur seinem Vater ähnlich, soll zwar durchaus intelligent, aber auch derart fromm gewesen sein, dass er wohl zum Lachen in den Keller ging. Er war politisch bemüht, lebte im Dauerstress mit seinen Söhnen und Enkeln, wurde von dieser Sippschaft zweimal seines Thrones verwiesen, kam jedes Mal zurück, hatte aber letztendlich kein Fortune.

Nach seinem Tod 840 in Ingelheim am Rhein (heute: Rheinland-Pfalz) zerfiel das Fränkische Reich. Es wurde von den Nachfahren im Vertrag von Verdun 843 in drei Teile geteilt.

Bruderzwist

Extro

Wie viele "Karlmanns" gab es eigentlich?

Mindestens drei von einiger Bedeutung!

Der erste Karlmann (etwa um 710/714-754) war der Sohn Karl Martells und Bruder Pippins III. des Jüngeren. Karlmann, verwickelt in Erbstreitigkeiten mit Bruder Pippin, gab sein Hausmeieramt nur wenige Jahre, 747, nach Übernahme seiner Amtsgeschäfte auf. Möglicherweise nicht freiwillig, aber eben doch. Er wurde Mönch im Kloster Monte Cassino. Dort verstarb Karlmann im Jahre 754.

Es folgte Karlmann I. (etwa 751-771), zweiter Sohn Pippins III. (dem Jüngeren) und Bruder Karls des Großen (sh. oben).

Dann gab es noch den dritten Karlmann (etwa 777-810). Das war der Sohn Karls des Großen aus dessen dritter Ehe mit Hildegard. Dieser Karlmann wurde 781 in Rom von Papst Hadrian I. auf den Namen Pippin umgetauft. Seither firmierte er unter dem Namen: Pippin, König von Italien.

Verunsicherung und Skepsis

Mangelte es Karl dem Großen an Anerkennung?

Möglicherweise ist es tatsächlich so gewesen. Zumindest zu Beginn seiner Herrschaft. Karl, der Zeit seines Lebens um Anerkennung zu kämpfen schien, war sich der unterschwelligen Ressentiments des einen oder anderen seiner Gefolgsleute durchaus bewusst.

Obwohl nach dem Tod des Mitbewerbers Karlmann nun Alleinherrscher im Fränkischen Reich, scheint Karl das Gefühl nicht losgeworden zu sein, dass der uralte Adel in

  • Pavia (die Langobarden),
  • Rom (der Klerus),
  • Byzanz (der Kaiser von Ostrom) sowie die Mächtigen in 
  • Jerusalem und Bagdad

in ihm lediglich jemanden sah, der sich aus niederen Verhältnissen hochgearbeitet habe. Immer mal wieder musste er sich seiner Herkunft wegen rechtfertigen. Was Karl zwar ärgerte, aber dieser Voreingenommenheit teils mit Bedauern, teils mit Selbstironie, Gelassenheit oder auch mit Gleichgültigkeit begegnete. Nicht zuletzt überzeugte Karl die Zweifler sowohl durch militärische und reformerische Erfolge, als auch mit Leistung und kluger Machtausübung.

Warum hielten Karls Zeitgenossen sein Reich für glanzlos?

Na ja, die anderen Herrscher verfügten über etwas, was Karl nicht hatte: Eine Residenz. Zur Zeit Karls des Großen gab es nämlich im fränkischen Reich keine Hauptstadt im Sinne des Wortes. Es gab auch keinen herrschaftlichen Königspalast.

Mit anderen Herrschaftsapparaten und deren Städten verglichen, wie zum Beispiel

  • Ostrom (Byzanz/Konstantinopel),
  • dem Sitz der Päpste (Rom) oder
  • Pavia (Herrschaftssitz der Langobarden),

musste Karls Riesenreich den zeitgenössischen Päpsten, Königen oder Kaisern ziemlich armselig und glanzlos vorgekommen sein. Was aber Karl nur am Rande interessiert zu haben schien.

Reichsstruktur & Regierungsform

Strategie

Wie funktionierte das Lehnswesen unter Karl dem Großen?

