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Friedrich II. der Große: Fragen und Antworten

In wessen Fußstapfen trat Friedrich II.? Wo und wie erlebte er Kindheit und Jugend? Wer zwang ihn, an der Hinrichtung seines besten Freundes teilzunehmen? Warum musste Friedrich in der Festung Küstrin einsitzen? War Friedrich II. verheiratet? Hatte er Kinder? Warum gilt er als einer der bekanntesten Vertreter des "aufgeklärten Absolutismus"? Was war Friedrich II. der Große für ein Typ? Wie viele und welche Kriege hat er gegen wen geführt? Was hat Friedrich mit der Kartoffel zu tun? Diese und weitere Fragen möchten wir in diesem Beitrag beantworten.

Auftakt

Von wem wurde Brandenburg-Preußen zum Zeitpunkt von Friedrichs II. Geburt regiert?

Sechsundzwanzig Jahre nach der Schlacht bei Fehrbellin (1675), die dem

eingebracht hatte, bekam, elf Jahre (1701) vor

  • Friedrichs II. (1712-1786)

Geburt, sein Großvater

  • Friedrich I. (1657-1713),

der sich 1701 selbst zum König Preußens „gekrönt“ hatte, vom habsburgischen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Leopold I. (1640-1705), sozusagen nachträglich das Okay zum Tragen des Titels „Königs in Preußen“.

König von Preußen ging nicht, weil Westpreußen seinerzeit noch zum polnischen Königreich gehörte. Erhalten hat Friedrich I. den Amtstitel aufgrund seiner Unterstützung Leopolds im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714).

Fatalerweise überforderte aber die aus dem Vollen schöpfende Lebensart Friedrichs I. die Staatskasse. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen. Kriege, eine üppige Hofhaltung, opulente Festivitäten, teure Bauprojekte und anderes mehr führten zu einer bedrohlichen Ebbe in der Kasse. Nach heutigen Maßstäben hätte Brandenburg-Preußen Insolvenz anmelden müssen.

Als unmittelbar nach Friedrichs I. Tod 1713, Friedrichs II. Vater,

den brandenburgisch-preußischen Thron einnahm, war Schluss mit Lustig. Pflichterfüllung, Gehorsam, Sparsam-, Genügsam- und Sittsamkeit (Preußische Tugenden) wurden zur Maxime der Staatsführung erhoben. Das galt gleichermaßen für die Familie, die Bediensteten, die Soldaten und die Bürger, also das Volk.

Elternhaus & Heirat

Erscheinungsbild

Was war Friedrich II. der Große für ein Typ?

Auf Abbildungen unzähliger Abhandlungen über Friedrich II. den Großen, der im Volksmund gern auch der „Alte Fritz“ genannt wurde/wird, sieht der geneigte Betrachter den doch eher schmächtigen, unscheinbar wirkenden und nicht gerade groß geratenen König – man spricht von 1,62 m Körpergröße – überwiegend mit dem Dreispitz, in Uniform, auf dem Pferderücken oder – in privater Umgebung – mit seinen Windhunden oder der Querflöte.

Gesundheitlich soll Friedrich von Kindesbeinen an mit vielfältigen Krankheiten geschlagen gewesen sein. Die Rede in diesem Zusammenhang ist von Gicht, Rheuma, Koliken, Hämorrhoiden, Erkältungen, Zahnproblemen, Ohnmachtsanfällen und einigem anderen mehr. Grund genug für Friedrich, mit Vierzig sein Testament aufzusetzen. Aber noch mussten die potenziellen Erben vierunddreißig Jahre auf die Testamentseröffnung warten.  

Know-how

Friedrich sprach vergleichsweise ordentlich Französisch, Deutsch nach eigenen Worten wie ein Kutscher und Latein allenfalls rudimentär.

Obwohl er später mehr Kriege führte als sein Vater, dem mehr am Aufbau einer schlagkräftigen Armee gelegen war, als Kriege zu führen, lag dem jugendlichen Friedrich im Grunde genommen wenig bis nichts am Soldat sein und sogenannter Kriegskunst. Seine Interessen lagen vielmehr in der Musik, französischer Literatur und Philosophie. Stoffe, deren Inhalte er sich augenscheinlich autodidaktisch erarbeitet hat.

