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Wer waren die Goten – und woher kamen sie?

Die Goten waren ein germanischer Volksstamm, der – etwa um die Geburt Jesu Christi herum – seine (nicht wirklich verbriefte) südskandinavische Heimat verließ. Die Goten siedelten unter anderem an Oder und Weichsel und rückten vor bis zum Schwarzen Meer.

Ihre Berühmtheit verdanken die Goten einerseits natürlich der germanischen Zuordnung, die hierzulande gern romantisiert wird. Noch mehr aber der Zeit der Völkerwanderung. In dieser wirren Geschichtsepoche rund um das 5. Jahrhundert n. Chr. gerieten die Goten einerseits wiederholt in Konflikt mit dem Römischen Reich und spalteten sich andererseits aus nicht ganz eindeutigen Gründen in Westgoten und Ostgoten auf.

Westgoten: von Osteuropa bis nach Spanien

Die Ostgoten wurden erst von den Hunnen aus dem Schwarzmeer-Gebiet vertrieben, flüchteten ins römische Imperium und beherrschten dort unter Theoderich im Jahre 488 n. Chr. sogar große Teile Italiens. Danach ging es bergab bis zur fast kompletten Auflösung im römischen Reich bzw. dem, was davon übrig war.

Die Westgoten trieb es hingegen erst nach Frankreich (Gallien), dann nach Spanien. Dort wurden sie im 8. Jahrhundert n. Chr. von den muslimischen Mauren besiegt und verdrängt. Auch hier kam es zu einer fast kompletten Auflösung.

Hätten wir komplette Stammbäume, wären sicher nicht nur viele Deutsche, sondern auch heutige Franzosen, Spanier, Italiener, Polen, Rumänen und Bulgaren genetisch betrachtet Goten. Und natürlich auch ein paar Amerikaner.

Teilung

Wann separierten sich die Goten – wohin gingen sie?

Im Jahre 269 trennten sich die Goten aus unerfindlichen Gründen in Ost- und Westgoten.

Während sich die Ostgoten in Gegenden Ungarns, Südrusslands, Serbiens, Sloweniens und Kroatiens festsetzten, plünderten die Westgoten vorzugsweise westliche römische Provinzen. Nachdem sie 410 n. Chr. unter ihrem König Alarich I. (370-410) Rom platt gemacht hatten, richteten sie sich in Südfrankreich häuslich ein.

Anfang des 6. Jahrhunderts wurden sie dort allerdings vom Frankenkönig Chlodwig I. (466-511) verdrängt. Und zwar in Richtung Spanien. Was dort aber erstens nicht auf Gegenliebe stieß und zweitens auch nur von kurzer Dauer war, denn dorthin trieb es rund 200 Jahre später auch die muslimischen Mauren. Und die waren stärker.

Verdrängung

Von wem wurden sowohl die Ost- als auch die Westgoten attackiert?

Von den die Hunnen.

Obwohl deren Herkunft, Name und der Grund ihres Vordringens nach West- und Mitteleuropa bis heute nicht eindeutig geklärt sind, scheint der Mix unterschiedlichster Stämme wie Kai aus der Kiste wahrscheinlich aus den Steppen Zentralasiens gekommen zu sein.

Etwa um 375 n. Chr. drängten die Hunnen in das Gebiet ums Schwarze Meer, unterwarfen die dort ansässigen Ostgoten und lösten damit die von 357-568 an dauernde Völkerwanderung aus.

Während die Ostgoten nun in überwiegender Zahl den Club der Steppenkrieger komplettierten, flohen einige andere zu den Westgoten, die vor den weiter ziehenden Reiterhorden wiederum Schutz in der römischen Provinz Thrakien (heute: Bulgarien, Griechenland, Türkei) gesucht hatten.

Schlacht bei Adrianopel

Da das – nach Meinung der Westgoten – mit dem Schutz seitens der Römer allerdings nicht so weit her gewesen zu sein scheint, wurde dieser Konflikt 378, wie auch sonst, in der Schlacht bei Adrianopel (heute: Edirne/Türkei) militärisch ausgetragen.

Während die Römer in diesem Waffengang erhebliche Verluste hinnehmen mussten und – unter vielen anderen – auch ihr Heeresführer Kaiser Valens (328-378) sein Leben auf dem Schlachtfeld verlor, zogen die siegreichen Westgoten unverdrossen weiter.

Westgoten

Wohin zog es die Westgoten?