Die adeligen Gefolgsleute des Königs/Kaisers, Grafen, Markgrafen und auch Bischöfe, stellten mit ihren Bauern, Handwerkern und anderen das Fußvolk und die Reiter für die zu absolvierenden Feldzüge.

Sie gelobten gegenüber dem König/Kaiser Loyalität und Gehorsam. Dafür erhielten sie ein Lehen, das im Wesentlichen aus Ländereien oder gewissen Rechtsansprüchen bestand. Beide Parteien profitierten voneinander. Es war sozusagen eine Win-Win-Situation.

Wie verfuhr Karl der Große mit den eroberten Gebieten?

Im Grunde genommen großzügig. Es gab keine Bevorzugung bestimmter Stände oder Stämme.

Jeder, sich dem fränkischen Reich und Karl gegenüber loyal Verhaltende, hatte auch Aufstiegschancen. Traditionen und Bräuche der dem Reich eingegliederten Völker und Gebiete konnten weiterhin ausgeübt werden. Der Übertritt zum Christentum, konnte dabei allerdings von Vorteil sein.

Wie wurden die Menschen der annektierten Gebiete integriert?

Nun, der langobardische Adel zum Beispiel wurde – nach ihrer Niederlage 774 – in den fränkischen Adel aufgenommen, bekam aber zur Auflage, die römische Kirche und den Papst anzuerkennen.

Die heidnischen Sachsen wurden – nach mindestens sieben Feldzügen – zwar gezwungen, sich christlich taufen zu lassen und Karl als obersten Herrscher anzuerkennen, aber letztendlich integrierten sich auch die bockbeinigen Sachsen in das fränkischen Reich.

Ähnlich verhielt es sich mit den Baiern (Bayern), Slawen, Ungarn und anderen. Und trotzdem – hin und wieder musste Karl die ewig unverbesserlichen Abweichler dann doch mit militärischen Mitteln auf Trab bringen.

Womit versuchte Karl der Große den Stammesadel an sich zu binden?

Zwar verloren die Herzöge eroberter Gebiete ihre Souveränität sowie den Titel, aber ihre Stammesrechte blieben im Großen und Ganzen unangefochten.

Um die Loyalität des jeweiligen Adels zu gewinnen und diesen zunehmend an ihn und das Reich zu binden, schuf Karl im weitesten Sinne so etwas wie eine das Reich übergreifende Aristokratie. Die führenden Protagonisten wurden großzügig mit Gütern, Land- und Forstgebieten versorgt.

Die Idee, die hinter dieser Vorgehensweise steckte, entsprach dem Gedanken, alle und alles unter einen Hut zu bringen, um, wenn man so will, ein einheitliches Europa zu schaffen. Allerdings kam zu Karls Zeiten der Begriff Europa nicht vor. Ein Europa im heutigen Sinne lag noch in weiter Ferne.

Was ist unter dem Begriff "Kapitularien" zu verstehen?

Ab 779 arbeitete Karl der Große mit sogenannten Kapitularien. Das waren königlich-kaiserliche Erlasse oder Dekrete, deren einzelne Teile "capitula" (Kapitel) genannt wurden.

Inhaltlich handelte es sich hierbei um gesetzliche Anordnungen, die das bisherige Volksrecht der unterworfenen Bevölkerung ergänzen sollten. Kapitularien konnten sich auf die Verfassung, die Verwaltung, auf kirchliche Belange oder eben auf die Rechtsauslegung beziehen.

Christianisierung

Wie kamen die Franken zum Christentum?

Im Glauben der Germanen, also auch der Franken, hatte eine Vielzahl unterschiedlichster Naturgötter Platz. Und ihrer Glaubensauffassung nach, drehte sich (fast) alles um deren Wertschätzung oder Bitten um Schadensbegrenzung bei Unglücken und Katastrophen aller Art. Für die germanischen Communitys, ob Stammes- oder Familienverband, galten ausschließlich ihre überlieferten religiösen Kulte. Christlicher Monotheismus war ihnen suspekt.

Das änderte sich mit dem Merowinger Chlodwig I., der sich 498 n. Chr. taufen ließ, und damit zum katholischen Glauben übertrat. Allerdings tat er das nicht allein aus religiösen Gründen, sondern wohl doch mehr aus politischem Kalkül heraus.

