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Kaiser Heinrich IV.: Fragen und Antworten

Wer war Kaiser Heinrich IV.? Warum wird er häufig auch der "unglückliche" Kaiser genannt? Wie verliefen Heinrichs Kindheit und Jugend? Warum wollte Heinrich sich von Bertha von Savoyen scheiden lassen? Hatte er mit seiner zweiten Gattin Adelheid von Kiew mehr Glück? Was ist unter Investiturstreit zu verstehen? Diese und weitere Fragen, beantworten wir in diesem Beitrag.

Lebensdaten (gerafft)

Wer war Heinrich IV.?

Der salische Kaiser Heinrich III. (1017-1056) und dessen Gattin, Agnes von Aquitanien und Poitou (1025-1077), hatten sechs Kinder. Vier Töchter, zwei Söhne. Heinrich war der ältere der Söhne, und somit, nach dem Tod des Vaters 1056, der Thronfolger.

Heinrichs IV. (1050-1106) Biografie, lässt sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen:

  • 1050 vermutlich in Goslar im November geboren, wird Heinrich IV.
  • 1053 Mitkönig,
  • 1055 mit fünf Jahren mit Bertha von Savoyen (1051-1087) "zwangsverlobt",
  • 1056, nach dem Tod des Vaters, römisch-deutscher König, wird
  • 1062 vom Kölner Erzbischof namens Anno aus machtpolitischen Gründen entführt, erhält
  • 1065 in Mainz, paradoxerweise von eben diesem erzbischöflichen Entführer (den Heinrich unmittelbar nach der Zeremonie fast erschlagen hätte), die sogenannte Schwertleite, also die Mündigkeit und politische Handlungsfähigkeit, heiratet
  • 1066/68? Bertha von Savoyen, tritt
  • 1076/77 den berühmten Bußgang nach Canossa zu Papst Gregor VII. (1025/30-1085) an, wird  
  • 1084 zu Ostern, vom 1080 auf der Synode zu Brixen (Südtirol/Italien) gewählten Gegenpapst Clemens III. (1020/30?-1100), zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt, um schließlich
  • 1105 von seinem Sohn Heinrich V. (1081/86?-1125) 1105 festgenommen, abgesetzt und eingesperrt zu werden.

Kurz darauf, 1106, verstarb Heinrich IV. in Lüttich, wurde mehrfach umgebettet, fand dann aber 1111 seine letzte Ruhestätte endlich in der Krypta des Doms zu Speyer.

Persönlichkeit

Warum wird Heinrich IV. häufig auch "der unglückliche Kaiser" genannt?

Obwohl Heinrich IV. in den Chroniken durchweg als äußerlich angenehme Erscheinung und in seinen Eigenschaften als couragiert, furchtlos, kultiviert, gebildet und urteilssicher geschildert wird, scheint sein Misstrauen gegenüber fast jedem aus seiner Umgebung bereits in seiner Jugend geprägt worden zu sein.

Und das ist durchaus nachzuvollziehen.

  • Als Kind den Vater verloren,
  • ungeliebt von der Mutter,
  • die aus Machtspielen des Erzbischofs Anno von Köln erfolgte Entführung sowie 
  • die ewigen Zankereien zwischen der unfähigen Mutter und den Kirchenleuten um seine Erziehung,

scheinen seinen Charakter nachhaltig beeinflusst zu haben. Seine Gegner dagegen, sahen in Heinrichs zwiespältigem Verhalten ihnen gegenüber ausschließlich nur die negativen Züge.

Zeitlebens kämpfte Heinrich um die Macht im Reich. Und zwar im Wesentlichen gegen den missgünstigen, ehrgeizigen adeligen Klüngel und – wie nicht anders zu erwarten – gegen den Papst. Letzteres im Besonderen gegen Papst Gregor VII..