Autor, Philosoph, Reformer, Gestalter & Erbauer

Metamorphose

Worin unterschied Friedrich II. sich in puncto Kriege führen von seinem Vater?

Am 31. Mai 1740 war König Friedrich Wilhelm I. der Soldatenkönig im Potsdamer Stadtschloss verstorben. Er hinterließ seinem Sohn Friedrich – neben einer gut gefüllten Staatskasse – nicht nur ein politisch anerkanntes und wirtschaftlich gut gestelltes Preußen, sondern auch einen wirkungsvollen Verwaltungsapparat und die viertstärkste Armee Europas.

Im Gegensatz zum Vater allerdings, der diese Streitmacht zwar ein Leben lang hingebungsvoll aufgebaut, sie aber nur gelegentlich – und wenn überhaupt, dann äußerst widerwillig – an mehr oder weniger unblutigen Scharmützeln hat zum Einsatz kommen lassen, geschweige denn überhaupt an Eroberungskriegen interessiert gewesen war, war der vom Vater drangsalierte und ständig verdroschene Sohn dagegen fast nonstop in Kriege verwickelt. Oft verlustreich, dennoch meistens siegreich.

Wie, und an wen, hat Friedrich II. seine Kriegsbereitschaft erklärt?

Mit einem seiner diversen Briefe an Voltaire, in dem er mitgeteilt haben soll:

  • „…der Kaiser ist tot. Dieser Todesfall zerstört alle meine friedlichen Gedanken. Jetzt ist die Zeit da, wo das alte politische System eine völlige Änderung erfahren muss …“

Im Oktober 1740 war der römisch-deutsche Kaiser Karl VI. (1685-1740) aus dem Hause Habsburg verstorben. Mangels männlicher Thronfolger, trat die 23jährige Tochter Karls, Maria Theresia (1717-1780), die Nachfolge an – was den Fürsten des Heiligen Römischen Reiches nicht gefiel. Sie ignorierten das Erbfolgegesetz der Habsburger (Pragmatische Sanktion) und machten ihren eigenen Anspruch geltend.

Schachzug

Dieses Gezerre nutzte Friedrich clever für seine Zwecke. Er zeigte sich bereit, die Thronbesteigung Maria Theresias‘ anzuerkennen, wenn er im Gegenzug Schlesien erhielte. Ein dreister Vorschlag, der juristischen Recherchen keineswegs standhielt. Die Ansprüche auf Schlesien lagen eindeutig auf Seiten der Habsburger.

Allerdings setzte sich Friedrich – Regent in einer Zeit, in der die Machthaber wenig Skrupel hatten, ihre machtpolitischen Ziele auch militärisch durchzusetzen – darüber hinweg. Im Dezember 1740 überschritt er mit seinen Soldaten die Grenze zu Schlesien. Der Erste Schlesische Krieg hatte begonnen, der sich im weiteren Verlauf – durch den Kriegseintritt Frankreichs – zum Österreichischen Erbfolgekrieg entwickelte.

Friedrich gewann

  • 1742 mit dem Separatfrieden von Breslau zwischen Österreich und Preußen Schlesien,
  • schied aus der Riege der Anti-Habsburger aus dem Geschehen aus,
  • griff 1744 erneut in den Krieg ein,
  • eröffnete mit seinem Einmarsch in Böhmen den Zweiten Schlesienkrieg,
  • scheiterte,
  • zog sich nach Schlesien zurück,

festigte 1745 aber dennoch im Frieden von Dresden seinen Anspruch auf Schlesien.  

Siebenjähriger Krieg

Letzte Jahre

Wie verliefen Friedrichs II. Jahre nach seiner Rückkehr aus dem Krieg?

Am 30. März 1763 traf Friedrich wieder in Berlin ein. Gealtert, grauhaarig, übellaunig.

Dennoch gestaltete er die Tage so, wie er es vor den Kriegen getan hatte. Er

  • gab musikalische Soirées im Kreis ausgesuchter Gäste oder
  • richtete Diskussionsrunden über das Gute und Schöne im Schloss Sanssouci aus,
  • verfasste Briefe, Traktate und andere Schriften, erweiterte
  • sein Territorium anlässlich der Ersten Teilung Polens 1772 und mischte
  • 1778/79 im Bayerischen Erbfolgekrieg mit.