Chlodwig schloss, ganz pragmatisch, ein Bündnis mit den katholischen Bischöfen seines Reiches. Und da sich beide Seiten – Kirche und Staat – tolerierten, respektierten und sich gegenseitig freie Hand bei ihren Geschäften ließen, gelang es Chlodwig und seinen Nachfolgern im Laufe ihrer Herrschaft, das Fränkische Reich ohne Einflussnahme kirchlicher Institutionen über ganz Mittel- und Westeuropa auszuweiten.

Wurden Juden von den Karolingern toleriert?

Ja, durchaus! Unter der Herrschaft der Karolinger gab es keinerlei Judenverfolgungen. Im Gegenteil! Karl der Große betrachtete zum Beispiel jüdische Kaufleute als wichtige und willkommene Mittler zwischen Muslimen und Christen.

Juden waren unter anderem Goldschmiede, Ärzte und Gutsbesitzer. Als Kaufleute trugen sie dazu bei, dass Handel und seriöser Kommerz einen durchaus reputierlichen Stellenwert erhielten.

Feldherr und Schlachtenlenker

Wer waren Karls des Großen hauptsächliche Gegenspieler?

Nun, Karl der Große kämpfte unter anderem gegen aufmüpfige Aquitanier, gegen das aus Asien in Ungarn eingefallene Volk der Awaren sowie gegen den Bayernherzog Tassilo III. Der hatte – was absolut nicht im Sinne Karls war – die jüngste Tochter des Langobardenkönigs Desiderius geheiratet und sich daher dummerweise auf die Seite der Langobarden geschlagen.

Außerdem zog Karl zu Felde gegen die

  • Moslems in Spanien,
  • immer mal wieder gegen die Unruhe stiftenden Langobarden,
  • gegen das seefahrende Volk der Friesen
  • und – fast dreißig Jahre lang – gegen die widerspenstigen und störrischen Sachsen.

Die Zahl bedeutender Feldzüge Karls des Großen wird mit mindestens sechzig beziffert. Statistisch gesehen, macht das in Karls sechsundvierzig Jahren als König und Kaiser 1,3 Waffengänge per anno. Allerdings waren seine Truppen hin und wieder mit zwei oder mehr kriegerischen Auseinandersetzungen gleichzeitig befasst. Und nicht immer war Karl als Anführer dabei. Aber bei immerhin etwa der Hälfte all dieser Kampfhandlungen, soll Karl das Heft selbst in der Hand gehabt haben.

Deutscher Kaiser? Oder fremder Eroberer?

An den Kriegszügen gegen die Friesen und Sachsen erkennt man ganz gut, dass man durchaus darüber streiten kann, ob Karl der Große ein deutscher Kaiser war. Man könnte auch sagen, er war ein fränkischer Herrscher, der erst durch die Unterdrückung urdeutscher Stämme zu einem "Deutschen" wurde. Auf der anderen Seite ist das Streiten über diese Frage auch müßig, weil damals – kurz nach der Hochphase der Völkerwanderung – praktisch jedes europäische Volk in Bewegung geraten war und mehrfach den Standort wechselte.

Wie bereitete Karl der Große seine Feldzüge vor?

Karl der Große hat so gut wie ständig Krieg geführt. Im Frühling eines jeden Jahres rief er die Mächtigen und Lehnsherren seines Reiches auf dem Maifeld zusammen. Mitzubringen waren die zum Heeresdienst verdonnerten

  • Gefolgsleute mit ihren Reitern – bestehend aus schwerer (Scara francisca/Panzerreiter) und leichter Kavallerie – sowie
  • die Horde des marschierenden Fußvolks.

Bevor der Tross – bisweilen, wie schon einmal erwähnt, bis zu tausend Mann und gelegentlich mehr – sich auf den Weg in Richtung Feind aufmachte, wurde beraten, Kundschafter angehört, die seiner Zeit verfügbaren Karten studiert und Rekruten ausgebildet.