Aber trotz seiner tief greifenden Auseinandersetzungen mit diesem Mann, die den Höhepunkt des Investiturstreites sowie 1076/1077 den berühmten "Gang nach Canossa" zur Folge hatten, blieb Heinrich IV. gläubiger Christ.

Obwohl er gelernt zu haben schien, mit den ihm begegnenden Widrigkeiten umzugehen, muss ihn aber doch der Verrat seiner Söhne Konrads und Heinrichs (V.) sowie die Untreue seiner zweiten Ehefrau, Adelheid von Kiew, sprichwörtlich aus der Bahn geworfen zu haben.

Es heißt, er soll sich mit Suizidgedanken getragen haben. Anzunehmen ist daher durchaus, dass Heinrich IV. – im Rückblick auf sein Leben – im August 1106 (in Lüttich) "unglücklich" starb.

Kindheit, Jugend, Eheschließung

Wie hat Agnes von Poitou die Vormundschaft Heinrichs IV. wahrgenommen?

In der Geschichtsforschung heißt es: Widersprüchlich!

Die einen halten Agnes für unsicher, ängstlich, frömmlerisch und einer verantwortungsvollen Regentschaft nicht gewachsen, die anderen respektieren sie als ausgleichend, friedenssichernd und politisch akzeptiert.

Fakt scheint aber zu sein, dass ihr bei der Vergabe von Herzogtümern an eine Reihe Adeliger, schwerwiegende Fehler unterlaufen sind – die sich allerdings erst nachträglich als Lapsus erweisen sollten.

So entpuppten sich später, während der Regierungszeit Heinrichs IV.,

  • Rudolf von Rheinfelden (der Herzog von Schwaben wurde),
  • Otto von Northheim (der das gleiche Amt in Bayern erhielt) und
  • Berthold von Zähringen (der sich über den Zuschlag Kärntens freuen durfte)

als Heinrichs schärfste Gegner.

Zum anderen hinterließ Agnes mit diesem Vorgehen ihrem Sohn – und damit dem salischen Herrschaftshaus – nicht ein einziges Herzogtum. Einer bis dahin für das Wirken der Salier notwendigen Machtstruktur, wurde damit letztlich eine tragfähige Basis entzogen.

Warum, wann und von wem wurde Heinrich IV. entführt?

Die in der Geschichte mächtiger Herrschaftsgeschlechter immer wieder vorgekommenen Streitigkeiten um Macht, Geld und Ansehen – sei es innerhalb der Familien oder mit machtgierigen Herzögen, Fürsten und anderen Politgangstern von außen – machten auch vor Heinrich IV. nicht Halt.

Dieses Mal, im Jahre 1062 – und auch das war nicht unüblich – stritten sich eine Handvoll Erzbischöfe und Herzöge um die Einflussnahme auf den jungen König.

Um diesem Ansinnen näher zu kommen, beabsichtigte man, sowohl Agnes (der eh nicht viel zugetraut wurde), als auch ihren Subregenten Bischof von Augsburg zu entmachten.

Geiselnahme

Rädelsführer dieses Zoffs war der Erzbischof Anno von Köln, der, anlässlich eines Aufenthalts Agnes´ und Heinrichs IV. in der Pfalz Kaiserswerth bei Düsseldorf, den zwölfjährigen Heinrich auf sein Boot lockte und gegen dessen Willen festhielt. Allerdings sind hier die Quellen, wie so häufig, nicht eindeutig. Die einen sagen, Heinrich wäre nach Köln gebracht worden, die anderen vertreten die Meinung, der junge Mann sei von Bord gesprungen, fast ertrunken, letztlich aber von einem der Verschwörer aus dem Wasser gezogen worden.

Auch Erzbischof Anno kommt in der Betrachtung seiner Beweggründe für die Entführung unterschiedlich weg. Einerseits werden ihm unlautere Absichten zur Erlangung der Macht unterstellt, andererseits heißt es, Erzbischof Anno habe Heinrich eine Erziehung vermitteln wollen, die nicht von seiner ängstlichen, unsicheren und frömmelnden Mutter beeinflusst würde.