Diesen Erbfolgekrieg, soll er im Nachhinein schriftlich so kommentiert haben:

  • „…alle Welt war auf eine Reihe von Feldzügen gefasst. Aber es kam nur eine Mischung von Verhandlungen und militärischen Operationen zustande. Man wusste nie, ob Friede oder Krieg war…“.

Danach wurde es ruhiger. Die Außenpolitik trat in den Hintergrund. Friedrichs bevorzugter Aufenthaltsort wurde Schloss Sanssouci.

Krankheit und Tod

Die letzten Monate waren gezeichnet von schwerer Krankheit. Gegenüber seinem Arzt Johann von Zimmermann soll er in der ihm eigenen sarkastischen Art geäußert haben:

  • „…ich bin nicht mehr als ein altes Gerippe; ich tauge zu nichts mehr, als hingeworfen werden auf den Anger…“.

Friedrich II. der Große, der „Alte Fritz“, verstarb am 17. August 1786 nach sechsundvierzig Regentschaftsjahren. Ein endgültiges Urteil über diesen schillernden, widersprüchlichen und zwiespältigen Charakter muss anscheinend noch getroffen werden. Bisher sagen die einen so, und die anderen so ...

Postskriptum

Was haben der "Alte Fritz" und die Kartoffeln miteinander zu tun?

Die Kartoffel brachten die spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert aus Peru nach Europa. Etwa um 1565 fand sie ihren Weg nach Deutschland – wurde aber nicht sonderlich geschätzt. Sie galt als ungenießbar.

Auf seinen Inspektionsreisen durchs Land allerdings, soll Friedrich irgendwann unschwer festgestellt haben, dass in seinem Brandenburg-Preußen weniger Preußens Gloria anzutreffen war, sondern bei den Menschen eher der Küchenmeister Schmalhans den Kochlöffel schwang.

Das lag zum einen an Friedrichs teuren Kriegsaufwendungen, zum anderen an der nicht wirklich günstigen Bodenbeschaffenheit Brandenburgs, an Missernten und an der wachsenden Bevölkerungsdichte. Abhilfe musste geschaffen werden. Dringend.

Also verfügte Friedrich mit seinem Kartoffelbefehl (Circular-Ordre) vom März 1756, dass seine Beamten sämtlichen Untertanen den Kartoffelanbau „begreiflich“ zu machen haben. Kein leichtes Unterfangen. Die Menschen waren skeptisch, sie lehnten das Gewächs weiterhin schlichtweg ab.

Trick 17

Also griff Friedrich – der Legende nach, ob wahr oder nicht, sei dahingestellt – zu einem Trick. Er soll die Kartoffelfelder rund um Berlin von Soldaten bewacht und die Mär verbreitet haben lassen, die Kartoffeln seien für die königliche Küche bestimmt. Hat geklappt. Gewiss haben die Bauern gedacht, na ja, wenn der König diese merkwürdigen Dinger isst, können wir es ihm doch gleichtun.

Woraufhin sich der Kartoffelanbau nicht nur in Brandenburg, sondern peu á peu darüber hinaus durchgesetzt hat. Sie, die Kartoffel, wurde zum nicht mehr wegzudenkenden Nahrungsmittel.

Quellen:

  • "Friedrich II.: Jugendjahre" (Siegfried Schwanz/Edition Rieger Berlin und Karwe bei Neuruppin)
  • "Friedrich II." (Georg Holmsten/rororo)
  • "Preußen" (Christopher Clark/Pantheon Verlag, DVA)
  • "Preußen ohne Legende" (Sebastian Haffner/Wilhelm Goldmann Verlag)
  • "Bildung" (Dietrich Schwanitz/Wilhelm Goldmann Verlag)
  • "Die Hohenzollern" (Uwe Klußmann, Norbert F. Pötzl, Hg./DVA Spiegel Buchverlag)
  • "Geschichte - kompakt & visuell" (Philip Parker/Dorling Kindersley Verlag München)
  • "Die Stunde der Wahrheit" (Karl Zuchardt/Mitteldeutscher Verlag Halle, Saale)
  • "Der Vater" (Jochen Klepper/Deutscher Taschenbuch Verlag; dtv)
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