Ausrüstung

Grundsätzlich war jeder Freie, also jeder aus der führenden Schicht des karolingischen Adels, zur Loyalität gegenüber dem jeweiligen Lehnsherren sowie dem König/Kaiser zum Dienst an der Waffe verpflichtet.

Dazu gehörte auch, für die Ausrüstung und Verpflegung der von ihnen gestellten Kämpfer Sorge zu tragen. Hinzu kamen Waffen, Lebensmittel, Kleidung sowie das erforderliche Fuhrwerk.

Und das war nicht nur nicht einfach, sondern auch teuer. So gut wie unbezahlbar wurde die Situation, als Karl der Große zunehmend das Heer auf die von ihm favorisierten Panzerreiter ausrichtete.

Deren Kampfausstattung, wie zum Beispiel:

  • Lederhelm,
  • Riemenpanzer,
  • eisenbeschupptes Hemd aus Leder,
  • Beinschutz,
  • Schild, Schwert, Lanze und Pferd 

konnte  letztlich nur noch von den superreichen Grundbesitzern aufgebracht werden.

Feldzüge

Was veranlasste Karl den Großen zu seinem Vorstoß gegen die Mauren?

Karl der Große hatte nicht nur mit den Sachsen seine liebe Not. Und obwohl immer wieder Aufstände auch in anderen Reichsgebieten niedergeschlagen werden mussten, ließ er sich 777 trotz allem von islamischen Prokuratoren (Sachwalter) im Norden Spaniens, die mit dem Emir Abd ar-Rahman I. von Cordoba über Kreuz lagen, um Hilfe bitten.

Im siebten Jahrhundert hatten die Araber (Sarazenen, Mauren) in kürzester Zeit weite Teile Vorderasiens und, im 8. Jahrhundert etwa ab 711, die iberische Halbinsel erobert. Im Namen der Religion Mohammeds (etwa 570-632), des Islam.

Jetzt, nach dem Hilferuf Sulaimans, hatte Karl der Große schnell die Chance sowohl zur Gebietserweiterung seines Reiches erkannt, als auch die Möglichkeit gesehen – sozusagen als Glaubenskrieger und Fighter für das Christentum – die Moslems aus Spanien vertreiben zu können.

Also zog Karl 778 tatsächlich nach Spanien, um (vordergründig) den für seine Eigenständigkeit kämpfenden islamischen Statthalter Sulaiman militärisch zu unterstützen.

Karl ließ sein aus Mainfranken, Aquitaniern, Alemannen, Burgundern, Bayern und anderen Volksstämmen bestehendes Heer – aufgeteilt in zwei Marschsäulen – über die Pyrenäen ziehen. Nachdem Barcelona, Pamplona und andere Städte im Sinne Sulaimans eingenommen waren, stießen beide Frankenheere in der Ebroebene wieder zusammen

Saragossa

Aber, als Karl mit seinen Leuten Saragossa einnehmen wollte, hatte sich die Lage leider verändert. Obwohl der Emir von Cordoba inzwischen erschlagen und das Anliegen des moslemischen Bittstellers Sulaiman also mit Unterstützung der Franken somit erfüllt worden war, hatte der falsche Fuffziger allerdings plötzlich seine Meinung geändert.

Völlig unerwartet für Karl den Großen, verbarrikadierten sich die Araber hinter den Mauern der Stadt Saragossa. Etwa vier Wochen lang ließ Karl Saragossa belagern. Mit kurzzeitig hergestellten Katapulten und zermürbendem Beschuss, gelang den Franken schließlich die Aufgabe der Stadt zu erreichen. Die Befestigungsanlagen wurden total verwüstet und Sulaiman an die Franken ausgeliefert.

Immer noch verärgert über den Verrat Sulaimans, der ihn erst um Hilfe gebeten, dann aber vor den Kopf gestoßen hatte, verlor Karl der Große scheinbar jegliches Interesse an Spaniern und den Arabern. Zusätzlich möglicherweise entnervt von südlicher Hitze, wollte Karl so schnell wie möglich die Iberische Halbinsel verlassen.