Fest steht aber wohl, dass Heinrichs Verhältnis zu dem Kölner Kirchenmann fortan unreparabel gestört war.

Wie ging es nach dem Kidnapping mit Heinrichs IV. Erziehung weiter?

Kurz nach der Entführung ihres Sohnes, zog sich Mutter Agnes weitestgehend aus dem Politgeschäft zurück. Auch hier gibt es, den Chroniken und der Forschung zufolge, über Agnes' "Wohin", die unterschiedlichsten Annahmen. Zuletzt soll sie sich vermehrt in Italien aufgehalten haben. Agnes verstarb 1077 in Rom, und wurde im Petersdom bestattet.

Heinrichs weitere Erziehung teilten sich Erzbischof Anno von Köln und Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen.

Während der Kölner Bischof Heinrich IV. nach überkommenen Prinzipien – Zucht, Ordnung, Pauken – zu lenken versuchte, ließ der Mann aus Hamburg-Bremen dem König sehr viel mehr Freiheiten. Und die nutzte Heinrich IV. geradezu exzessiv.

Chillen und Antipathie

Er zog um die Häuser, trank, prügelte sich und trieb sich mit Prostituierten herum. Um diesem Lotterleben ein Ende zu bereiten, wurde beschlossen, Heinrich mit einer gewissen Bertha zu verheiraten. Aus Staatsräson!

Bertha stammte aus dem in Oberitalien einflussreichen Hause des Grafen von Savoyen und der Markgräfin Adelheit von Turin, und war bereits 1055 mit dem fünfjährigen Heinrich verlobt worden.

Obwohl Heinrich keinerlei Begeisterung, weder für Bertha, geschweige denn für den Akt der Eheschließung zeigte, fand die Zeremonie 1068 trotzdem statt. Aber bereits ein Jahr später, 1069 auf dem Reichstag zu Worms, forderte Heinrich von den versammelten Fürsten die Scheidung. Ein ungeheuerlicher Vorgang.

Scheidungen waren seiner Zeit so gut wie unmöglich. Es sei denn, Heinrich hätte Bertha einen Seitensprung nachweisen können. Aber da war nichts. Also begnügte Heinrich sich schlicht mit dem Argument, Bertha absolut nicht leiden zu können. Hat aber nichts genutzt.

Selbstverständlich erkannte Papst Alexander II., Papst von 1061 bis 1073, diese fadenscheinige Begründung nicht an. Er verweigerte diesem frevelhaften Ansinnen Heinrichs rundheraus seine Zustimmung. Heinrich machte gute Mine zum bösen Spiel, nahm sein nicht standesgemäßes Verhalten wieder auf, vergnügte sich anderweitig, zeugte mit Bertha aber doch immerhin fünf Kinder – zwei Töchter, drei Söhne – von denen einer als Heinrich V. (und der Letzte aus dem Hause der Salier) das Erbe des Vaters antreten sollte.

Wer waren die Kinder von Heinrich IV. und Bertha von Savoyen?

Die aus der – von Heinrich IV. eigentlich ungewollten – ehelichen Verbindung mit Bertha von Savoyen fünf Kinder waren:

  • Adelheid (1070-1079),
  • Heinrich – nach der Geburt 1071 verstorben,
  • Agnes von Waiblingen (1072/73-1143),
  • Konrad (III.): 1074-1101. (das war der, der sich mit Papst Urban II. (1042-1099) gegen seinen Vater gestellt hat, daraufhin später aber enterbt wurde) sowie
  • Heinrich V.: 1086-1125 – der seinen Vater 1105 absetzen und einsperren ließ, um sich dann zu dessen Nachfolger wählen zu lassen.

Bredouillen, Bedrängnis und Misshelligkeiten

Heinrich IV. und die Sachsen – was war da los?