Über Griechenland und durch den Balkan auf der Walz,

  • erreichten sie, die Westgoten, 401 Italien,
  • plünderten 410 unter ihrem Heerführer Alarich, wie weiter oben schon einmal erwähnt, Rom,
  • durchstreiften Gallien (Frankreich),
  • ließen sich schließlich in Spanien nieder,
  • kämpften 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (Nordfrankreich) auf Seiten des weströmischen Feldherrn Aetius (um 390-454) gegen die Hunnen sowie die mit diesen verbündeten Ostgoten und
  • errichteten in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts unter ihrem König Eurich (um 440-484) auf der Iberischen Halbinsel ein in seiner Ausdehnung bedeutendes Reich – das Westgotenreich.

Dort wurden sie im 8. Jahrhundert n. Chr. – knappe zweihundertdreißig Jahre später (711) – von den muslimischen Mauren besiegt und verdrängt.

Wer war Eurich – und wie wurde er König der Westgoten?

Eurich (440-484) war einer der Söhne des westgotischen Königs Theoderich I. (nicht zu verwechseln mit Theoderich dem Großen). Als dieser, also Theoderich I., 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (im heutigen Nordosten Frankreichs) – dort schlugen sich Römer und Westgoten mit Attilas Hunnen – umkam, traten nacheinander seine Söhne Thorismund, Theoderich II. und Eurich die Nachfolge an:

  • Thorismund verstarb kurz nach Übernahme seiner Amtsgeschäfte,
  • Theoderich II. wurde 466 von Eurich auf unschöne Art beseitigt und
  • Eurich selbst übernahm dann den Job des Königs der Westgoten.

Das blieb er bis zu seinem Tod 484.

Wie regierte Eurich das Reich der Westgoten?

Durchaus mit Augenmaß und moderat.

Allerdings ignorierte Eurich einfach alle bisher mit den Römern geschlossenen Verträge, löste sein Westgotenreich innerhalb kürzester Zeit komplett vom römischen Reich und expandierte. Schließlich saßen die Westgoten in der Gegend zwischen Loire, Rhóne und Atlantik fest im Sattel und beherrschten zum Schluss sogar die Iberische Halbinsel.

Wer stoppte Eurichs Expansionsdrang?

Das war der Frankenkönig Childerich I. (verstorben um 480?), dem es zweimal gelang, Eurich zu besiegen. Das

  • erste Mal 463 mit Hilfe des gallisch-römischen Feldherrn Aegidius bei Orléans sowie
  • sechs Jahre später (469) mit Unterstützung des gallisch-römischen Statthalters Paulus in Brabant.
Was ist der „Codex Euricanius“?

Der "Codex Euricanius" ist eine vom Westgotenkönig Eurich verfasste Gesetzessammlung, die das  Miteinander – sozusagen als früher Integrationsbeauftragter – unterschiedlichster Volksgruppen verbessern und regeln sollte.

Ostgoten

Und die Ostgoten? Was wurde aus denen?

Nachdem die Hunnen wenige Jahre nach Attilas Tod (453) ebenso plötzlich verschwanden, wie sie aufgetaucht waren, fassten die Ostgoten in Pannonien (Westungarn) Fuß und bauten

  • unter dem ostgotischen König Theoderich dem Großen (um 454-526)

ein beachtliches ostgotisches Reich auf. Hauptsitz ihres von 493 bis 553 bestehenden und weitestgehend friedfertigen ostgotisches Reiches wurde Ravenna (Emilia-Romagna/Italien). Man ist geneigt zu sagen: Sie kamen, um zu bleiben.

Als Theoderich unter nicht wirklich eindeutig geklärten Umständen verstarb, entstand eine gewisse Planlosigkeit in der Suche nach einem potentielle Nachfolger. Noch ein Grund mehr für den schleichenden Niedergang des Reiches. Schließlich behielt im Zuge dieser Auflösungserscheinungen der oströmische Kaiser Justinian I. (482-565), der sich nach Kräften für eine Runderneuerung des Römischen Reiches (allerdings ohne Gallien und Spanien) stark machte, die Oberhand.

Das Ende

Mit den Ostgoten ging es also zunehmend bergab. In der Schlacht am Mons Lactarius (bei Neapel/Italien) 552 fiel der letzte ostgotische König (Teja). Die meisten Überlebenden unterwarfen sich den Römern und wurden assimiliert. Andere übten sich nimmermüde bis 562 im aussichtslosen Widerstand, wieder andere fanden Aufnahme bei Franken und Langobarden. Tja, das war’s dann mit den Ostgoten …

Autoren:

Quellen:

  • "Die Germanen" (Norbert F. Pötzl, Johannes Saltzwedel, Hg./Goldmann: Spiegel Buchverlag)
  • "Italien I" (Eckart Peterich/Prestel Verlag München)
  • "Geschichte-kompakt & visuell" (Philip Parker/Dorling Kindersley Verlag, München)
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