Zuvor eroberte Karl allerdings noch schnell Pamplona, ließ die Stadt plündern und teilweise zerstören. Soweit, so gut! Aber bedauerlicherweise konnten sich die Wasgonen (Basken) mit diesem Vorgehen nicht anfreunden. Wovon Karl sich wenig später schmerzhaft überzeugen lassen musste.

Roland, Markgraf der Bretagne

Als Karl sich mit seinen Truppen im Baskenland aufhielt, und – im Bewusstsein der drohenden baskischen Guerillagefahr – sein Heer in zwei Abteilungen zum Rückzug über die Pyrenäen aufforderte, geriet die Fraktion unter Führung Rolands, des angeblich inzestuös gezeugten Sohnes Karls des Großen, in baskischen Hinterhalt.

Seine Einheit wurde vollständig aufgerieben. Diese – für Karl den Großen ausgesprochen verlustreiche – Schlacht, ging als Katastrophe von Roncesvalles in die Geschichte ein. 

Angeblich soll Roland aber später – trotz dieser verheerenden Niederlage – zum Helden und Märtyrer hochstilisiert worden sein. Er gilt sogar als Namensgeber der Rolandsage beziehungsweise des Rolandliedes.

Politik, Papst und Kaiserkrone

Warum floh Papst Leo III. (750-816) nach Paderborn?

Papst Leo III. muss ein zwielichtiger Typ gewesen sein. Seine Gegner, insbesondere die Familie des kurz zuvor verstorbenen Papstes Hadrian I. im Dezember 795, konnten den Nachfolger schlicht nicht verknusen.

Sie warfen Leo Meineid, Ehebruch und Habgier vor, und schreckten selbst vor einem Attentat, einhergehend mit exorbitant drastischen  Körperverletzungen, nicht zurück. Aber, Glück im Unglück, Leo konnte türmen. Erheblich angeschlagen, suchte er das Weite. Richtung Paderborn. Dort hatte Karl der Große, im Zuge eines seiner Sachsenfeldzüge, Station gemacht.  

Welche Fragen warf Papst Leos III. Besuch in Paderborn auf?

Die Frage war, ob Karl der Große diesen unmöglichen Papst wieder in sein Amt hieven sollte oder nicht? Angilbert, Karls Jugendfreund und nunmehr fränkischer Diplomat, sprach sich dagegen aus. Auch Alkuin war darüber anfänglich nicht begeistert.

Letztlich kamen alle Beteiligten aber darin überein, dass ein Papst nicht einfach abgesetzt werden könne. Schon gar nicht, solange die Gründe des auf ihn verübten Mordanschlags nicht eingehend überprüft seien.

Leo wurde also, nach dreimonatigem Aufenthalt in Paderborn, mit vager Hilfszusage nach Rom zurückgeschickt. Und trotz aller Vorbehalte gegen diesen Papst sogar begleitet von einer Eskorte, bestehend aus Panzerreitern und Rechtssachverständigen. Letztere sollten in Rom eine Untersuchung der gegen Leo erhobenen Vorwürfe durchführen.

Warum und wann reiste Karl der Große nach Rom?

In Rom wurde nach wie vor Stimmung gegen Papst Leo III. gemacht – und die, die Stimmung, war nicht gut. Nur Karl der Große konnte entscheiden, ob ein Gerichtsverfahren gegen Leo angestrengt werden sollte. Die Beschäftigung mit der Causa Leo III., hatte bisher kein freundliches Bild für den Papst ergeben. Leo drohte der Prozess.

Obwohl Karl keine rechte Lust hatte, den Verteidiger dieses unangenehmen Patrons zu spielen, zog er dann doch im Spätsommer 800 nach Rom.

Aus politischen Erwägungen heraus. Denn immerhin war Karl der Große nicht nur König der Franken, sondern als Patricius Romanorum auch Sachwalter und Beschützer der christlichen Kirche – und damit notgedrungen auch verantwortlich für den Heiligen Stuhl. Papst Leo hin oder her.

Womit versuchte Papst Leo III., Karl einzuwickeln?

Mit der Geste des Entgegenreitens. Papst Leo III., der vor einer Synode (Bischofsversammlung) einen Reinigungseid ablegen sollte, wollte mit dieser Aktion bei Karl dem Großen schlicht und einfach für gut Wetter sorgen.