Heinrich IV., inzwischen um die Zwanzig, jahrelang bevormundet und zu Dingen gezwungen, die seinen Vorstellungen nicht entsprachen, hatte sich entschlossen, einen Teil des von seinen vormundschaftlichen Satrapen verplemperten Reichsvermögens zurückzuholen. In Sachsen.

Keine gute Idee! Heinrichs Temperament ließ ihn voreilig und überstürzt agieren. Mit den Sachsen war noch nie gut Kirschen essen. Auch jetzt nicht.

An die Spitze der Revolte holten sie, die Sachsen, Otto von Northeim, der ohnehin mit Heinrich noch ein Hühnchen zu rupfen hatte. Warum? Weil Heinrich ihm 1070 – wegen angeblicher Gesinnungslosigkeit – das Herzogtum Bayern abgenommen hatte.

Langer Rede, kurzer Sinn - Heinrichs Gegner, die Sachsen und mittlerweile auch die Thüringer, zwangen ihn zur Flucht aus der Harzburg (ehemalige Kaiserburg bei Bad Harzburg). Abgekämpft, müde und mental am Ende, erreichte Heinrich nach längerem Umherirren schließlich Worms.

Wer hat dafür gesorgt, dass Heinrich IV. König blieb?

Das waren 1073 die Bürger von Worms. Eine sich zunehmend entwickelnde städtische Gesellschaftsschicht, die durch Handel und Handwerk nicht nur zu einigem Wohlstand gekommen war, sondern deren Bewohner sich als mündige und selbstbewusste Staatbürger empfanden. Das war neu.

Es war die Zeit, in der unter anderen aus Bischofssitzen, Pfalzen und sich um Burgen herum bildenden Marktflecken, langsam stadtähnliche Siedlungen entstanden. Anders ausgedrückt: Es war der Beginn einer frühen Städteentwicklung.

Empörung und Aufruhr

Während Heinrichs ergebnislosem Kampf gegen Otto von Northeim und die Sachsen, trugen sich die Reichsfürsten – unter Federführung der Erzbischöfe Anno von Köln und Siegfried von Mainz – mit der Absicht, einen neuen König zu inthronisieren. Aber: Sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Entschlossen, nicht aufzugeben sowie mit der Unterstützung der Wormser, die ihren Bischof – wegen seiner königsfeindlichen Haltung – aus der Stadt jagten, überstand das Stehaufmännchen Heinrich auch diese unfreundliche Situation.

Eine weitere, wenn auch nicht endgültige Wendung dieses Konflikts, ist zurückzuführen auf die Vermittlung Gregors VII. (1025/30-1085), der kurz zuvor – angeblich gegen seinen Willen, aber auf Drängen der Römer – im April 1073 die Nachfolge Papst Alexanders II. (um 1010-1073) angetreten hatte.

Im Frieden von Gerstungen in Thüringen im Februar 1074, blieb Heinrich zwar der königliche Besitzstand erhalten, musste aber den Aufständischen die Zerstörung der Harzburg zugestehen.

Wie viele Päpste hat Heinrich IV. erlebt – und welche waren das?

Heinrich IV. hatte zu seinen Lebzeiten (1050-1106) das "Vergnügen" mit zwölf Päpsten. Drei von ihnen, fungierten allerdings als Gegenpäpste.

Im Einzelnen waren das:

  • Leo IX. - 4. deutscher Papst von 1049 bis 1054,
  • Viktor II. - 5. deutscher Papst von 1055 bis 1057,
  • Stephan IX. - 6. deutscher Papst von 1057 bis 1058, den allerdings auch die Franzosen als den ihren betrachteten,
  • Nikolaus II. aus Savoyen - Papst von 1058 bis 1061,
  • Benedikt X. - Gegenpapst von 1058 bis 1060,
  • Alexander II. - Papst von 1061 bis 1073,
  • Honorius II. - Gegenpapst von 1061 bis 1064,
  • Gregor VII. - Papst von 1073 bis 1085 und Gegenspieler Heinrichs IV. im Investiturstreit,
  • Clemens III. - Gegenpapst von 1084 bis 1100, hat Heinrich IV. 1084 zum Kaiser gekrönt,
  • Viktor III. - Papst von 1086 bis 1087,
  • Urban II. - französischer Papst von 1088 bis 1099, hat zu den Kreuzzügen aufgerufen,
  • Paschalis II. - Papst von 1099 bis 1118, hat Heinrich IV. um zwölf Jahre überlebt.
Warum waren Heinrich IV. und Papst Gregor VII. ziemlich beste Feinde?

Weil sie sich um die Frage stritten, wer ohne Wenn und Aber die Berechtigung habe, Bischöfe, Äbte und sonstige kirchlichen Würdenträger ins Amt zu setzen (Investitur: lat.: investitura = einkleiden). Diese Kontroverse war begleitet von gegenseitiger Abneigung, mehrmaliger Verhängung des Kirchenbanns, der Berufung ausgewählter Gegenpäpste durch den Kaiser und seinen – aus taktischen Gründen – durchgeführten "Bußgang nach Canossa".  

Beigelegt wurden diese Meinungsverschiedenheiten 1122 mit dem Wormser Konkordat. Da waren die Streithähne Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. bereits sechzehn bzw. siebenunddreißig Jahre tot.

Mehr zur Causa Kaiser vs. Papst finden Sie unter:

Wie ging es für Heinrich IV. nach der Schlacht an der Elster weiter?

Unverändert angespannt.

Im dritten und letzten Aufeinandertreffen Heinrichs IV. und des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden, konnte Heinrich die ständigen Feindseligkeiten endlich beenden. In der Schlacht bei Hohenmölsen an der Weißen Elster (Sachsen-Anhalt). Im Oktober 1080.

Nach dem Tod Rudolfs, der nach dieser Schlacht an seinen Verletzungen verstarb, stellten Heinrichs Gegner einen zweiten Gegenkönig auf. Einen gewissen Hermann von Salm, der aber Heinrich nicht wirklich gefährlich wurde.

Ein schwereres Geschütz dagegen war Wilbert von Ravenna, den Heinrich im Juni 1080 in Brixen zum Gegenpapst hatte wählen lassen. Da der König darüber hinaus auch seine gegen ihn opponierenden Widersacher aus ihren Herzogtümern verjagt und durch Vertrauensleute ersetzt hatte, tummelten sich im ostfränkisch-deutschen Reich nun – verwirrend genug – ein Gegenkönig, ein Gegenpapst, doppelte Herzöge und hier und dort sogar Gegenbischöfe.

Muss nicht sehr lustig gewesen sein, diese Situation. Fortwährend hatte Heinrich IV. um seinen – ihm doch rechtmäßig zustehenden – Königsstuhl zu kämpfen. Sehr lästig, das alles ...

Italien: Hin und zurück

Was trieb Heinrich IV. 1081 nach Rom?

Es galt, den von ihm zum Gegenpapst ausgerufenen Wilbert von Ravenna (1020/30?-1100) nach Rom auf den Stuhl Petri zu schaffen. Das zog sich hin. Es brauchte drei Anläufe, ehe es Heinrichs Truppen 1084 gelang, Rom einzunehmen.

Gregor VII. floh in die Engelsburg, musste verfolgen, wie Wilbert von Ravenna im März d. J. in der Laterankirche zu Rom als Papst Clemens III. inthronisiert wurde und – oh, Graus – ein paar Tage später auch noch Heinrich IV. zum Kaiser krönte.

Spätestens jetzt stand Gregors Entschluss, Rom zu verlassen, fest. Er ging nach Salerno, wo er im Mai 1085 verstarb.