Ende November 800 lagerte Karl der Große mit seinem Tross bei Mentana, einer kleinen Stadt in der Region Latium/Italien. Auf dem Weiterweg nach Rom kam ihm Papst Leo III. – gefolgt von dessen Entourage aus Kirchenfürsten, Mönchen und einem Haufen nicht sehr Vertrauen erweckender Gestalten – bereits vor den Toren der Stadt entgegen.

Nicht, dass allein schon diese Kamarilla sonderbar auf Karl und seinen Hofstaat wirkte, sondern mehr noch die Tatsache, dass ein Papst einem König entgegen geritten kam, erweckte Argwohn unter Karls Leuten. Eine derartige Ehrung galt bis dahin als unüblich, und hätte umgekehrt im Grunde mehr Sinn gemacht. Was wollte also dieser schräge Vogel von Karl und den Franken?

Nun, wie gesagt, Leo wollte von den Vorwürfen seiner Gegner freigesprochen werden. Und da Karl bei der bevorstehenden Anhörung das letzte Wort hatte, sollte das möglichst günstig für Leo ausfallen.

Gesteigert wurde dieser von Leo mit Bedacht gewählte Kuschelkurs dann ein paar Tage später noch einmal beim Einzug Karls und seines Gefolges in Rom. Leo hatte keine Mühen und Kosten gespart, um den Franken einen triumphalen Empfang zu bereiten.

Karolingische Renaissance

Was bedeutet der Begriff „Karolingische Renaissance“?

Der Begriff "Karolingische Renaissance" umfasst die kulturelle Erneuerung – nicht nur, aber ausgesprochen ausgeprägt – zur Zeit Karls des Großen. Karl hatte Ausbildung, Bildung, Kunst und Wissen sozusagen zur Chefsache gemacht.

An seinem Hof arbeiteten und lehrten – unter  anderen – Grammatiker, Dichter, Astronomen, Mathematiker, Literaten, Philosophen.

Seine Aachener Residenz wurde von seinen Zeitgenossen sogar als "Zweites Rom" oder "Zweites Athen" bezeichnet. Sogenannte Kopisten, die sich im Wesentlichen aus dem Klerus rekrutierten, kopierten Hunderte wertvoller Handschriften. Mit der Unterstützung seines Beraters Alkuin, reformierte Karl das Bildungswesen, förderte Sprache, Schrift, Literatur, Buchmalerei sowie Bauwerke karolingischer Architektur (Klöster, Kathedralen, Pfalzen).

Wer war Alkuin?

Alkuin (etwa 730-804) war ein angelsächsischer Gelehrter aus Northumbrien, einem Kleinkönigtum in England. Zuerst Benediktinermönch, Dekan und Priester, wurde er 766 zum Leiter der Domschule von York ernannt.

Anlässlich seiner zweiten Romreise, lernte er um 780 Karl den Großen kennen, und wurde – mit Unterbrechungen – von etwa 782 bis 796 dessen wichtigster Berater.

Alkuin gilt als Gründer der Hofschule in Aachen. Seit 793 lebte er, von Reisen abgesehen, durchgängig im fränkischen Reich. Im Jahr 796 ernannte ihn Karl der Große zum Abt von Saint-Martin in Tours, wo er bis zu seinem Tod 804 lebte. In vielem, fast allem, waren sich Karl und Alkuin einig und verstanden sich gut – bis auf die Tatsache, dass Alkuin Karls gewalttätige Christianisierung der Sachsen total ablehnte.

Bildungseinrichtungen und Reformen

Wie beabsichtigte Karl der Große, den Franken Lesen und Schreiben beizubringen?

Als Karl der Große 768 Teilkönig und 771 Alleinherrscher des Frankenreiches wurde, lag das Reich bildungsmäßig in der Tat im Argen. Die nach dem Niedergang des römischen Reiches geführten Kriege hatten zu regionaler Separation und sprachlicher Vielfältigkeit, und die in der Folge stattgefundenen Plünderungen zur Zerschlagung bestehender Strukturen geführt.