Heinrich IV. hat seinen Widersacher Gregor VII. um über zwanzig Jahre überlebt. Und Papst Clemens III., Gegenpapst von 1084 bis 1100, saß letztlich, wenn man so will, vier Päpste aus:

  • Gregor VII. (Papst von 1073 bis 1085),
  • Viktor III. (Papst von 1086 bis 1087),
  • den Franzosen Urban II. (Papst von 1088 bis 1099) und
  • Paschalis II. (Papst von 1099 bis 1118).

Nach dem Tod Clemens´ III. im Jahre 1100, folgten auf ihn drei weitere Gegenpäpste auf dem Stuhl Petri:

  • Theodoricus (Gegenpapst bis etwa 1102),
  • Albertus (Papst für gute drei Monate in 1102) und
  • Sylvester IV. (Gegenpapst von 1105 bis 1111)

Allerdings setzte sich Papst Paschalis II. nach etlichem Hin und Her gegen jeden dieser drei – im Grunde nicht wirklich zum Zuge kommenden – Gegenpäpste durch. Sie wurden schnöde verraten, eingesperrt, zur Flucht genötigt oder verzichteten, wie Sylvester IV., irgendwann von selbst auf ihr Amt.

Nachtrag

Auf Papst Paschalis II. folgte für ein Jahr ein gewisser

  • Gelasius II. (um 1060-1119), gleichzeitig mit diesem der
  • Gegenpapst (von 1118 bis 1121) Gregor VIII. sowie mit
  • Calixt II., ab 1119 bis 1124 wieder ein – sozusagen "richtigerer" – Papst.

Na ja, und so weiter. Papst sein, muss ein toller Job gewesen sein ...

Was geschah nach Kaiser Heinrichs IV. Rückkehr aus Rom?

Eine Menge. Der Mann hatte wahrlich ein anstrengendes Leben.

Aus Rom zurückgekehrt, entledigte er sich – gestützt auf die ihm gewogen gebliebenen Getreuen – des schwachen Gegenkönigs Hermann von Salm. Gleichzeitig setzte er mit der Ernennung des Priesters Wezilo aus Halberstadt zum Erzbischof von Mainz, seinen kaiserlichen Investituranspruch durch, und erreichte 1087 die Erhebung seines Sohnes Konrad zum Mitkönig.

Einen dritten Gegenkönig gab es nicht mehr. Heinrichs erstarkte Position ließ das nicht mehr zu.

Sein ärgster Widersacher, Otto von Northeim, war 1083 verstorben. Vier Jahre später, 1087, verstarb auch Heinrichs Gattin, Bertha von Savoyen, die im Dom zu Speyer beigesetzt wurde.

Heinrich heiratete 1089 ein zweites Mal. Und zwar die gut zwanzig Jahre jüngere, ebenfalls bereits einmal verehelichte Adelheid von Kiew, die auch unter dem Namen "Praxedis" in die Annalen eingegangen ist.

Warum musste Heinrich IV. 1090 erneut nach Rom?

Seit sich die Herrscher des frühen Mittelalters zur Aufgabe gemacht hatten, die Tradition des Antiken Römischen Reiches fortzusetzen, sich daher als römisch-deutsche Kaiser bezeichneten und daraus einen Herrschaftsanspruch über Italien ableiteten, hatten sie mit Rebellion, Aufständen und widerspenstigen Gegnern zu tun.

Das galt nun auch für Heinrich IV., der 1090 ein zweites Mal nach Italien ziehen musste, um wieder einmal für Ruhe zu sorgen. Zwei Jahre konnte er sich gegen die verbündeten Nord- und Süditaliener halten, dann, 1092, unterlag er – Ironie des Schicksals – bei Canossa den Aufständischen.

Jetzt tauchte Papst Urban II. (1035-1099; Papst von 1088 bis 1099) aus dem Exil auf, der zuvor dem Gegenpapst Clemens III. hatte weichen müssen. Ihm, Urban II., gelang es, nicht nur den Lombardischen Städtebund, sondern 1093 auch Heinrichs Sohn Konrad auf seine Seite zu ziehen, der sich von Urban zum König der Lombardei krönen ließ.