Karl, der diese Misere schnell erkannt hatte, versammelte um sich eine internationale Elite, deren für ihn wichtigster Berater der angelsächsische Gelehrte Alkuin war. Unter dessen Ägide verfügte er etwa um die Mitte der achtziger Jahre des 8. Jahrhunderts per königlichem Dekret (Beschluss, Anordnung, Erlass), dass in allen Klöstern und Kathedralkirchen (lat.: ecclesia cathedralis) des Reiches Schulen errichtet und eine allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde.

Vorhaben und Zweck

Zum einen, so war Karls Intention, sollten die Menschen – mindestens – lesen und schreiben können.

Zum anderen sah Karl der Große in der guten Ausbildung breiter Schichten die Chance, bisher unentdeckte Talente ausfindig zu machen, die durch ihr Wissen später führende Aufgaben im Reich übernehmen konnten. Zum Beispiel in hohen Regierungs- und/oder Lehrämtern.

Darüber hinaus vertraten Karl und sein Berater Alkuin die Ansicht, dass sich durch eine fundierte Ausbildung im Laufe der Zeit so etwas wie eine einheitliche Rechts- und Verwaltungssprache bilden würde.

Voraussetzung und Zulassung

Die Schulpolitik Karls des Großen sah vor, den Klerus so auszubilden, dass Geistliche und Mönche befähigt wurden, Lernwillige – aus allen Schichten der fränkischen Gesellschaft – zu unterrichten. Die Voraussetzung hierfür war der schriftliche Nachweis eines erfolgreichen Schulabschlusses. Nur mit einem Zeugnis durften Lehrer auf ihre potenziellen Schüler losgelassen werden.

Als Schüler zugelassen, waren Lernwillige aus allen Schichten des Volkes. Karl wollte vermeiden, dass nur die Söhne aus dem Adel, vermögender Gutsherren oder reicher Händler die Klosterschulen besuchten.

Nein, jeder, der befähigt war, sollte die Möglichkeit des Schulbesuchs haben. Allerdings galt das nur für Schüler männlichen Geschlechts. Frauen und Mädchen dagegen, hatten bei Karl in diesem Punkt schlechte Karten.

Unterrichtsfächer

Karls des Großen Vorbild in Sachen Bildung und Kunst, war das Byzantinische Reich. Um hier ansatzweise den Anschluss zu finden, wurden in der Grundstufe zum Beispiel die Fächer Grammatik, Dialektik und Rhetorik gelehrt.

Für Fortgeschrittene standen dann Arithmetik, Geometrie, Astrologie und – man höre und staune – Musik auf dem Lehrplan. Die erforderlichen Lehrbücher ließ Karl vom Angelsachsen Alkuin erstellen.

Minuskel

Unter Aufsicht und Anleitung Alkuins, des angelsächsischen Beraters Karls des Großen, entwickelten Mönche eine neue – leicht zu lesende und flott zu schreibende – Schrift, die karolingischen „Minuskel“, die als Grundlage unserer heutigen Schrift gelten.

Wirtschaft & Finanzen

Verwaltung

Wie verbesserte Karl der Große die Reichsverwaltung?

Karl hatte schon früh die verwaltungstechnische Problematik seines Riesenreiches erkannt. Neben der ständigen Überprüfung des Lehnswesens und Vasallentums seiner zum Reich gehörenden Gebiete durch Inspektoren, stockte er die Mitarbeiterzahl seiner Marschälle, Mundschenke, Kämmerer und Kanzler auf.

Zunehmend übernahmen Letztere auch diplomatische und militärische Aufgaben. Darüber hinaus sorgten sie für die Durchsetzung königlicher Anordnungen, die nicht mehr nur in mündlicher, sondern verstärkt auch in schriftlicher Form unter das Volk gebracht wurden.

Rechtswesen

Wie hat Karl der Große versucht, die Rechtsprechung zu vereinheitlichen?

Grundsätzlich beließ es Karl der Große bei der jeweiligen Rechtsauffassung – den so genannten Volksrechten – eroberter Gebiete.

Er reduzierte lediglich die Unzahl existierender Gesetze, veränderte sie im einen oder anderen Fall und versuchte so, eine Vereinheitlichung in der praktischen Ausübung der Rechtsprechung zu erreichen. Unter Karl dem Großen wurde die Rechtskultur der alten Römer weiterhin gepflegt, durch Kapitularien (königliche Erlasse) ergänzt und durchgesetzt.

Wie veränderte Karl der Große die Rechtspraxis?

Im Rechtswesen verringerte Karl die Häufigkeit sogenannter "verpflichtender Grafenthinge" auf drei Zusammenkünfte pro Jahr. Die bisher je nach aktuellen Erfordernissen einberufenen "gebotenen Thinge", wurden auf regelmäßig vierzehntägig stattfindende Treffen reduziert.

Die Vertreter der Gerichtsbarkeit hatten wirtschaftlich unabhängig, von tadellosem Ruf zu sein und dafür Sorge zu tragen, dass kriminelle Delikte sowie andere Rechtsverletzungen eine ausreichende Untersuchung erfuhren. Karl führte Rügenzeugen ein – ausgewählte und vereidigte Menschen, die Verbrechen ihres Umfeldes vor Gericht zu bringen hatten – und schuf so im weitesten Sinne die Basis einer Schöffengerichtsbarkeit.

Streitkräfte

Was veränderte Karl der Große militärisch?

Karl der Große rüstete seine Truppen auf. Die Grafen wurden, je nach Größe ihrer zu verwaltenden Gebiete, in die Pflicht genommen, für eine ausreichende Mannschaftsstärke zu sorgen und ihre Untertanen – auch Vasallen genannt – entsprechend auszustatten.

Es entstand so etwas, wie eine Wehrpflicht. Das Hauptaugenmerk Karls des Großen lag dabei in der Umstellung auf ein schlagkräftiges, allerdings teures, Reiterheer - der "Scara francisca" (Panzerreiter). Die Mittel dafür waren von den Lehnsherren und ihren Vasallen zu tragen.

Ausklang

Wann und wo verstarb Karl der Große – und wo ist er bestattet?

Karl der Große verstarb im Januar 814 in Aachen. Mit Mitte Sechzig. Vermutlich an einer Lungenentzündung. Sechsundvierzig Jahre hatte er das Fränkische Reich beherrscht, dominiert und gemanagt. Territorial erstreckte sich das von ihm geschaffene Reich vom heutigen Schleswig-Holstein, Friesland über Bayern und Teile Österreichs, über die Beneluxstaaten, Frankreich und die Schweiz bis nach Mittelitalien.  

Obwohl Karl verfügt haben soll, seine letzte Ruhe in der Umgebung von Paris finden zu wollen, wurde Karl in der Pfalzkapelle (Marienstift), dem Mittelpunkt des heutigen Aachener Doms beigesetzt.

Die exakte Grabstelle wurde – trotz intensiver Suche über die Jahrhunderte – bisher nicht gefunden. Bis auf eine Handvoll Karl dem Großen zugeschriebener Relikte seiner sterblichen Überreste. Die wiederum, oder das, was noch zu identifizieren war, ruhen heute im Karlsschrein in der Chorhalle des Aachener Doms.

Bereits Kaiser Friedrich I. Barbarossa und der Stauferkaiser Friedrich II. hatten sich um die mutmaßlich Karl dem Großen zugehörenden Gebeine gekümmert. Barbarossa hatte 1165 eine angemessene Aufbewahrungslösung für Karls traurige Überbleibsel gefunden; der Stauferkaiser Friedrich II. sorgte 1215 für das Schließen sowie die Überführung des Schreins.

Quellen:

  • "Karl der Große" (R.P. Mielke/Schneekluth Verlag, München)
  • "Karl der Große" (Dietmar Pieper, Johannes Saltzwedel, Hg./DVA-Spiegel Buchverlag)
  • "Karl der Große" (ZEIT-Geschichte Heft 6/19)
  • "Die Welt der Karolinger" (Pierre Riché/Philipp Reclam jr. Stuttgart)
  • "Deutsche Geschichte: Bd.1" (Heinrich Pleticha, Hg./Bertelsmann Lexikon Verlag)
  • "Kaiser, Ritter und Scholaren" (Das farbige LIFE Bildsachbuch/rororo)
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