Heinrich dagegen musste mehr oder weniger tatenlos bis 1095 im Nordosten Italiens (Venetien) ausharren. Er konnte nicht zurück. Seine Gegner hielten die Pässe besetzt. Außerdem war Heinrich in Piacenza in einen unangenehmen Prozess verwickelt.

Wie endete Heinrichs IV. Herrschaft?

Dramatisch.

Zeitlebens hatte er um die Macht kämpfen müssen:

  • Gegen die Reichsfürsten seines ostfränkischen-römischen Reiches,
  • gegen Papst Gregor VII.,
  • gegen seine verleumderische zweite Gattin Adelheid von Kiew ("Praxedis"),
  • gegen seinen zweiten Sohn Konrad, der sich auf die Seite Papst Urbans II. geschlagen hatte.

Und zum Schluss enttäuschte ihn auch noch der dritte Sohn,

  • Heinrich, der den Vater 1105 absetzte und auf der Burg Ingelheim einsperren ließ.

Der Reihe nach

Nach Heinrichs ungeliebtem Aufenthalt in Italien sowie der erlösenden Scheidung von Adelheid, die während eines Prozesses in Piacenza (Emilia-Romagna/Italien) gegen ihren Gatten polemisierte, indem sie ihn in ungeheuerlicher Weise perverser Sexpraktiken bezichtigte, kehrte Heinrich 1095 schließlich nach Deutschland zurück.

Auf einer Reichsversammlung 1098 in Mainz, erklärte Heinrich IV. seinen Sohn Konrad für abgesetzt und enterbt. Konrad verstarb 1101 in Florenz.

Ebenfalls 1098/99 wurde der dritte Sohn, Heinrich, der spätere V., zum Mitkönig nominiert.

Im Spätsommer 1099, Papst Urban II. war im Frühjahr verstorben, wurde ein gewisser

  • Raniero di Bieda zu Papst Paschalis II. gekrönt, der die Politik Gregors VII. weiterführte,
  • über Heinrich IV. erneut den Bann verhängte und dessen Sohn
  • Heinrich (V.) zu einem Aufstand gegen den Vater bewog.

Im Herbst 1105 standen sich Heinrich IV. und sein Filius mit ihren Truppen bei Regensburg gegenüber.

Obwohl es nicht zu Kampfhandlungen kam, gelang es dem Sohn – irgendjemand soll dabei seine verräterische Hand im Spiel gehabt haben – den Vater gefangen zusetzen und gegen Ende d. J. zur Abdankung zu zwingen.

Heinrichs IV. Versuch, nach geglückter Flucht aus der Inhaftierung mit militärischer Intervention das Rad umzudrehen, misslang.

Tod und Bestattung

Heinrich IV. verstarb – immer noch belegt mit dem Kirchenbann, dem Vierten! –

  • im August 1106 in Lüttich,
  • wurde im dortigen Dom bestattet und
  • später in nicht geweihter Erde nach Speyer umgebettet,
  • um dann schließlich und endlich – Heinrich V. hatte inzwischen die Auflösung des Banns erwirkt – im Kaiserdom von Speyer seine letzte Ruhe zu finden.

Fürwahr, ein abenteuerliches Leben und ziemlich aufregende letzte Jahre …

Autor:

Quellen:

  • "Die deutschen Cäsaren" (S. Fischer-Fabian/Droemer Knaur Verlag)
  • "Das Mittelalter" (Hywel Williams/National Geographic History)
  • "Die Päpste" (Norbert F. Pötzl, Johannes Saltzwedel: Hg./Deutsche Verlags-Anstalt: Spiegel Buchverlag)
  • "Deutsche Geschichte, Bd. 1" (Heinrich Pleticha, Hg./Bertelsmann Lexikon Verlag)
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